Kreativität ist planbar BMW baut Forschungs-und Innovationszentrum aus

So soll es aussehen, das FIZ Future: In zehn Jahren will BMW den Forschungscampus im Münchner Norden hochziehen. Foto: BMW

BMW baut im Münchner Norden sein Forschungs- und Innovationszentrum aus. Wie hier bald Zukunft gemacht werden soll.

München - Dunkelblaue Sitzecken, weiße Schreibtische, um die Ecke ein Fitnessraum, eine Glastür weiter kann man hinter Trennwänden Ruhe finden. Die Gänge sind etwas eng, hier an der Moosacher Straße 51, einem Teil des Forschungs- und Innovationszentrums (FIZ) von BMW. Weiter schlimm ist das nicht, das Gebäude ist lediglich eine Art Laboratorium für das, was BMW derzeit auf 59 Hektar plant.

Weil der Campus so groß ist, wird es Förderbänder geben

Der Konzern will das FIZ, seinen Entwicklungscampus, erweitern. Aber nicht auf der grünen Wiese, sondern in Milbertshofen, gleich auf dem benachbarten Gelände des derzeitigen FIZ, auf dem Areal der ehemaligen Kronprinz-Rupprecht-Kaserne Entstehen sollen hier Büros, Forschungs- und Werkstatteinrichtungen, Prüfstände und Designstudios. „FIZ Future“ nennt der Konzern das Projekt.

Zwischen 10 000 und 15 000 Menschen werden hier arbeiten, wenn in zehn Jahren die Bagger abgezogen werden. Das FIZ Future ist eine Kleinstadt in einer Stadt. Die Blaupause dafür ist die Moosacher Straße 51. Was man hier im Kleinen sieht – die modernen Büroflächen, Meeting- und Rückzugsräume – das soll sich im FIZ Future wiederfinden.

Der Mann, mit dessen Hilfe das gelingen soll, sitzt in einem Besprechungszimmer im fünften Stock. Markus Baumgartner (49) leitet das Projekt. Durch das Fenster hinter ihm sieht man den Olympiaturm und -berg, aber auch, wie sehr BMW den Norden dominiert: Bürogebäude, Werkshallen, weiter hinten der BMW-Vierzylinder.

Mitten im Viertel zu sein, sehe er als Vorteil, sagt Baumgartner: „Wir glauben, dass ein urbanes Umfeld ein attraktives Arbeitsumfeld darstellt.“ Als BMWler könne man so mal rausgehen. Wenn das FIZ Future fertig ist, hofft er, dass sich in der Umgebung Ärzte, Einzelhandel und Cafés ansiedeln.

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Besonders schaut Baumgartner darauf, was auf dem FIZ-Gelände selbst geschieht. „Wenn der Campus größer wird, muss man die Vernetzung besser planen“, sagt er und zeigt auf eine Planskizze des FIZ, die an der Wand hängt.

Gebäude steht neben Gebäude, aufgereiht an einer großen Nord-Süd-Achse, die man bei BMW Magistrale nennt. „Es ist eine Schnellstraße, die sich durch den Campus zieht“, erklärt Baumgartner.

Diese Anordnung hat zwei Vorteile. Erstens macht sie die Wege kürzer. Das FIZ-Gelände soll durch Firmen-Shuttle-Busse, Leihräder, aber auch Förderbänder erschlossen werden. Auf einer eigenen App können Mitarbeiter nachsehen, wie sie auf dem Gelände am schnellsten von A nach B kommen.

Der zweite Vorteil: Eine Hauptstraße zwingt die Menschen, sich zufällig zu begegnen. Das sei wichtig im Entwicklungsprozess. „Wir haben noch die romantische Vorstellung, dass Erfindungen von einem einzelnen Genie kommen“, sagt Baumgartner. Das gebe es, „aber in der Regel ist es ein gegenseitiges Befruchten.“ Er gibt ein Beispiel: Experten für Federung und Getriebe müssen sich mit denjenigen für die Karosserie abstimmen, damit beim fertigen Auto alles passt. Das geschieht im Gespräch oder am Modell, bei vereinbarten Terminen. Neue Ideen oder Denkanstöße lassen sich aber besser in einem spontanen Gespräch austauschen. Dass es dazu kommt, also dass sich Menschen auf dem riesigen Campus begegnen, muss Baumgartner organisieren. Genauso wie Cafés oder Besprechungsecken, in die man sich dann spontan zurückziehen kann.

Das klingt nach moderner Arbeitswelt. Ohne Reibungsverluste geht es aber nicht. Der klassische eigene Schreibtisch wird bei BMW schrittweise verschwinden. Baumgartner gibt zu, dass das für manche Kollegen hart ist. „Das ist mehr als eine Möblierungsfrage“, sagt er. Da muss viel geredet und gezeigt werden.

 

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