Krieg in Libyen Rebellen kommen voran

Die Gegner Gaddafis liefern sichmit den Truppen der Regierung langwierige Kämpfe umSirte. Die Türkei will vermitteln und humanitäre Hilfe organisieren, Katar erkennt die Opposition an

 
SIRTE Es ist die Geburtsstadt von Muammar al Gaddafi und deswegen von hoher Symbolkraft für den Machthaber und die Rebellen in Libyen. Am Montag versuchten die Aufständischen, die zentral gelegene Stadt Sirte einzunehmen, nachdem sie vorher schon den Sieg über die dortigen Regierungstruppen verkündet hatten.

Gaddafi-Truppen verminen Talsenke. Doch der Widerstand der Gaddafi-Getreuen ist wohl größer, als die Opposition zuerst vermutet hatte. Die Anti-Gaddafi-Milizen stünden noch etwa 120 Kilometer östlich von Sirte, verlautete vormittags aus Quellen in Tripolis. Der arabische Nachrichtensender Al Dschasira berichtete, die Rebellen hätten das Wadi al Ahmar (Rotes Tal) westlich von Nofilia erreicht. Die Talsenke sei von Gaddafi-Truppen vermint worden.

Die westliche Militärkoalition hatte am Montagmorgen die Truppen Gaddafis in Sirte angegriffen. Gaddafis Artillerie beschoss indes die Stadt Al-Sintan südwestlich von Tripolis mit Raketenwerfern vom Typ Grad. Rund 200 Gaddafi-treue Soldaten ergaben sich den Aufständischen in der Ölförderstadt Dschalu, 400 Kilometer südlich von Bengasi im Landesinneren.

Die Türkei schaltet sich ein. Währenddessen versucht die Türkei, im Libyen-Konflikt zu vermitteln. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warnte davor, dass ein langwieriger Konflikt das Land in einen „zweiten Irak” oder „ein weiteres Afghanistan” verwandeln könnte.

Die Türkei will in Libyen die Kontrolle über den Flughafen der Rebellenhochburg Bengasi übernehmen, um von dort aus humanitäre Hilfe für das nordafrikanische Land zu koordinieren.
Auch der Golfstaat Katar wurde aktiv und akzeptierte als erstes arabisches Land den libyschen Nationalrat, die Gegenregierung der Regimegegner. Der Schritt folge der „Überzeugung, dass der Nationalrat und alle seine Vertreter in den verschiedenen Gebieten Libyens de facto zur Vertretung Libyens und seines Volkes geworden sind”, hieß es in einer Stellungnahme des Außenministeriums in Doha.

Gaddafi bittet Spanien um Hilfe. Gaddafi und Mitglieder seines Regimes versuchten in den vergangenen Tagen mehrfach, mit der spanischen Regierung Kontakt aufzunehmen – allerdings ohne Erfolg. Madrid habe die Vorstöße jedoch zurückgewiesen, teilte die spanische Außenministerin Trinidad Jiménez mit. Die Libyer müssten selbst einen Prozess der nationalen Versöhnung einleiten und einen funktionsfähigen Staat aufbauen. Die spanische Ministerin wies den Vorwurf zurück, die internationale Gemeinschaft messe in den Konflikten in Libyen und Syrien mit zweierlei Maß. „In Syrien tut man genau dasselbe wie in Libyen”, sagte sie. „Wir haben verlangt, dass die Angriffe auf die Bevölkerung aufhören. Darauf muss die Regierung eingehen. Wir werden nun sehen, wie die Armee reagiert.”

 

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