Kritik zu ARD-Krimi So wird der Kölner Tatort am Sonntag

Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, r.) lassen sich von Dr. Roth (Joe Bausch, m.) die gerichtsmedizinischen Ergebnisse erklären Foto: WDR/Thomas Kost

Mit "Franziska" setzte der WDR zu Beginn des Jahres ein echtes Ausrufezeichen und präsentierte einen der spannendsten und düstersten Fälle der jüngeren "Tatort"-Geschichte. Im aktuellen Fall geht es deutlich seichter zu - leider...

 

Herzchen-Luftballons steigen zu Beginn in der Kölner Dämmerung auf, während eine Stimme aus dem Off die Liebe erklärt. Ein bisschen viel heiße Luft auf einmal, denkt man da als Zuschauer, erinnert sich dann aber doch wohlwollend an die letzten "Tatort"-Episoden aus Köln, allesamt überdurchschnittlich, ungewöhnlich und düster. Doch die Hoffnung auf einen irgendwie interessant gearteten Film schwindet schnell.

"Wahre Liebe" ist ein biederer 0815-Fall, in dem die Protagonisten platte Baukasten-Sätze aufsagen müssen und man von dem allgegenwärtigen Kernthema Liebe erschlagen wird.

Um was geht's?

Natascha Klein (Suzan Anbeh), Chefin der Internet-Partneragentur "Lovecast", wird erschlagen in ihrem Büro gefunden, neben ihr ein Briefumschlag mit 50.000 Euro. Hat sich ein enttäuschter Kunde an Klein gerächt? Steckt ihr unglücklicher Ehemann dahinter? Oder war es doch eine der Frauen, die duch "Lovecast" an einen mysteriösen Heiratsschwindler mit dem albernen Namen "Der Zauberer" vermittelt wurden?

Nach nicht mal 20 Minuten nehmen die Kommissare Ballauf und Schenk den ersten Verdächtigen fest, aber sowohl den Ermittlern als auch den Zuschauern ist da schon klar, dass er nicht der Richtige ist. Wie praktisch, dass die Kölner Kriminialisten eine neue Aushilfsassistentin haben. Gabi (Kathi Angerer) meldet sich bei der Dating-Plattform an, um quasi undercover zu ermitteln und so Kontakt mit dem Herren Heiratsschwindler aufzunehmen.

Lohnt sich das Einschalten?

Nein. "Wahre Liebe" ist ein simpel gestricktes Eifersuchts-Drama, mäßig spannend und schon gar nicht originell. Sätze wie "Anscheinend war der Liebesgott mächtig sauer. Jedenfalls traf Amors Pfeil sie mit großer Wucht am Hinterkopf" gibt es im Drehbuch von Autor Maxim Leo leider viel zu viele.

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Und natürlich wird auch der unvermeidbare Bogen zum Privatleben der beiden Ermittler geschlagen. "Sach mal, woran erkennt man eigentlich eine gute Beziehung?" fragt Ballauf im Auto mit dem Kollegen Schenk. Genau die Art von Gesprächen, die Männer eben so führen...

Für etwas Aufregung soll der Handlungsstrang um die neue Assistentin Gabi sorgen, die sich aufmacht, mittels eines gefälschten Online-Profils den "Zauberer" zu enttarnen - aus 20 Millionen Kunden. Natürlich springt der Heiratsschwindler darauf an, was Gabi prompt in Lebensgefahr bringt.

So richtig packend ist das dann aber auch nicht, und als sich am Ende ein roter Luftballon in den Himmel aufschwingt, ist das auch wieder irgendwie sinnbildich: denn irgendwie löst sich dieser "Tatort" komplett in Luft auf.

 

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