Kult-Keeper im AZ-Interview Ex-Löwe Gabor Király: "Sechzig ist für mich Bundesligist"

Der Kult-Keeper mit der Schlabberhose: "Ein toller Verein mit tollen Fans und Emotionen pur. Als Fußballer muss man 1860 erlebt haben", sagt Gabor Király im AZ-Interview. Foto: imago

Exklusiv in der AZ spricht Gabor Király, Ex-Torwart des TSV 1860, über sein heutiges Leben, die graue Schlabberhose und die Depressionen, die ihn gepeinigt haben.

 

München - Gabor Király im AZ-Interview: Der jetzt 44-Jährige war ungarischer Nationaltorwart, von 2009 bis 2014 war der Mann mit der grauen Schlabberhose Torhüter beim TSV 1860. 2019 beendete er seine Karriere.

AZ: Herr Király, vor knapp einem Jahr haben Sie Ihre Karriere als Torhüter beendet. Die wichtigste Frage vorweg: Welche Hosen tragen Sie seitdem am meisten?
GABOR KIRÁLY: Ich trage alle möglichen Hosen. Aber ich schwöre Ihnen: niemals graue Jogginghosen. (lacht)

Wie schwer ist es, Ihre Schlabberhose nach der Karriere im Schrank zu lassen?
Am Anfang war es nicht leicht: Plötzlich hattest du am Wochenende kein Spiel. Mein Ziel war immer, so viele Spiele zu machen wie nur möglich. Als ich älter wurde, habe ich gesagt: Ich will so lange spielen, wie es mein Körper mitmacht. Mit 43 Jahren war es genug. Ich habe 822 Pflichtspiele geschafft. Das ist schon eine enorme Zahl. Aber mein neues Leben macht mir viel Spaß und reizt mich.

Wie sieht Ihr Leben nun aus?
Ich habe viel zu tun! Nur muss ich nicht mehr auf den Spielplan schauen. Ich habe schon mit 25 begonnen, meine Karriere nach dem Fußball zu planen: 2003 habe ich in meiner Heimat Szombathely eine Sportanlage gegründet, 2006 meinen Klub Kiraly SZE, der in der 4. Liga spielt. Wir haben eine Kooperation mit Hertha und versuchen, dem ein oder anderen ungarischen Spieler eine große Karriere zu ermöglichen. Ich bin auch Botschafter meines Ex-Klubs Crystal Palace. Und ich halte Motivationsvorträge für Firmen und Schulen über den Umgang mit Leistungsdruck.

Király: Sein Karriere-Highlight war die EM 2016

Was ist Ihnen von der internationalen Karriere in Erinnerung geblieben?
Es waren so viele Dinge. Deshalb gibt es jetzt, bald auch in Deutschland, einen Film über meine Laufbahn – von der Kindheit bis zum Karriereende. Ich habe es damals schon bei meiner ersten Auslands-Station bei Hertha BSC in die Bundesliga geschafft, durfte als erster ungarischer Torhüter in der Premier League spielen. Fünf Jahre lang war ich beim TSV 1860, einem so großen Traditionsverein. Und ich konnte meine Karriere bei dem Verein beenden, bei dem ich sie angefangen habe. Ich durfte Stars gegenüberstehen wie David Beckham, Thierry Henry und Luis Figo, mit Icke Häßler spielen. Das waren alles schöne Zeiten, aber das Highlight war die EM 2016 und der Rekord als ältester Spieler.

Sie haben auch die Schattenseiten kennengelernt: In der Saison 2003/04 verloren Sie Ihren Stammplatz bei Hertha und litten unter Depressionen.
Es war keine schwere Depression, sondern eine Vorstufe, die aber dazu hätte führen können. Zum Glück hatte ich Leute um mich, die meine Stimmungswechsel schnell erkannt haben.

Wie haben Sie es geschafft, sich trotz des Leistungsdrucks in einem so unerbittlichen Geschäft wie dem Profifußball aus dieser Lage zu befreien?
Ich habe gelernt, die Warnsignale zu erkennen. Man macht im Leben immer positive und negative Erfahrungen. Wichtig ist, dass man daraus lernt und dankbar für das ist, was man hat. Im Tor ist es so: Du arbeitest die ganze Woche zusammen, man hilft sich untereinander. Da hast du eigentlich gar keinen Konkurrenzkampf. Aber am Ende will jeder spielen und der Trainer muss entscheiden. Natürlich gab es da Schwierigkeiten: Ein Spieler denkt zu viel, einer ist enttäuscht und wütend, ein anderer nimmt es sich zu Herzen. Ich habe andere Personen und Charaktere immer respektiert. Am Ende muss jeder für sich sehen, wie er damit umgeht.

Király: "Ich finde schade, dass Bierofka weg ist"

Wie denken Sie an die fünf Jahre an der Grünwalder zurück?
Ich bin sehr froh, dass ich diesen Verein kennenlernen durfte. Die fünf Jahre sind so schnell vergangen wie fünf Tage. Bei den Löwen ist immer was los: Ein toller Verein mit tollen Fans und Emotionen pur. Als Fußballer muss man 1860 erlebt haben. Dass es vereinspolitische Schwierigkeiten gibt, gehört bei 1860 dazu. Es war schade, dass ich im Sommer 2014 plötzlich gehen musste. Aber ich habe akzeptiert, dass der Verein sparen muss. Viele Freunde sind bis heute geblieben: Ich würde gerne bald einmal wieder in München vorbeischauen.

Wie bewerten Sie die aktuelle Lage bei den Löwen?
Ich finde schade, dass Bierofka weg ist. Jetzt werden wir ihn sicher bei einem anderen Verein sehen, aber er gehört für mich zu 1860 und ich hoffe, dass er irgendwann zurückkommt. Sechzig ist für mich Bundesligist. Es ist bitter, was in den letzten Jahren passiert ist. Aber sie stehen zum Glück vor der Tür zur 2. Liga. Ich drücke die Daumen, dass die Saison weitergeht und sie es schaffen.

Herr Király, wir müssen nochmal auf die Jogginghose zurückkommen: Welche Rolle hat Ihre Schlabberhose, die Sie in Ihrem Fanshop mit Corona-Rabatt verkaufen, in Ihrer Karriere?
Sie war zwar immer nur meine Arbeitskleidung. Aber sie hat mich zu einem Kult-Torwart gemacht – und das nur, weil damals, als wir mit Haladas im Abstiegskampf steckten, mal die Waschmaschine kaputt war und der Zeugwart nichts anderes dabei hatte. Wir haben den Klassenerhalt noch geschafft und weil ich abergläubisch war, habe ich sie 23 Jahre lang getragen. Aber die graue Hose allein hat die Bälle auch nicht gehalten.

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