Kranker Olaf Bodden im Interview Bodden: "Wenn ich leide, wird es besser"

3720 Euro hat Ex-1860-Präsident Dieter Schneider bei der AZ-Aution geboten für zwei Trikots aus dem Benefizspiel für Olaf Bodden. Der übergab Schneider die Trikots persönlich. Foto: Filippo Cataldo

Dieter Schneider hat bei der AZ-Auktion zwei Trikots aus dem Benefiz-Spiel für Olaf Bodden ersteigert. Der Ex-Löwe übergab sie dem früheren Präsidenten – und erzählte ihm von seiner schlimmen Krankheit.

 

Isen - Olaf Bodden  empfängt in seinem elektrischen Rollstuhl. In der Nacht konnte er kaum schlafen, die Schmerzen und Übelkeit haben ihn lange wach gehalten. Es ist ein guter Tag für ihn. "Dass ich langsam wieder Schmerzen habe, zeigt, dass mein Körper langsam wieder anfängt, die Viren zu bekämpfen. Mein Immunsystem scheint nicht mehr komplett blockiert."

Wir sind gekommen, um die Trikots zu überreichen, die Ex-1860-Präsident Dieter Schneider bei der AZ-Auktion für den am chronischen Erschöpfungssyndrom CFS erkrankten Bodden ersteigert hat. 3720 Euro hat Schneider gezahlt. Zweimal 1860 Euro.

OLAF BODDEN: Herr Schneider, vielen, vielen Dank! So viel Geld für zwei Trikots!

DIETER SCHNEIDER: Hören Sie auf! Das ist doch das Mindeste, was ich tun kann. Und seien Sie beruhigt, es trifft keinen Armen. Schön haben Sie es hier!

Ja, finde ich auch. Ich bin hier bei einer sehr lieben Freundin untergekommen, die mir sehr hilft. Nach meinem Zusammenbruch im April habe ich mich ja von meiner Freundin getrennt.

AZ: Wieso das?

Weil ich ihr nicht zumuten wollte, ihr Leben aufzugeben für mich. Wir waren vier Jahre zusammen, hatten davon geträumt, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Das war auch ein Grund, wieso ich das Medikament Rituximab genommen habe.

AZ: Das Medikament versprach Ihnen Heilung.

Richtig. Mir ging es relativ gut letztes Jahr. Aber Kinder hätte ich in dem Zustand nicht erziehen können. Das Medikament hatte schon einigen geholfen.

AZ: Doch Ihr Körper hat rebelliert, im April erlitten Sie einen Zusammenbruch, können nicht mal mehr gehen.

Ich könnte schon. Ich kann mich bewegen, krabble auch alleine in meinen Rollstuhl. Aber alles bereitet eine unfassbare Anstrengung. Mein Immunsystem ist komplett heruntergefahren, die Viren in meinem Hirn blockieren alles.

SCHNEIDER: Ich bewundere Sie, dass Sie nicht aufgeben.

Ich bin zu jung, um mein ganzes Leben im Bett zu verbringen. Das Spiel am Sonntag hat mir enormen Auftrieb gegeben. Zu sehen, dass so viele kamen für mich, dass die Löwen-Familie zusammenhält. Das alles war wichtiger als das Geld, das gesammelt wurde.

AZ: Wie ist Ihre Perspektive?

In ein, zwei Jahren will ich wieder laufen und alleine leben können. Am liebsten zusammen mit meiner Tochter. Aber die schlimmste Phase steht mir noch bevor: Sobald das Gift aus meinem Körper ist, kommen auch die Schmerzen und die Benommenheit wieder. Wie bei einer schlimmen Dauer-Grippe.

AZ: Sie müssen richtig leiden, damit es Ihnen wieder besser gehen kann?

Ja, Das ist schizophren, ich weiß. Mein Körper muss wieder anfangen, gegen die Viren zu kämpfen. Wenn ich leide, wird es besser.

SCHNEIDER: Darf ich fragen, wie viel Geld Sie die Behandlungen gekostet haben?

Ich habe um 2000 herum schon mal eine Immun-Therapie gemacht, damals hat mich das 150000 Euro gekostet. Die letzten drei Jahre sind schon wieder rund 70000 Euro zusammengekommen. Allein meine Immun-Globuline kosten 1000 Euro pro Fläschchen.

SCHNEIDER: Und die Kassen übernehmen nichts?

Die Krankheit ist nicht anerkannt in Deutschland, gilt als psychosomatisches Leiden. Es wird nicht geforscht. Die Ärzte können einem nicht wirklich helfen. Mein Immunologe in München nimmt alle Werte, die ich dann alle selbst lese und analysiere. Ich kenne meinen Körper schließlich am Besten.

SCHNEIDER: Sie sind Ihr eigener Gesundheitsmanager.

So kann man es ausdrücken. Aber ich habe natürlich noch Glück, dass ich doch etwas Geld verdient habe, in der Öffentlichkeit stehe und mir so viele helfen. Wer von der Grundsicherung leben muss, der kann praktisch gar nichts machen gegen die Krankheit.

AZ: Wie viele leiden an CFS?

Allein in Deutschland sind wir 300000! Wobei das Krankheitsbild sehr heterogen ist – und oft nicht richtig diagnostiziert wird. Die Symptome sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Einige können noch halbtags arbeiten, andere sind bettlägerig, so wie ich. Ich hoffe, dass wir durch das Benefiz-Spiel auch ein wenig auf die Krankheit aufmerksam machen konnten.

 

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