Konzertkritik Take That: So bespaßten sie zu dritt die Olympiahalle

Mark Owen, Gary Barlow und Howard Donald (v.l.), Sänger der britischen Band Take That. Foto: dpa

Von Teenie-Schreikrämpfen kann keine Rede mehr sein, aber von süßer Nostalgie und der Freude, dass manche Dinge einfach weiter gehen. "Take That" in der Münchner Olympiahalle - die AZ-Konzertkritik.

München - Wenn die 40-Jahre-Grenze überschritten ist, könnte doch auch einer Boyband mal der Saft ausgehen. Dass die „Jungs“ von Take That nach dem Wegfall von Robbie Williams und Jason Orange nur noch zu dritt sind, könnte ein weiter Grund dafür sein, dass die Energie etwas flöten geht. Und es ist ja auch Arbeit, das Singen und Tanzen und weiter gut aussehen, das Popgeschäft, ein ewiges Hamsterrad, und ein solches, ein Rad, steht bald hinten auf der Bühne in der passabel besuchten Olympiahalle.

Nachdem ein paar Ladies und Gentlemen in grauen Anzügen auf dem kreisförmig ins Publikum ragenden Laufsteg gewandelt sind, um Waren aus Koffern anzubieten, radelt einer mit Nerdbrille zu diesem Rad, steigt ein und beginnt zu rennen. Was für mehr Licht sorgt, für Energie, auch in einer Videoanimation, die eine Art vertikales Dorf in einem Hochhaus zeigt.

Und dann erscheinen sie, Gary Barlow (44), Mark Owen (43) und Howard Donald (47), und schreiten mit der Tanztruppe auf den Catwalk, während der Rhythmus stampft und sie ihre Stimmen für „I like it“ in die Höhe schrauben, alle bonbonfarben gekleidet, als ob sie einem Zirkus oder durchgeknallten Comic entsprungen sind. Ein wenig deppert darf‘s sein, gerade beim Pop, in dem es hauptsächlich und weiterhin um Spaß geht, ums Vergessen aller Alterssorgen im Taumel des Spektakels.

Das Altern, die Falten, das Erschlaffen der Haut gehören zum Hamsterkreislauf des Lebens, aber sie wirken alle drei so, als ob sie sich zwischendurch in einen Kälteschlaf begeben haben, um ihre Jugendlichkeit zu konservieren. Gut, Mark Owen transpiriert schon nach dem ersten Lied ziemlich stark und vielleicht wurde das eine oder andere graue Haar weggetönt, aber wenn Mark und Howard, der bald Vater wird, sich später im weißen Unterhemd dramatisch in den Modern Dance werfen, während Gary Barlow die Ballade „Flaws“ fehlerfrei singt, dann sieht man ihre nackten Oberkörper aufblitzen, muskulös wie eh und je.

Die ganze Show ist stark durchdefiniert wie ein Waschbrettbauch: Keine Durchhänger, dafür Feuersäulen, Konfettikanonen und im Zehnminutentakt wechselnde Pop-Universen. Mal baut sich eine Unterwasserwelt mit pumpenden Riesenquallen und seltsamen Tanztierchen für „The Garden“ auf, mal treffen rot gekleidete Korsaren auf eine rot gekleidete Geisha für „Relight My Fire“. Die Farbdramaturgen haben zugeschlagen, offensichtlich auch, wenn Take That in hochaufgeschlossenen weißen Kostümen als Kraftwerk-Klone erscheinen, während sich in grünen Leinwand-Animationen die Zahnräder in den Hirnen von fünf, dann drei Köpfen drehen.

Bis nur noch ein Kopf übrig bleibt. „I need affirmation“ singen sie da und brauchen sich keine Sorge um die Zustimmung der Fans zu machen. 6.500 Zuschauer füllen die Olympiahalle nicht mehr richtig, von Teenie-Schreikrämpfen kann keine Rede mehr sein, aber von süßer Nostalgie und der Freude, dass manche Dinge einfach weiter gehen. Wenn die drei ihre Band vorstellen, dann sitzen darin langjährige Begleiter wie Drummer Donovan Hepburn, der Take That seit ihrer Wiedervereinigung 2006 souverän Drive gibt. Der Zahn der Zeit hat an den Songs und an der Stimmkraft nichts wegbeißen können: „Back for good“ ist immer noch die Ballade, die eine ganze Halle im warmen Herzschmerz vereint. Die Tanzschritte bei „Pray“ haben nichts an Leichtigkeit verloren. Und „Never forget“ ist immer noch der perfekte Rausschmeißer.

Vergiss’ nicht, woher du kommst - das haben die Jungs schon damals gewusst und wissen die Junggebliebenen heute umso mehr. Und hoffen natürlich, dass noch vieles kommen wird.

 

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