Kritik zum Hamburger "Tatort: Kopfgeld" Til Schweigers Loblied auf die Selbstjustiz

Der verletzte Nick Tschiller (Til Schweiger) mit Kollegin Kallwey (Britta Hammelstein). Foto: NDR / Marion von der Mehden

Spiel mir das Lied vom Tod: Nie gab es so viele Leichen in einem "Tatort" wie in dieser Episode aus Hamburg mit Til Schweiger.

München - Til Schweiger hält als Kommissar Tschiller seinen nackten Po in die Kamera. Fesselsex mit Staatsanwältin Hanna Lennerz (Edita Malovcic). Keine fünf Minuten später fliegt sein Dienstwagen in die Luft. Schnell verhaut er den im Knast sitzenden Auftraggeber des Attentats, schon wartet der nächste Kampf in Kommissar Tschillers Wohnung.

Die erste Leiche gibt es erst nach rund einer viertel Stunde zu sehen, aber dann häufen sie sich. Nach dem Bremer „Tatort“ vorletzte Woche zeigt „Kopfgeld“ schon wieder vom realen Abou-Chaker-Clan inspirierte, organisierte Kriminalität. Bodycount nach einer halben Stunde: sieben. Das große Gemetzel, das mit zwölf weiteren Opfern zum „Tatort“ mit den bisher meisten Leichen führt, hebt sich Drehbuchautor Christoph Darnstädt für das Finale von „Kopfgeld“ auf. Psychologische Feinheiten bleiben komplett auf der Strecke. Doch es wäre kein „Tatort“, wenn nicht zwischen den Leichen auch eine menschelnde Botschaft begraben wäre. Schlimm, dass ein strafunmündiges Kind eine Pistole ausgehändigt bekommt und von da an Gangster als Berufswunsch hat. Diese, von Regisseur Christian Alvart plakativ inszenierte, schlechte Welt, kann wohl nur durch einen „Tatort“-Superhelden verbessert werden – mit Mitteln der Selbstjustiz.

Tschillers im Duett mit dem Drogenspezialisten Enno Kromer vorgetragenen Allmachtsfantasie, fasst zusammen, worum es in der Folge geht: Listen mit Feinden abzuarbeiten. Nach den Astans wollen sie den nächsten Clan „ficken“, dann die Russen – „von hinten“ – dann Albaner, Rocker, korrupte Senatoren und Bänker, Päderasten, Dschihadisten, Neonazis – ach, die hätten wir bei dem Fokus auf kriminelle Ausländer doch fast vergessen. Aber zu spät: „Wir waren zu korrekt, zu deutsch.“

Der „Tatort“ bedient alte Law-and-Order-Klischees. Darum geht auch der Plan des Drogenpolizisten, den verhassten Astan-Clan im Bandenkrieg auslöschen zu lassen, weitgehend auf, bevor er schließlich selbst gerichtet wird. Der Held lässt nicht andere für sich morden, sondern bringt ein persönliches Opfer. Tschiller kann den Vergewaltiger seiner Freundin in Notwehr verbrennen. In der Logik der Folge handelt er gerecht.

Fazit: Der „Tatort“-Kommissar als wenig überzeugende Mischung aus Bruce Willis und Ronald Schill, hat sein Werk getan. In einem vorhersehbarem Plot, voll mit simplen Schwarz-Weiß-Denken. 

 

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