Regierung wittert Sabotage Krisenland Venezuela schon wieder ohne Strom

Licht aus in Caracas: Venezuela hat erneut mit einem schweren Stromausfall zu kämpfen. Foto: Natacha Pisarenko/AP/dpa

Regierung und Opposition schieben sich gegenseitig die Schuld an dem Kollaps der Energieversorgung zu. Der selbst ernannte Interimspräsident Guaidó will die Wut der Venezolaner nutzen und Staatschef Maduro aus dem Amt drängen.

Caracas - Venezuela leidet erneut unter einem massiven Stromausfall. In der Hauptstadt Caracas und mindestens 14 der 23 Bundesstaaten waren die Menschen ab Montag zeitweise ohne Strom.

Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Netblocks brachen 88 Prozent der Energieversorgung zusammen. Am Dienstag blieben Schulen und Universitäten geschlossen. Die Metro in Caracas stellte den Betrieb ein. Arbeiter und Angestellte blieben zu Hause.

Im seit Wochen andauernden Machtkampf zwischen der Regierung und der Opposition schieben sich beide Seiten gegenseitig die Schuld an dem Stromausfall zu. Die Regierung sprach von Sabotage. "Wir sind wieder Opfer eines Angriffs auf das Transmissionszentrum unseres staatlichen Stromnetzes geworden", sagte Kommunikationsminister Jorge Rodríguez im Fernsehen.

Zunächst sei ein Hackerangriff auf die Energieversorgung verübt worden. Nachdem die Stromversorgung zunächst wieder hergestellt wurde, hätten Unbekannte in einem Umspannwerk Feuer gelegt, was erneut zu einem Stromausfall geführt habe. "Die Regierung hat sofort nach den Attacken alle ihre Anstrengungen darauf verwandt, die Stromversorgung so schnell wie im möglich im ganzen Land wieder herzustellen", sagte Rodríguez.

Zuletzt war in Venezuela tagelang der Strom ausgefallen. Ab dem 7. März waren Teile des Landes über 100 Stunden ohne Strom. Staatschef Nicolás Maduro machte einen von den USA und der Opposition geplanten Cyberangriff für den Zusammenbruch der Energieversorgung verantwortlich. "Wir werden diesen Stromkrieg gewinnen, mit der enormen Kraft, die wir als Volk in unserem Kampf gegen unverschämte Imperien und deren örtliche Lakaien gesammelt haben", sagte Informationsminister Rodríguez.

Die Regierungsgegner um den selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó sprachen hingegen von verschleppten Investitionen, Korruption und mangelhafter Wartung der Anlagen als Grund für den Zusammenbruch der Energieversorgung. "Dieser Stromausfall ist der Beweis, dass der Diktator nicht dazu in der Lage ist, die Krise zu lösen", schrieb Guaidó auf Twitter.

Maduro und Guaidó liefern sich seit Wochen einen erbitterten Machtkampf. Zahlreiche Länder, darunter die USA und Deutschland, haben Guaidó bereits als rechtmäßigen Übergangspräsidenten anerkannt. In Venezuela selbst konnte der Oppositionsführer allerdings bislang noch keine eigene Machtbasis aufbauen. Vor allem die mächtigen Militärs halten weiter zu Maduro.

Guaidó will die Wut vieler Venezolaner über den neuen Stromausfall nun nutzen, um in der Auseinandersetzung mit Maduro Boden gut zu machen. "In diesem Moment planen wir Aktionen, um der Empörung des gesamten Volkes Ausdruck zu verleihen", schrieb er auf Twitter.

Guaidó hat angekündigt, seine Anhänger im ganzen Land zu mobilisieren und sie auf einen Marsch in die Hauptstadt Caracas zu führen. "Der Moment ist gekommen, um die "Operation Freiheit" durchzuführen, die Phase des maximalen Drucks, um das definitive Ende der illegalen Machtübernahme zu erreichen", schrieb er zuletzt in einem Aufruf bei Instagram.

 

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