Konzert in der Olympiahalle Tim Bendzko: Das Gefühl, dass was raus muss

So lässig und entspannt schaut Tim Bendzko aus, wenn er schnell mal die Welt rettet. Foto: Henning Kaiser/dpa

"Immer noch Mensch": Am Sonntag gastiert der Singer-Songwriter Tim Bendzko in der Olympiahalle. Die AZ hat ihn zum interview getroffen.

 

Seine Stimme ist weich und markant. Mit seinen weichen Soul-Balladen trifft er den Nerv der Zeit. Aber bevor er die Musik für sich entdeckte, besuchte er in Berlin ein Sportgymnasium – mit Aussicht auf eine Fußballkarriere beim 1. FC Union Berlin. Am Samstag steht Tim Bendzko auf der Bühne der Olympiahalle. Er ist mit seinem neuen Album "Immer noch Mensch" auf Tour.

AZ: Herr Bendzko, inwieweit unterscheidet sich Ihr aktuelles Album von den vorhergehenden?
TIM BENDZKO: Massiv. Zum einen musikalisch: Da ist nichts digital oder gesampelt, sondern jedes Instrument wurde von einem Musiker gespielt. Außerdem habe ich die Songs wesentlich näher an mich herangelassen. Sie sind deutlich persönlicher und direkter als früher.

Gibt es denn eine Stadt auf die sie sich auf Ihrer Tour am meisten freuen?
Natürlich München. Als Bayern-Fan ist man immer gerne hier. Aber natürlich ist Berlin als meine Heimatstadt schon immer ein großes Highlight. Ich hatte dort viele magische Abende.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Auf zwei der neuen Songs: "Immer noch Mensch", weil es eines der Lieder ist, wo ich das Gefühl hatte, ich muss zu einem bestimmten Thema etwas schreiben: Masse und Mensch! Also Individualität in einer TV-Gesellschaft und mit abgesoftetem Wohlstandsleben. Normalerweise hab’ ich so eine Art, intuitiv zu schreiben: Es fällt mir was ein und ich versuche es in Worte zu fassen. Das andere Lied wäre die andere Ballade des Albums: "Winter". Hier habe ich einen poetischen Text geschrieben, was ja eigentlich eher nicht so mein Ding ist.

Gibt es eine besondere Art, wie Sie am besten Ideen für Lieder sammeln?
Da hilft am besten, tatsächlich nichts zu tun. Irgendwann kommt das Gefühl von alleine, dass irgendwas raus muss.

So eine Tour ist ja auch mit Anstrengungen verbunden: Sie leben im Bus und reisen von Stadt zu Stadt. Was motiviert Sie denn?
Ich versuche es mir so zu gestalten, dass es mir selbst Freude bereitet. Aber hauptsächlich ist die Motivation: Ich schreibe und produziere meine Musik, um sie live zu performen. Es geht nicht so sehr darum, dass jemand die CD zuhause ins Regal stellt, sondern, dass ich sie auf der Bühne mit den Zuschauern teilen kann.

Sind Sie vor Auftritten noch nervös?
Nervosität ist vielleicht bei den ersten zwei, drei Auftritten da gewesen, aber dann freut man sich ungestört auf alle Auftritte! Für diese Tour hatten wir sogar so viel Zeit zum Proben wie noch nie.

Sie hatten mit "Nur noch kurz die Welt retten" großen Erfolg. Wenn man einen so großen Hit gelandet hat, wird man sicher auch ein Stück weit darauf reduziert.
So sind wir Menschen halt. Wenn ein Song so oft im Radio rauf und runter läuft, ist es klar, dass die Menschen diese Lieder eher kennen als die anderen Lieder auf dem Album. Das ist für mich kein Problem.

Inzwischen sind Sie ein wahres Multitalent: Sie singen, spielen Gitarre, schreiben die Songs und drehen jetzt sogar die Musikvideos selbst. Sind Sie ein Kontrollfreak?
Nein, ich bin eher an vielem interessiert. Ich habe gar kein Problem die Dinge abzugeben. Aber wenn man eine Idee hat, denke ich, dass man selbst die Idee am besten umsetzen kann. Natürlich stößt man da oft an seine Grenzen, allein bei den technischen Aspekten. Da hole ich mir gerne Hilfe von Experten. Aber wenn ich Lust habe etwas selbst zu machen, dann mache ich das einfach.

Sie haben bis zur B-Jugend von Union Berlin gespielt, wieso haben Sie aufgehört?
Ich hatte damals einfach das Gefühl, dass es mir zu viel Zeit geraubt hat, welche ich auf die Musik und das Leben verwenden wollte. Und nur weil man etwas gut kann, ist für mich noch lange keine Begründung, es weiter zu machen. Und als die Wahl zwischen Fußball und der Musik stand, habe ich mich für die Musik entschieden.

Sie sind ja relativ viel im Internet auf Facebook aktiv, vielleicht haben Sie da schon von einem kleinen Scherz auf Ihre Kosten gehört, welcher sich darauf bezieht, dass Sie 2011 noch singen, Sie wollten "kurz die Welt retten" und jetzt zurückrudern und singen, Sie hätten noch keine Maschine dazu. Haben Sie das wahrgenommen?
Ja, es war auch unmöglich, das nicht wahrzunehmen, weil mir täglich gefühlt 500 000 Leute diesen Witz zugeschickt haben. Das Lustige an der Sache ist: Der Gag stammt von mir. Des kannst du natürlich keinem sagen und es glaubt auch keiner, aber ich habe ihn mir selbst ausgedacht. Tatsächlich werden zurzeit sogar T-Shirts gedruckt.


Tim Bendzko in der Olympiahalle, Samstag, 19:30 Uhr. Restkarten zu 40 bis 50 Euro

 

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