Krimi in der AZ-Kritik "Tatort: Querschläger": Milan Peschel ist das sehenswerte Zentrum des Films

Milan Peschel überzeugt im Hamburger "Tatort". Foto: NDR/Christine Schroeder

Im Hamburger "Tatort: Querschläger" wird ein Mann für eine eigentlich gute Sache zum Verbrecher. Der Film überzeugt über weite Strecken, zum Schluss hängt er jedoch etwas durch. Die AZ-Kritik zum Krimi im Ersten.

 

Spoiler-Warnung: Liebe AZ-Leser, die folgende Kritik enthält teils unverschleierte Hinweise zur Handlung des "Tatorts: Querschläger" (01.12., 20.15 Uhr, ARD). Falls Sie den Krimi unvoreingenommen sehen möchten, lesen Sie diesen Artikel am besten erst später.


Wer von diesem "Tatort" nur den Schluss erwischt, wähnt sich am schmalzigen Ende eines ein paar Wochen zu früh gesendeten kitschigen Weihnachtsfilms. Das kranke Mädchen wird in letzter Sekunde gerettet! Lächelnd liegt es im Bett und strahlt mit der Mutter um die Wette. Und nebenan auf dem Bildschirm schießt die lebensnotwendige Spendensumme nach oben. Das ist natürlich schön, passt aber so gar nicht zum Rest des Films.

Denn der Vater verkündet zwar: "Ich habe mich immer ans Gesetz gehalten" – nietet aber diverse unschuldige Menschen mit einem beträchtlichen Gewehr um, was - das weiß der routinierte Krimizuschauer - durchaus in einem gewissen Konflikt mit dem Gesetz steht.

Der Hamburger "Tatort: Querschläger" (Buch: Oke Stielow, Regie: Stephan Rick) fängt recht schwungvoll an und hängt hinten etwas durch. Ausgerechnet eine Durchfall-Erkrankung führt gleich zu Beginn zu einer Action-Szene auf dem Autobahnrastplatz, was im Krimi immerhin eine Seltenheit ist. Dann sehen wir die Bundespolizistin Julia Grosz (Franziska Weisz) emsig durch die Spuren eines frischen Tatorts tapern. Ihr Kollege Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) rügt sie aber nicht dafür, sondern dafür, dass sie es alleine getan hat.

Milan Peschel überzeugt im Hamburger "Tatort"

Dann stellt sich die Frage: Muss man als Erpresster Angst vor der Strafe der Erpresser haben, wenn die Polizei bereits zufällig im Raum ist, als die Droh-Mail mit der Forderung "Und keine Polizei!" eingeht? Milan Peschel als höchst nervöser Verbrecher im Einsatz für die eigentlich gute Sache ist das sehenswerte Zentrum des Films. Man möchte ihn für seine Taten in Handschellen legen und gleichzeitig für sein Schicksal in den Arm nehmen.

Wotan Wilke Möhring als schnoddriger Polizist ist ohnehin großartig, wenn man schnoddrige Polizisten mag. Wie schön er sich aufregt, als sein Sohn daheim mit einem Informanten einen Joint raucht: "Sogar die Katze ist bekifft!" Süß ist, wie er bei einer Verfolgung im dunklen Keller ruft: "Hallo, hier spricht die Polizei!" Das hat schönsten Pantoffelkino-Charme. Und Franziska Weisz ist eine der immer zahlreicher werdenden "Tatort"-Ermittlerinnen, die ihren männlichen Kollegen mit leichter Hand das Wasser reichen können. Das ist erfreulich!

 

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