Kritik zum Elsner-Krimi Frankfurt-"Tatort: Die Guten und die Bösen": Zu viel Katzenjammer

Paul Brix (Wolfram Koch), Ansgar Matzerath (Peter Lohmeyer, sitzend) und Anna Janneke (Margarita Broich) beim Verhör im HR-Tatort (v.l.n.r.). Foto: HR/Degeto

Der Frankfurt-"Tatort: Die Guten und die Bösen" zeigt Hannelore Elsner in einer ihrer letzten Rollen auf der Suche nach dem Menschen hinter dem Verbrecher. Er skizziert einen Polizisten als guten Bösen. Das ist spannend - anderes nicht. Die AZ-Kritik zum Sonntagskrimi.

 

Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung des Frankfurt-"Tatort: Die Guten und die Bösen". Wenn Sie nichts verraten bekommen wollen, warten Sie mit der Lektüre des Textes, bis Sie den Film gesehen haben (Das Erste, 05.04.2020, 20.15 - 21.45 Uhr und in der ARD-Mediathek).


Ein Krimi, in dem der Täter nach 15 Minuten hergeht und sagt: Hier ist eine nackte Leiche mit Plastiktüte auf dem Kopf, und ich bin übrigens der Verbrecher, kann naturgemäß nicht sehr viel Spannung und Gänsehaut auslösen. Der Mörder im Frankfurter Tatort "Die Guten und die Bösen" läuft nicht einmal anstandshalber ein bisserl weg oder liefert sich ein Gerangel. Nichts.

Fall gelöst, befürchtet man schnell. Und das ist er dann auch. Keine Überraschungen oder verzwickten Wendungen – auch wenn man heimlich bis zum Ende hofft, die großartige Hannelore Elsner als pensionierte Ermittlerin Elsa Bronski hat doch irgendwas mit dem Mord zu tun. Hat sie nicht.

Das Ermittler-Duo Janneke (Margarita Broich) und Brix (Wolfram Koch) hat in diesem Fall (Drehbuch: David Ungureit) die Aufgabe bekommen, auseinanderzudröseln, was Gut und Böse eigentlich ausmacht. Was ist Gerechtigkeit? Welche Werte tragen die Arbeit der Polizei? Wie weit kann man gehen, um Recht herzustellen?

An sich spannende Fragen, aber man wünscht sich mehr Tiefgang und weniger Kater-Gejammer. Denn erst einmal sind die beiden nach einer (ziemlich gestellt wirkenden) Privat-Abrissparty völlig besoffen und den Rest des Tatorts restalkoholisiert. Sonst wäre es wohl auch schwer auszuhalten, dass Janneke absolut nichts dazu einfallen will, warum sie überhaupt Polizistin geworden ist.

Mehr Tiefgang, weniger Jammer

Man möchte ihr eine Sabbatical-Auszeit zum Nachdenken empfehlen und nicht ein Team-Coaching. Der Dreh an der Geschichte: Der Böse ist eigentlich ein Guter, sprich Polizist. Aber kann es einen bösen Guten geben? Oder einen guten Bösen? Da es sich um einen Kollegen (Peter Lohmeyer spielt seine Rolle sehr glaubwürdig!) handelt, versuchen die beiden intensiv, sich in ihn hineinzuversetzen, seine Beweggründe zu verstehen - er hat die Vergewaltigung seiner Frau gerächt - und zu ergründen: Was treibt einen Menschen dazu, einem anderen das Leben zu nehmen? Der Mensch hinter einem Verbrechen - spannend.

Dann aber wird es befremdlich: Die Ermittler wollen seine Aussage beschönigen, um die Strafe zu mindern. Gar nicht gut und irgendwann auch nervig. Die Großbaustelle bei der Polizei zeigt symbolisch: Hier wird gerade etwas Wichtiges eingerissen. Nämlich, dass ein Verbrechen nach geltendem Gesetz geahndet werden muss - egal ob der Täter Postbote, Professor oder Polizist ist.

Der Gute a. D. und Neu-Böse selbst ist es, der die zwei wachrüttelt: Er ist ein Mörder und will die Strafe dafür. Das System darf keine Ausnahmen zulassen. Wer ihm das nicht abkauft, bekommt es nochmal von Vorzeige-Polizistin Hannelore Elsner bestätigt - die viel mehr Sendezeit verdient gehabt hätte. Sie ist die beste Gute.

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