Kritik an Krieg gegen Terror Todenhöfer: In Mossul entstehen neue IS-Legenden

Todenhöfer war nach eigenen Angaben mit irakischen Sondereinheiten in Mossul und geriet dabei auch unter Beschuss.

 

Berlin - Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Todenhöfer hat nach einem Besuch der umkämpften irakischen Großstadt Mossul das militärische Vorgehen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kritisiert. West-Mossul erinnere an die Trümmerlandschaft von Ost-Aleppo, und die Angriffe träfen fast immer die Falschen. "Es sterben viel mehr Zivilisten als Terroristen", sagte Todenhöfer der "Berliner Zeitung" (Samstag).

In Mossul stünden 2000 IS-Kämpfer einer von den USA geführten Allianz von 68 Staaten mit 100 000 Soldaten gegenüber. "Hier entstehen neue Legenden, wie nur ein Krieg sie schaffen kann", sagte Todenhöfer. "Wer diesem Stahlgewitter entkommt, stilisiert sich als Heldengestalt." Junge Leute, die im Bombenhagel alles verlören, wollten Rache und schlössen sich den Terroristen an.

Todenhöfer: Terror wird nur größer

Der IS-Staat werde in diesem Krieg untergehen, prognostizierte Todenhöfer. Aus dem befreiten Mossul werde man dann Bilder jubelnder Menschen zeigen. Aber "dieser angebliche Krieg gegen den Terror" werde "den Terror nur größer" machen.

"Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatten wir es mit einigen hundert international gefährlichen Terroristen zu tun. Heute sind es über hunderttausend", sagte er weiter. "Diese Terroristen sind durch unsere Kriege herangezüchtet worden", von Afghanistan über den Irak bis Libyen. "Kriege sind der falsche Weg. Wir sollten es mal mit Fairness gegenüber der muslimischen Welt versuchen."

 

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