Krieg als "Gnade"? Udo Jürgens vermisst den europäischen Patriotismus

Udo Jürgens empfindet es als Gnade, zu Zeiten geboren worden zu sein, als es politisch in Deutschland nicht so rosig aussah.

 

Berlin - Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs liegen mittlerweile über ein halbes Jahrhundert zurück - "Gott sei Dank" sagen die einen, problematisch findet Schlagersänger Udo Jürgens (79). Dieser vermisst nämlich bei vielen den europäischen Patriotismus und sieht die Schwierigkeit darin, "dass die Menschen nach dem Krieg geboren sind und gar nicht wissen, wovon sie reden". Das sagte er der österreichischen "Kleinen Zeitung". Das sei auch der Grund, warum sich wieder nationalsozialistisches Gedankengut ausbreiten könne. Er selbst empfindet es als Gnade diese Zeit erlebt zu haben, "eine Gnade der frühen Geburt".

Gerade fanden in seinem Geburtsland Österreich die Nationalratswahlen statt, ausländische Kommentatoren hatten diese als "Rechtsruck" empfunden. "Es ist schrecklich, dass sich die kleinen Länder Europas als europafeindlich erweisen, obwohl sie Nutznießer der EU sind", sagt Jürgens dazu. Dass es keinen europäischen Patriotismus mehr gäbe, mache ihn "unglaublich nachdenklich". Er sehe noch heute das Bild vor sich, "wo Adenauer und de Gaulle Hand in Hand fotografiert werden." Auch das Bild vom "knienden Willy Brandt vor dem Warschauer Ghetto-Mahnmal" sei ihm im Gedächtnis - "unvergessliche Gesten nach Jahren des Elends".

Die Erfahrungen des Krieges möchte er trotzdem nicht missen, denn er sei dankbar für alle seine Erfahrungen. Auch, weil er gesehen habe, was Politik anrichten kann, wenn sie in die falsche Richtung geht. "Wenn jetzt rechtspopulistische Parteien gegen den europäischen Geist mobil machen, dann muss man dagegen aufschreien", fordert der 79-Jährige.

 

0 Kommentare