Kraus-Maffei testet Kriegsgerät Ärger um Teststrecke: Panzer-Alarm in Allach

Rechts unten ist der Sitz von Krauss-Maffei zu sehen, links in der Mitte die scharfe Kurve der Teststrecke, oben verläuft die Ludwigsfelder Straße. Links oben ist die nahe Wohnsiedlung zu sehen. Foto: google maps, dpa

Der Betrieb auf der Teststrecke von Kraus-Maffei in Allach geht den Anwohnern zu weit. Im Viertel hofft man jetzt auf einen Kompromiss.

 

Allach - Panzerlärm, so durchdringend, dass im Schrank die Gläser klirren – das kann man in München tagtäglich erleben, zumindest in Allach.  Anwohner des Werks von Krauss-Maffei Wegmann klagen darüber. Der Rüstungsbetrieb unterhält hier nicht nur sein Werk, sondern bereits seit 1964 auch eine Teststrecke für das schwere Kriegsgerät. Auf der darf werktags von 7 bis 17 Uhr gefahren werden.

Dem nicht genug, würde das Unternehmen die Betriebszeiten gern ausweiten. Ein entsprechender Antrag sorgte zuletzt im Bezirksausschuss für Diskussionen. Anwohner hatten in der Sitzung Ende Februar eine komplette Verlagerung des Testbetriebs gefordert, darauf reagiert der BA zurückhaltend. "Die Firma Krauss-Maffei ist ja seit vielen Jahrzehnten hier ansässig", erklärt die BA-Vorsitzende Heike Kainz (CSU) auf AZ-Anfrage.

Anwohner wollen weniger Panzerlärm

Trotzdem herrsche Gesprächsbedarf, denn tatsächlich berichteten "viele Anwohner aus allen Himmelsrichtungen von Lärm- und Vibrationsbelastung durch die Teststrecke". Im BA herrscht daher weitgehend Einigkeit: Die Lokalpolitiker wollen einer Verlängerung der Betriebszeiten nicht zustimmen. Im Gegenteil: Lieber würde man die Zeiten begrenzen. In dem Gremium habe man eher die Neigung, die Zeiten einzuschränken.

Konkret geht es dabei um den Samstag: Auch wenn der juristisch gesehen ein Werktag sei, sei man sich aus heutiger Sicht doch einig, dass samstags Ruhe herrschen sollte, erklärt die BA-Chefin. Viele Anwohner hätten die Strecke am liebsten ganz weg, doch die ist völlig legal. Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme mussten solcherlei Anlagen noch nicht extra genehmigt werden, erklärt das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) auf Nachfrage. Sie gilt als Altanlage und kann auch weiter ohne Genehmigungsverfahren betrieben werden. Heutzutage sind "Anlagen dieser Art nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz genehmigungspflichtig".

Ein Gutachten muss erst noch ausgewertet werden

Um in der Sache voranzukommen, hatte der BA Vertreter des RGU und von Krauss-Maffei zu seiner folgenden Sitzung in der vergangenen Woche eingeladen. Man wolle sich ausführlich informieren lassen, es gebe diverse Fragen zu klären. Dazu kam es aber nicht: Das RGU hat, laut BA-Chefin, zwischenzeitlich ein Gutachten beim Landesamt für Umweltschutz in Auftrag gegeben, das sich vor allem mit den tieffrequenten Tönen, wie sie an der Teststrecke vorkommen, befassen soll. Die Erkenntnisse daraus wolle man erst einmal abwarten, erklärt die BA-Chefin. Sie rechnet nicht damit, dass das Gremium sich vor Mai erneut mit dem Thema beschäftigen wird, möglicherweise sogar erst im Juni.

Dennoch auch für Kainz hat es mittlerweile den Eindruck, dass die Firma das Testgelände mehr als früher nutzt. "Da muss es einen Weg geben, der für die Bewohnerschaft erträglich bleibt", so Kainz. Eine Chance, dass die Teststrecke verlegt wird, sieht sie eher nicht.

Der BA ist in der Zwickmühle

Die BA-Chefin beschreibt das Allacher Dilemma: Man müsse alle Interessen sehr gut abwägen. "Wir sind ein Stadtbezirk mit viel Gewerbe, aber auch viel Wohnen, das immer attraktiver wird. Wir haben eine ländliche Umgebung und viel Naturschutz." Das alles unter einen Hut zu bekommen, sei nicht immer einfach. "Als ich 2002 im Bezirksausschuss angefangen habe, wurde allenthalben Stillstand beklagt", sagt Kainz, heute entwickle sich der Bezirk mit großer Geschwindigkeit. "Die Nahtstellen zu Gewerbe und Industrie werden immer enger", sagt Kainz.

Kraus-Maffei äußerte sich auf AZ-Anfrage im Übrigen nicht.

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