Krebstod mit 68 Klitschko trauert: Sein Trainer erliegt Krebsleiden

Der große Emanuel Steward verstirbt nach einer Darm-OP im Alter von nur 68 Jahren. Sein Schützling Wladimir Klitschko: "Als würde er mir ins Ohr flüstern"

 

Going - Der letzte Gong für den vielleicht größten Box-Trainer aller Zeiten, er ertönte um 21.59 Uhr. Da hörte das große Boxer-Herz von Emanuel Steward zu schlagen auf. Steward, der seit 2004 Wladimir Klitschko betreute, wurde nur 68 Jahre alt. „Ja, Emanuel ist von uns gegangen. Er hat härter gekämpft als Tommy Hearns oder Marvin Hagler, aber er hat den Kampf verloren“, bestätigte Stewards Schwester Diane, „mehr können wir zur Zeit nicht sagen. Der Schmerz ist zu groß, zu überwältigend.“

Steward hat sich vor mehreren Wochen einer schweren Magen- und Darm-Operation unterzogen und lag seit dem in einer Spezialklinik in Chicago.  „Vitali und ich sind zutiefst erschüttert. Unsere Herzen und Gedanken sind bei der Familie. Ruhe in Frieden, Emanuel. Eines Tages sehen wir uns wieder“, erklärte Klitschko, der sich im Stanglwirt in Going auf seine Titelverteidigung am 10 November in Hamburg gegen Mariusz Wach vorbereitet. „Wir werden antreten, denn das ist das, was Emanuel gewollt hätte. Wir werden gewinnen, um ihm Ehre zu erweisen.“

Schon Stunden zuvor, war der Tod Stewards vermeldet worden – zu einem Zeitpunkt, am dem der Amerikaner, der da schon an lebenserhaltenden Maschinen hing, noch um sein Leben kämpfte. Die Zeitung  „Detroit Free Press“ hatte das Ableben der Trainerlegende verkündet. Sogar auf dem Kongress des Boxverbandes WBO ließ Präsident Francisico Valcarcel eine Schweigeminute für Steward abhalten. Eine Stunde später dementierte die Familie den Tod des Amerikaners, der unter anderem Lennox Lewis und Evander Holyfield zu Box-Größen geformt hatte. „Die Berichte sind falsch, wir sitzen hier an seinem Krankenbett“, erklärte Schwester Diane Steward-Jones, „wir bitten alle, uns in dieser schweren Zeit mit positiven Gedanken und Gebeten zu unterstützen.“

Alle Gebete und Gedanken halfen nichts. Box-Ikone Mike Tyson war ob der Todesnachricht von Trauer übermannt. Steward kannte Tyson schon als kleinen Jungen, hatte immer ein Auge auf und eine schützende Hand über „Iron Mike“ gehalten. „Ein großer Mann ist von uns gegangen. Ich hätte nie gedacht, dass Emanuel vor mir gehen müsste“, erklärte Tyson auf „facebook“. Steward hatte über Tyson stets gesagt: „Er hat immer gelebt, als gäbe es kein Morgen. Ich war mir sicher, er würde nie seinen 40. Geburtstag erleben.“ Seinen letzten Geburtstag hat Steward am 7. Juli in Bern gefeiert. Da knockte Wladimir in Bern Tony Thompson aus und stimmte noch im Ring ein Geburtstagsständchen  für Manny an. Mit Klitschko im Arm sagte Steward: „Das war mein schönstes Geburtstagsgeschenk.“


Es war sein letztes, sein letzter Geburtstag. Für Klitschko ist das Thema Darmkrebs ein extrem sensibles. Vor gut einem Jahr verstarb sein Vater an der Krankheit. Eine Spätfolge der radioaktiven Strahlung, die der Vater bei seinem Einsatz bei der Atomkatastrophe in Tschernobyl abbekommen hatte. Die Beziehung zwischen Wladimir und Steward war eine extrem enge, eine sehr spezielle. Steward übernahm den jetzt 36-Jährigen, als Klitschko am Tiefpunkt der Karriere war. Er hatte seinen WM-Titel an Corrie Sanders verloren, bei der ersten Zusammenarbeit Wladimirs mit der Boxlegende, verlor er 2004 gegen Lamon Brewster. Selbst Bruder Vitali hatte Wladimir damals abgeschrieben und ihm zum sofortigen Rücktritt geraten. Nur Steward hielt zu ihm, baute den Boxer und Menschen Wladimir Klitschko neu auf. „Wir haben oft nur stundenlang über das Leben philosophiert. Ich denke, dass er im Geiste hier ist. Irgendwie fühle ich mich so, als würde er mir ins Ohr flüstern.“

 

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