Krimi mit Richy Müller "Freigang": So wird der Tatort am Pfingstmontag

Kommissar Lannert (Richy Müller, re.) ermittelt als Vollzugsbeamter Peter Seiler undercover im Gefängnis Zuffenhausen Foto: SWR/Johannes Krieg

Wie kann es sein, dass der Mörder von Irina Meinert zur Tatzeit im Gefängnis saß? Ein Täter mit einem gitterfesten Alibi und ein Gefängnis das einen Ruf zu verlieren hat - Das schreit nach einem Undercover-Einsatz für Kommissar Lannert. Schnell wird ihm klar, dass im Knast andere Regeln gelten als außerhalb.

 

Hamburg - Der Stuttgarter "Tatort: Freigang" (Montag, 9. Juni, 20.15 Uhr, Das Erste) aus der Feder von Sönke Lars Neuwöhner, beginnt ganz klassisch mit einer Leiche: Irina Meinhert. Unter ihren Fingernägeln befinden sich die DNA-Spuren ihres Mörders - ihr Ex-Mann Holger Drake (Tambet Tuisk). Der Fall scheint also schnell klar zu sein, doch dann stellt sich heraus, dass Drake in der JVA Zuffenhausen hinter Gittern sitzt. Wie kann das sein?

Bereits zwei Jahre zuvor gab es einen ähnlichen Fall der ungelöst blieb, weil der Hauptverdächtige ebenfalls zur Tatzeit im Knast Zuffenhausen einsaß. Der Verdacht drängt sich auf, dass an dem Vorzeigegefängnis irgendetwas faul ist. Um die vermutliche Lücke im Vollzugssystem zu finden, schickt Mitautor und Regisseur Martin Eigler seinen Kommissar Thorsten Lannert (Richy Müller) undercover in die Anstalt.

Alias Peter Seiler hat Lannert bald in seinem neuen Beruf das Vertrauen von Kollege Carsten Scheffler (Matthias Ziesing) gewonnen. Dieser hat offensichtlich ein Problem mit seinem Schwiegervater und Arbeitskollegen Schultz (Hans-Heinrich Hardt). Schefflers seltsames Benehmen macht Lannert aufmerksam. Doch bevor er herausfinden kann, was zwischen ihm und Schultz vor sich geht, bringt sich Scheffler um.

Die einzige Person, die noch mehr zu wissen scheint, ist Schefflers Frau Barbara (Valerie Koch). Kommissar Sebastian Bootz (Felix Klare) versucht, mehr von ihr herauszubekommen. Doch Barbara traut sich nicht, mit der Sprache herauszurücken.

Währenddessen hat Lannert im Knast immer stärker den Verdacht, dass sich zwischen einigen Häftlingen und Vollzugsbeamten ein korruptes System entwickelt hat, an dessen Spitze sogar der Sicherheitschef Franke (Herbert Knaup) steht, der von den anderen nur "der King" genannt wird. Lannert schafft es schließlich, Frankes Vertrauen zu gewinnen und wird bald in die "Familie" aufgenommen. Einzig Schultz scheint dem neuen Kollegen nicht über den Weg zu trauen.

Das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen den Charakteren im "Tatort: Freigang" entwickelt sich stetig und lässt den Zuschauer authentisch Lannerts Perspektive verfolgen. Nur langsam, aber niemals langweilig, entschlüsseln sich die Zusammenhänge, die dann in einem spannenden Finale doch noch einmal für Überraschung sorgen.

Bei "Freigang" steht ganz klar nicht die klassische Mördersuche im Vordergrund der Handlung, sondern vielmehr die Suche nach den Leichen im Keller einer vermeintlichen Vorzeige-Institution. Dabei wird ein Bild von familiären Tragödien und Korruption gezeichnet, fernab von den klassischen Knast-Klischees. Ganz nebenbei werden auch noch die privaten Beziehungsprobleme von Bootz in die Handlung eingeflochten.

Fazit: "Freigang" ist ein starker "Tatort", der mit einer komplexen Geschichte und vielschichtigen Charakteren überzeugt. Nur nach und nach entblättern sich die Zusammenhänge, was für leise, aber kontinuierliche Spannung bis zum Schluss sorgt. Der Film ist ein qualitativ hochwertiges Krimi-Erlebnis, bei dem auch die Schauspieler glänzen.

 

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