"Koslowski & Haferkamp" Tim Seyfi: "Sehe mich nicht zwischen den Stühlen"

Tim Seyfi (links) und Sönke Möhring geraten als "Koslowski & Haferkamp" in brenzlige Situationen Foto: ARD/Frank Dicks

Kommissare gibt es im deutschen Fernsehen wie Sand am Meer - doch ab 20. März ermitteln die Privatdetektive "Koslowski & Haferkamp" im Ersten. An der Seite von Sönke Möhring spielt Tim Seyfi den gewitzten Charmeur Hasan Haferkamp. Im Interview mit spot on news spricht der sympathische Deutsch-Türke über seinen multikulturellen Hintergrund und seine Erfahrungen als FC-Bayern-Fan im Ruhrpott.

 

Die Vorabend-Reihe "Heiter bis tödlich" im Ersten bekommt Zuwachs - ab 20. März ermitteln immer donnerstags um 18:50 Uhr "Koslowsi & Haferkamp" in Bochum. Das Besondere an den beiden: Sie sind keine Kommissare, sondern Privatdetektive. Tim Seyfi (42) und Sönke Möhring (41) spielen in der Serie nicht nur Kollegen, sondern auch beste Freunde. Wie sich die beiden abseits der Kameras verstehen, erzählt Tim Seyfi im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

"Koslowski & Haferkamp" spielt in Bochum. Wie war es für Sie als Münchener, sich in die Ruhrpott-Lebensart einzuleben?

Tim Seyfi: Ich fands angenehm. Ich bin natürlich extrem verwöhnt, weil München eine so schöne Stadt ist. Aber für mich sind in erster Linie die Leute ausschlaggebend, und ich finde die Menschen aus dem Ruhrpott unglaublich. Ich finde, das sind fast schon die Südländer Deutschlands, weil die in ihrer Ehrlichkeit, Direktheit und Herzlichkeit so groß sind. Und in so einer Umgebung zu spielen macht sehr viel Freude. Ich sehe dort auch ganz andere Sachen: Bergwerke, Stollen, Fabriken, das sehe ich sonst fast nie. Das freut die Kamera, und meine Augen wurden auch wieder zu Kinderaugen.

Hat ihr Kollege Sönke Möhring, der ja aus der Gegend kommt, ein bisschen Reiseführer gespielt?

Seyfi: Er hat natürlich schon immer was zu erzählen, aber unser Hauptthema ist Fussball. Er ist ja glühender Dortmund-Fan und ich leidenschaftlicher Bayern-Anhänger - das war natürlich tägliches Thema bei uns. Dabei spielen wir in der Serie ja beste Freunde, und das klappt wunderbar. Wir verstehen uns auch prima. Wir waren sogar beide beim Champions League Finale, jeder natürlich in einer anderen Kurve.

Als Dortmund-Fan hat man im Ruhrgebiet natürlich Heimvorteil.

Seyfi: Ich lauf auch ganz gern mal schön provokant im Bayern-Trikot durch den Pott oder durch Köln und schaue mir dann Spiele im Café an. Ich ernte dann schon immer ziemlich schräge Blicke (lacht). Aber sich zu necken gehört ja auch zum Fussball dazu. Ich fänds auch schade, wenn man mich mit meinem FC Bayern nicht mehr aufziehen würde.

Haben Sie und Sönke Möhring sich von Anfang gut verstanden?

Seyfi: Wir hatten uns beim Casting kennengelernt und uns auf Anhieb gemocht. Ich hab damals gesagt, wenn wir beide es werden, dann mache ich diese Serie auch, ich war da nämlich noch am Grübeln. Das hat ja Gott sei Dank geklappt, und es ist natürlich toll, wenn man mit jemandem arbeiten kann, der nicht nur Kollege sondern auch ein guter Freund ist. Wir kommen teilweise an den Set mit denselben Ideen, und schauen uns dann an und sagen: "Gib mir mein Leben zurück." Wir haben oft gemeinsame Gedanken, wir sind da teilweise wie siamesische Zwillinge. Man muss dann gar nicht mehr viel spielen, und deswegen ist "Koslowski & Haferkamp" auch so ein außergewöhnliches Projekt geworden.

Warum hatten Sie gezögert, die Rolle anzunehmen?

