Konzert im Herkulessaal Liederabend Edita Gruberova

Edita Gruberova - hier 2013 in Baden-Baden. Foto: Uli Deck

Keine zwei Wochen nach ihrem Abschied von der Opernbühne gibt Edita Gruberova einen Liederabend im Herkulessaal

Aus ihrem letzten Abschied hat Edita Gruberova gelernt. Vor nicht ganz zwei Wochen hatte sie sich mit einer finalen Vorstellung am Nationaltheater von der Opernbühne zurückgezogen. Die Ovationen dauerten eine Stunde. Nach diesen Erfahrungen ist es verständlich, wenn sie nun nach dem offiziellen Teil ihres Rezitals im Herkulessaal die Zugaben lakonisch einzählt: „Erster Versuch ...“. Schließlich sind vier solcher Versuche nötig, bis das frenetisch applaudierende Publikum die Sängerin unter stehenden Ovationen in den wohlverdienten Feierabend entlässt.

So ganz sagt sich Edita Gruberova von der Oper aber auch nicht los. Ausschnitte aus dramatischen Werken kann sie ja immer noch konzertant singen, wobei Peter Valentovic am Flügel das fehlende Orchester nach Kräften ersetzt. Mit Szenen aus „Il barbiere di Siviglia“ von Gioachino Rossini und „La Straniera“ von Vincenzo Bellini erinnert die Gruberova an ihre Erfolge im Belcanto-Fach.

Nach wie vor kann sie ihre zum Sterben schöne Stimme in höchster Höhe aus dem Nichts einsetzen lassen wie einen magischen Naturlaut. Wie ein fantastisches Überinstrument bewegt sich der Sopran in der Wahnsinnsarie aus „Hamlet“ von Ambroise Thomas frei durch den Raum, die Spitzentöne lassen den Atem stocken. Ja, das Vibrato ist ein wenig stärker geworden, doch es bleibt eine Sensation, wie unangegriffen, zeitlos die Stimme in einem Lebensabschnitt klingt, in dem sich praktisch alle Kolleginnen schon seit Jahrzehnten auf die Nachwuchsarbeit verlegt haben.

Lachen wie eine Dreißigerin

In Zukunft wird sich Edita Gruberova wieder mehr auf den Liedgesang konzentrieren, den sie immer pflegte. Ein kurzer Gesang von Richard Strauss, „Waldseligkeit“ op. 49/1, reicht, um ihre Gestaltungskunst zu illustrieren: Mit dunklen Vokalen entführt sie die Hörer in den nächtlich rauschenden Wald, um dann, in einer einzigen Phrase, in dessen Blätterkronen zu entschweben.

Was jedoch nach diesem großen Abend mindestens genau so im Gedächtnis bleiben wird, ist der ansteckende Humor der Diva. Schon vor der Pause trällert sie einen „Frühlingsstimmen“-Walzer von Johann Strauß Sohn, bei dem sie die Koloraturen übermütig in die Luft wirft. Und dann sind da ja noch die Zugaben. In dem Couplet „Mein Herr Marquis“ aus der „Fledermaus“ von Strauß gibt sie eine höchstens Dreißigjährige – wie sie jeden der Lacher anders lacht, wird ihr nie jemand nachmachen. Der vorletzte Versuch eines Abschieds mit dem Walzerlied „Ach, wir armen Primadonnen“ aus der Operette „Der arme Jonathan“ von Carl Millöcker ist gar ein selbstironischer. Auf diese neue Karriere der Edita Gruberova kann sich das Publikum freuen.

 

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