Kreuze und Striche eingeritzt Ötzi: Noch mehr Steinzeit-Tattoos

Ötzis Haut ist übersät mit Tätowierungen: Forscher haben nun neue Zeichnungen auf dem Brustkorb der Gletschermumie entdeckt. Foto: dpa

Forscher haben am Brustkorb der Eismumie Ötzi eine Reihe neuer Tätowierungen entdeckt. Warum sich der Mann aus dem Eis Striche und Kreuze unter die Haut geritzt hat, ist immer noch ein Rätsel.

München - Auch 24 Jahre nach seiner Entdeckung ist der 5300 Jahre alte Ötzi immer noch für eine Überraschung gut: Jetzt haben Forscher der Europäischen Akademie (EURAC) in Bozen mit Hilfe einer speziellen Fototechnik weitere Tätowierungen auf dem Körper der Eismumie entdeckt, die ihnen bisher entgangen waren.

Diese neuen Ötzi-Tattoos werfen alle bisherigen Theorien, warum sich der Mann aus dem Eis Kreuze und Striche in die Haut ritzte, über den Haufen. Es gibt bereits eine extra Kartierung darüber, wo auf seinem Körper sich überall Tätowierungen befinden. Das Besondere an den neu entdeckten Körperzeichnungen ist die Lage: Sie befinden sich auf der rechten unteren Seite des Brustkorbes.

Alle anderen Tätowierungen, die bislang bekannt sind, befinden sich auf dem unteren Rücken und den Beinen zwischen Knie und Fuß. Deshalb haben Wissenschafter bislang vermutet, dass es sich bei den Tattoos um therapeutische Behandlungsmaßnahmen – einer Art Akupunktur – handelt, die Gelenkschmerzen des Steinzeitjägers lindern sollten.

Die neu entdeckte Tätowierung auf dem Brustkorb eröffnet nun erneut die Diskussion über die Funktion von Tätowierungen in vorgeschichtlichen Zeiten. So liefert die Studie den Anthropologen ein weiteres Puzzlestück bei der Erörterung der Frage, ob prähistorische Tätowierungen vielleicht doch keine therapeutische, sondern eher eine symbolische oder religiöse Bedeutung haben.

Um die Tattoos auf der Haut zu erkennen, ist eine spezielle Fototechnik notwendig. Denn Ötzis Haut ist – nach 5300 Jahren kein Wunder – extrem braun gefärbt.

Um die Zeichnungen sichtbar zu machen, wurde jedes Foto der Mumie sieben Mal aufgenommen worden. Jedes Mal mit einer anderen Wellenlänge. „So konnten wir die verschiedenen Tiefen abdecken, in denen sich jeweils das für die Tattoos verwendete Kohlepulver abgesetzt hatte“, erklärte Marco Samadelli, Wissenschaftler vom Eurac-Institut. Die multispektralen Fotografien wurden in der Kühlzelle der Mumie im Südtiroler Archäologiemuseum durchgeführt.

Insgesamt fand der Forscher bei seiner Kartierung 61 Hautzeichen auf Ötzis Körper. Die meisten bestehen aus 0,7 bis 4 Zentimeter langen, parallelen Linien, die vorwiegend in Gruppen zu zwei, drei oder vier angeordnet sind. Auch zwei tätowierte Kreuze finden sich an Ötzis Körper.

 

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