Seyfi: Ich habe bisher noch nie für eine Serie zugesagt. Ich hatte, wie das oft so ist als Schauspieler, diese Angst, so lange an ein Projekt gebunden zu sein. Ich habe mich nun seit 20 Jahren ganz gut dagegen erwehren können, mich auf eine Sache zu fixieren. Ich habe es sehr genossen, mal den albanischen Mafiapaten zu spielen, dann wieder den bayerischen Dorfpolizisten und dann den französischen Soldaten. Die Variabilität der Rollen, die ich in den letzten Jahren hatte, habe ich sehr genossen.

Weshalb haben Sie dieses Mal doch Ja gesagt?

Seyfi: In diesem Fall hatte ich einfach keine Argumente dagegen. Die Bücher waren gut, der Partner war mir sympathisch, was mir besonders wichtig war. Außerdem bin ich großer Fan der ARD, für die habe ich schon oft gearbeitet. Außerdem war ein wichtiger Faktor für mich, dass die Hauptfiguren keine Polizisten sind, sondern Detektive. Kommissare gibt es wie Sand am Meer, und Detektive kenne ich im deutschen Fernsehen keine. Die Konstellation hat einfach gepasst. Und ich habe es bisher keine Sekunde bereut, es macht echt täglich Freude. Außerdem kann ich viele meiner anderen Projekte trotzdem weiterverfolgen. Wenn ich ein paar Monate pro Jahr diese Serie drehen kann und den Rest der Zeit dann im Ausland drehen kann oder mal wieder Theater spielen kann, ist das wunderbar.

Sie drehen sehr viel international. Welche Unterschiede sehen Sie zu deutschen Produktionen?

Seyfi: Ich habe ja mittlerweile schon in 15 Ländern gedreht, in zehn Sprachen, obwohl ich selbst nur fünf spreche. Jedes Land und alle Beteiligten bringen jedesmal eine komplett andere Erfahrung mit sich. Für mich zählt allerdings nicht wie man arbeitet, sondern die Liebe für die Arbeit selbst. Unterschiede gibt es natürlich. Wenn wir in Deutschland einen Drehtag zwei Monate im Voraus planen, funktioniert das auch perfekt. Bei türkischen Produktionen ändert sich am Tag selbst der ganze Drehplan. Szenen, die man eigentlich in zwei Wochen drehen wollte, macht man dann eben noch schnell an dem Nachmittag. Und es funktioniert trotzdem, das ist ja das Verrückte. Ich habe so viele verschiedene Arbeitsweisen erlebt, da haut mich nichts mehr um. Wenn in Deutschland mal Chaos herrscht, bleibe ich ganz entspannt.

Wie ist das im privaten Leben? Sind Sie da auch ein Typ, den nichts aus der Ruhe bringt?

Seyfi: Tendenziell ja. Ich finde, es gibt ganz selten einen Grund, nicht lebensbejahend zu sein. Ich bin ja Türke und Münchener, und je mehr verschiedene Lebensweisen man erfährt, desto entspannter geht man durch das Chaos, das manchmal auch herrscht. Man bleibt immer beständig positiv. Klar gibt's Tage oder Momente, die einen aufregen, das ist ja menschlich, aber bei mir hält sich das relativ in Grenzen. Ich komme auch aus einer Großfamilie mit acht Geschwistern, und wir alle legen einen gewissen Grundoptimismus an den Tag. So hat man auch mehr Spaß im Leben.

Fühlen Sie sich mit ihrem multikulturellen Hintergrund also nicht zwischen den Stühlen?

Seyfi: Im Gegenteil. Ich fühle mich sehr privilegiert, zwei so konträre Seiten in mir zu haben. Ich kann mehrere Sprachen, ich kenne zwei Kulturen und zwei Religionen. Das ist ein Rucksack voller Werkzeug, der mir im Leben immer sehr hilfreich war. Ich sehe mich da gar nicht zwischen den Stühlen. Ich bin eben das, was ich grade sein muss. Wenns sein muss, bin ich der entspannte Bayer, der euphorische Südländer, oder der türkische Chaot. Die Leute haben ganz gern jemanden vor sich, den man klar definieren kann. Dem verweigere ich mich aber.

Wieviel von Ihnen selbst steckt denn in Hasan Haferkamp?

Seyfi: Sicherlich der Humor, vor allem die Selbstironie, die Figur nimmt sich selbst ja nicht zu ernst. Und die Liebe zum FC Bayern! Hasan ist nämlich auch Bayern-Fan, obwohl er im Ruhrpott wohnt. Außerdem kann Hasan Menschen gut um den Finger wickeln. Er kann gut reden, und ich bin auch nicht gerade auf den Mund gefallen (lacht). Ich musste tatsächlich gar nicht viel verändern für diese Rolle.

 

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