Krise beim Münchner Traditionsverein Die Löwen im Keller: Wer weckt 1860 auf?

Investor Hasan Ismaik (l.) und Sportchef Gerhard Poschner (r.) müssen einen Weg finden, den Verein aus der Krise zu führen. Foto: sampics/Rauchensteiner//Augenklick

Schockstarre bei den Löwen – und wer reagiert jetzt? Die AZ fragt nach. Bei den Fans, den Verantwortlichen und im Umfeld.

 

München - Über dem Trainingsgelände der Grünwalder Straße liegt eine bleierne Schwere. Lethargie hat sich breitgemacht beim TSV 1860, ein gefährliches Desinteresse am Niedergang. Ein Verein in der Schockstarre – und weit und breit keine Hoffnung in Sicht. Fast schon symptomatisch zog sich am Montagmittag die Videoanalyse des bitteren 2:3 gegen den KSC so lange hin, dass Trainer Markus von Ahlen seine Spieler erst in der Dämmerung auf den Platz schickte. Training im Zwielicht, bis das Flutlicht anging – wie bezeichnend für die Lage der Löwen.

Wer knipst bei Sechzig wieder das Licht an? Wer weckt den Verein auf?

Der Investor: Hasan Ismaik versuchte sich bereits als Weckdienst. Wenngleich nur intern. Hatte er bei seinen letzten Auftritten in München noch gepoltert, kam dieses Mal gegenüber den Medien kein Wort über seine Lippen. Klar ist aber: Ismaik ist unzufrieden. Sehr sogar. Sein 50-Millionen-Euro-Investment hängt am seidenen Faden. Das Verhältnis zu Sportchef Gerhard Poschner scheint, im Vergleich zu vorigen Sportlichen Leitern, gut zu sein. Deshalb sitzt der 45-Jährige trotz sportlicher Talfahrt noch sicher im Sattel. Doch Ismaik wird Forderungen gestellt haben. Der Verein schweigt dazu. Die Inhalte der Gespräche wolle man nicht kommentieren.

Das Präsidium: Wohl auch deshalb, weil deutliche Worte gefallen sein dürften. Auch in Richtung Präsidium. Gerhard Mayrhofer steht in der Pflicht, die richtigen Entscheidungen im Sinne des Vereins – und im Sinne Ismaiks – zu treffen. Die Frage ist: Für welche Maßnahmen wird sich Mayrhofer entscheiden? Wird er den Rufen der Fans nachgeben und Poschner im Winter die Tür weisen? Wird er auf eine Entlassung von Ahlens drängen? Oder wird er dem vorhandenen Personal vertrauen und gegen den Trend handeln?

Die Sportliche Leitung: Auch Sportchef Poschner muss zentrale Fragen beantworten. Ist von Ahlen noch der richtige Trainer? Benötigt die Mannschaft personelle Verstärkung? Die erste Frage wird sich gegen Kaiserslautern und in Leipzig beantworten. Sollte der TSV nicht bestehen, sind von Ahlens Tage wohl gezählt. Die Frage nach Transfers beantwortete Poschner zurückhaltend: „Wenn wir jemanden holen wollen, können wir das tun.“ Poschner verfügt also über das nötige Budget, im Winter nachzubessern. In der Mannschaft wie auch auf der Trainerbank.

Die Fans: Einen Weckruf in Richtung Vereinsführung gab es am Samstag von den Anhängern. „Poschner raus“ und „Wir! Ham! Die! Schnauze voll!“ ertönte es aus der halbleeren Kurve in der Arena. Die wenigen Fans, die überhaupt noch kommen, verlieren die Geduld. Das bestätigte Andreas Kern von der ARGE. „Uns wird seit Wochen vorgegaukelt, wir seien auf einem guten Weg. Niemand gesteht ein, dass Fehler gemacht wurden.“ Es sei „unfair, Markus von Ahlen als einzigen Schuldigen hinzustellen“. Auch Poschner müsse zu seiner Verantwortung stehen. Doch die Lethargie im Klub hat auch die Anhänger erreicht. „Einige Fans haben noch gar nicht richtig verstanden, dass Sechzig im Abstiegskampf steckt“, sagte Kern.

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Werner Lorant: Das Interesse an Sechzig würde wohl zurückkommen, wenn derjenige zurückkommt, der noch immer jeden Tag im „Löwen-Stüberl“ präsent ist. „Ich will, dass der Werner wiederkommt“, sagte Wirtin Christl Estermann. „Die Spieler brauchen jemanden, zu dem sie aufschauen können.“ Lorant würde Sechzig aufwecken, davon sind die Traditionalisten überzeugt. Und passend zur Weihnachtszeit könnten sich dann alle im Stüberl auf VHS den Film anschauen: „Die Geister, die ich rief...“

 

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