Konzert in München Im Zenith: Slash gibt den coolen Gitarrenhelden

Für viele Fans war sein Konzert in München ein kleiner, nostalgischer Ausflug in die Vergangenheit: Slash spielte vor ausverkauftem Haus im Zenith. Foto: dpa

Der ehemalige Guns N’ Roses Slash gibt im ausverkauften Zenith den coolen Gitarrenhelden. Für den einzigen Tiefpunkt des Konzerts sorgte der Gitarren-Virtuose selbst.

 

Wie Angus Young von AC/DC hüpft er manchmal auf einem Bein über die Bühne, sein Markenzeichen, den verzierten Zylinder auf den Kopf. Slash, der in den Achtzigern mit Guns N’ Roses seine Karriere als Gitarrenheld begann, gelingt ein Kunststück. Die Riffs und Soli zaubert er wie selbstverständlich aus dem Hut, aber das eigentlich besondere an ihm ist, dass er es schafft, dabei auch noch so unverschämt cool zu sein.

Die meisten Gitarrenhelden wie John Petrucci von Dream Theater oder Robert Fripp von King Crimson sind immer auch Streber. Vor dem Ruf braucht sich Slash nicht zu fürchten. Selbst als U2 dem inzwischen seit Jahren trockenen Alkoholiker vor einer Woche beim Konzert in Dublin peinlicherweise eine Kiste Guiness schenkten, reagierte er cool und bedankte sich über Twitter.

Was Slash nicht mehr trinken darf, haben dafür Teile des Publikums am Samstagabend im ausverkauften Zenith getankt. Die Stimmung ist gut, gleich als zweiten Song gibt es das erste Guns N’Roses-Cover „Nighttrain“ zu hören. Klar wird sofort:

Obwohl die Tourband offiziell Slash featuring Myles Kennedy & The Conspirators heißt, geht es bei dem Konzert um Slash selbst und vor allem um dessen Vergangenheit bei Guns N’Roses. Gleich sieben der zwanzig Songs an diesem Abend sind eigentlich von dieser Band, die den Gitarristen zusammen mit Axl Rose zu Rockstars gemacht hat.

Und warum auch nicht, die Nummern funktionieren noch immer und alle wollen sie hören. Obwohl auch Slashs eigene Songs, vor allem vom neuen Album „World on Fire“, den alten Rockern in nichts nachstehen. Und bevor der breitbeinige Glam Rock überhaupt Gefahr läuft langweilig zu werden, übernimmt zu „Doctor Alibi“ und „You’re crazy“ Bassist Todd Kerns mit schriller Kopfstimme das Mikro.

Für den einzigen Tiefpunkt sorgt dann nur wenig später der Chef selbst: Eine knapp viertelstündige Fingerübung, die wohl ursprünglich als Gitarrensolo gedacht war, gibt Slash in der zweiten Konzerthälfte zum besten. In den Erleichterungsapplaus danach mischen sich sogar einzelne Buh-Rufe. Die Fallhöhe für coole Gitarrenhelden ist eben hoch.

Aber wer zum Ende noch Rockklassiker wie „Sweet Child O’ Mine“ und „Paradise City“ in der Trickkiste hat, kann sich das leisten.

 

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