Krieg in Libyen Gaddafi unter Beschuss

Ein Junge posiert in Bengasi siegesgewiss auf einem zerstörten Panzer der Regierungstruppen. Doch diese griffen am Montag Rebellen in Al-Sintan an. Foto: AP

Tripolis -  Nein, Gaddafi ist nicht im Fadenkreuz der Bomber. Nein, die Allianz nimmt nicht gezielt Mitglieder der Führungsclique unter Beschuss. US-Vizeadmiral Willaim Gortney wird nicht müde zu beteuern, dass sich seine Truppen an das Mandat des UN-Sicherheitsrates halten. Es sieht allein den Schutz von Zivilisten vor. Innerhalb der Allianz werden allerdings auch Stimmen laut, die einen Angriff auf Gaddafi fordern.

Bomben auf Gaddafis Residenz. Der britische Verteidigungsminister Liam Fox nannte Angriffe auf Gaddafi persönlich „eventuell eine Möglichkeit”. Es hänge davon ab, ob Zivilisten dabei außer Gefahr bleiben könnten. Am Montag gingen die Kräfte der Allianz gegen Gaddafis Residenz vor. Ein Gebäude des Sitzes der Machthaber in Tripolis wurde zerstört. Es lag rund 50 Meter von dessen Zelt entfernt, in dem er häufig offiziellen Besuch empfängt, und beherbergte ein „Kontrollzentrum" der libyschen Truppen. Das sei der Grund dafür gewesen, weshalb es zerstört worden sei, sagte ein Vertreter der internationalen Einsatzkräfte.

 

Arabische Medien berichten, Chamies al-Gaddafi, ein Sohn des Machthabers, sei Opfer eines Kamikaze-Piloten geworden. Der Deserteur der libyschen Luftwaffe sei vor einigen Tagen mit seinem Kampfjet absichtlich auf den Stützpunkt Bab al-Azizia gestürzt. Dort lebt die Familie Gaddafis.

Der Beginn eines Bürgerkriegs? Gaddafi rief seine Anhänger zum Marsch auf die Rebellenhochburg Bengasi auf. Die staatliche Nachrichtenagentur Jana kündigte an, „Demonstranten”, zu denen Abgeordnete der verschiedenen Stämme des Landes gehören sollten, würden sich „mit Olivenzweigen in der Hand” in friedlicher Absicht auf den Weg in die Stadt im Osten machen. Begleitet würden sie von bewaffneten Bürgern, da die andere Seite ebenfalls bewaffnet sei. Regierungstruppen griffen am Montag Stellungen der Rebellen in der Stadt Al-Sintan an.

Al-Kaida nutzt die Gunst der Stunde. Der Anführer von Al-Kaida in Nordafrika, Abdelmalek Drukdel, warnte die libyschen Rebellen davor, sich zu sehr an die USA anzulehnen. Er erklärte im Internet, dieselben Amerikaner, die jetzt Gaddafis Truppen angriffen, hätten in der Vergangenheit ein Auge zugedrückt, als es um die Verbrechen des libyschen Machthabers ging. Nur mit Hilfe der USA habe Gaddafi an der Macht bleiben können.

Drukdel forderte die Menschen in Tunesien, Ägypten und Algerien zur Unterstützung ihrer „libyschen Brüder” gegen Gaddafi auf. Al-Kaida hatte in der Vergangenheit wiederholt Gaddafis Sturz und die Einführung der islamischen Scharia in Libyen gefordert. 

 

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