Kreis Rosenheim Wie bei den Simpsons: Drogen-Kröten in Bayern

Homer leckt an einer Aga-Kröte: In Oberbayern wurden neun Kilo davon entdeckt. Foto: dpa/AZ

Die Aga-Kröte aus Australien kann sogar Krokodile töten – und aus ihrer Haut lässt sich ein starkes Halluzinogen gewinnen. Der Zoll hat jetzt in Oberbayern neun Kilo davon entdeckt

 

Reischenhart/Prien Einem guten Zollbeamten kommt unbekanntes Pulver immer verdächtig vor. Dieses Mal war es rötlich-braun, wie Schminkpuder. Insgesamt 6,5 Kilo, in zwei Paketen aus Brasilien. Als ein 23-Jähriger sie vergangenen November beim Zollamt in Reischenhart (Kreis Rosenheim) abholen will, fragt der Beamte nach: Was ist das für ein Pulver?

Kosmetika, sagt der junge Mann aus Prien. Seine Tante mache daraus Handcreme. Der Zöllner ist skeptisch und macht einen Drogenschnelltest – Treffer. Der 23-Jährige wird festgenommen. Später, bei drei Durchsuchungen in Prien, finden sie weitere 2,5 Kilo des Pulvers. Am vergangenen Mittwoch schnappen die Fahnder am Flughafen den Haupttäter, einen arbeitslosen Automechaniker (24). Er war zuvor Monate lang in Australien gewesen.

Australien, Brasilien – Zufall? Bei der Substanz handelt es sich um Dimethyltryptamin (DMT). Es zählt laut der Zollfahndung zu den stärksten bekannten Halluzinogenen und ist in Deutschland verboten.

Die Droge gibt es in der Natur in den Blättern der südamerikanischen Pflanze Psychotria viridis, die auch in Brasilien wächst – und in der Haut der Aga-Kröte, die im Nordosten Australiens zur Plage geworden ist.

Das DMT macht die Amphibie zu einem furchterregenden Tier. Ihr milchiges Sekret ist hochgiftig. Hunde, die die Kröte apportieren, sterben schon nach 15 Minuten. Agas Gift killt sogar Krokodile, wenn sie sie auffressen.

Manche Menschen schlecken die Kröte ab, um sich mit DMT zu berauschen. Andere trocknen und rauchen ihre Haut oder weichen sie als Tee ein.

Die Folgen sind Erbrechen und Durchfall, aber auch Halluzinationen und das Gefühl, eine andere Wirklichkeit zu erleben – und das ist wiederum in einigen südamerikanischen Kulten sehr wichtig.

Dort ist ein DMT-haltiges Gebräu namens Ayahuasca bei Indio-Medizinmännern und Anhängern der Santo Daime-Kirche sehr beliebt. Sie brauen Ayahuasca aus den Blättern der Psychotria Viridis und trinken das Gebräu bei Zeremonien. Aus der Sprache Quechua übersetzt, bedeutet es „Liane der Geister“. Diese Geister will man mit Hilfe von Ayahuasca erreichen.

Ob zum Spaß oder für den Gottesdienst, diese Kröte sollte niemand schlucken. Wer zuviel DMT erwischt, riskiert epileptische Anfälle, Herzrhythmusstörungen – oder den Tod.

 

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