Krebsforscherin im AZ-Interview „Je größer die Ekelfotos sind, desto besser“

Neben den bekannten textlichen Warnhinweisen werden ab Mai 2016 auch Schockbilder von Raucherlungen, Raucherbeinen und Krebsgeschwüren auf Zigarettenschachteln abgedruckt. Foto: dpa

Eine Krebsforscherin hält Schockbilder für ein wirksames Mittel, Menschen vom Rauchen abzuhalten. Warum erklärt sie im Interview mit der AZ

AZ: Frau Pötschke-Langer, bringen Schockfotos auf Zigarettenschachteln wirklich den gewünschten Effekt, Menschen vom Rauchen fernzuhalten? Martina Pötschke-Langer: Ja, und zwar auf gleich dreifachem Wege. Zum einen werden Menschen davon abgehalten, das Rauchen anzufangen. Außerdem werden Raucher zum Aufhören motiviert und ehemalige Raucher werden in ihrem Tun bestätigt.

Warum? Weil Menschen beim Anblick von Raucherlungen und Krebsgeschwüren Ekel empfinden. Die drastische Darstellung der Folgen des Rauchens löst negative Emotionen aus, die einen über das eigene Verhalten nachdenken lassen und so die Chance erhöhen, dass jemand erst gar nicht mit dem Qualmen anfängt oder gar aufhört. Kombinierte Warnhinweise aus Bild und Text auf Zigarettenschachteln werden zudem besser wahrgenommen und sind deshalb deutlich wirksamer als ein dünner Satz allein. Je größer die Ekelfotos sind, desto besser.

Gibt es Belege dafür, dass die Schockbilder wirken? In vielen Ländern wie Kanada, Großbritannien Australien oder Uruguay und Thailand werden bereits seit längerer Zeit Zigarettenpackungen mit Ekelfotos bedruckt. In einer Vielzahl von Studien hat sich herausgestellt, dass kombinierte Warnhinweise deutlich wirksamer sind als nur Text.

Abgesehen von Ekelfotos und Verboten, wie können Jugendliche vom Qualmen abgehalten werden? Indem ein soziales Umfeld mit rauchfreien öffentlichen Einrichtungen und rauchfreien Vereinen geschaffen wird. Bayern ist hier ein Vorreiter und ein Paradies für Nichtraucher.

 

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