Konzert im Gasteig Sol Gabetta und das Orchestre de Paris unter Paavo Järvi

Eine Weltbürgerin: Die Cellistin Sol Gabetta wurde als Tochter französisch-russischer Eltern in der argentinischen Provinz geboren. Foto: Uwe Arens

Sol Gabetta und das Orchestre de Paris unter Paavo Järvi mit Musik von Camille Saint-Saens und Hector Berlioz

 

Wenn er bei den Münchner Orchestern zu Gast ist, hinterlässt Paavo Järvi häufig einen unentschiedenen Eindruck. Zweifellos ist er ein Routinier, einer, der das Orchester zusammenhalten kann. Aber was darüber hinaus?

Es ist nun ein Gastspiel des Orchestre de Paris, das Järvis Arbeit im besten Licht zeigt. Offenkundig muss Järvi mit dem jeweiligen Orchester vertraut sein, um wirklich loslegen zu können – beim Orchestre de Paris ist er seit fünf Jahren Chefdirigent.

Hier wird das zum ästhetischen Ereignis, was Järvi auch sonst gelingt: die Präzision des Zusammenspiels. Ab dem ersten Moment erstrahlt das Orchester in einer singulären Klarheit, der sprichwörtlichen französischen clarté: Die Violinen, Violen und Violoncelli ziehen scharfe Linien, sogar in der so hochkomplizierten der Konzertouvertüre „Le Corsaire“ von Hector Berlioz. In rasendem Tempo folgen die Ereignisse der Streicher, Bläser und des Schlagzeugs aufeinander und treiben den Hörer aus der Kurve. Auch in Berlioz’ „Symphonie fantastique“ ist jede der vielen so unterschiedlichen Gestalten mit mikroskopischer Genauigkeit koordiniert. Die Pariser bilden eine immense Bandbreite zwischen fast unhörbaren, aber substantiellen Pianissimi und knackigen, lauten Tutti aus, oftmals in irrwitziger Schnelligkeit. Der Hexensabbat erscheint so unheimlich, weil er so gefährlich bewusst zurückgehalten wird. Grandios.

Ernst und diskret – und deshalb berührend

Auch Camille Saint-Saens Violoncellokonzert Nr. 1 a-moll ist nicht leicht zu begleiten, weil der Grundpuls so gelassen sein muss, dass Dirigenten das Gefühl haben, ihn nicht ganz in der Hand zu haben. Hier entspinnt sich zwischen Sol Gabetta und dem Orchestre de Paris ein nonchalantes Wechselspiel, das stets eine gewisse reizvolle Untiefe hat. Gleichzeitig unterdrückt die Argentinierin keinesfalls ganz die Leidenschaft, für die sie so berühmt ist. Dadurch bekommen die Ecksätze doch eine gewisse Substantialität verliehen, während das Menuett zu einem duftig musizierten Rückblick in die Vergangenheit wird. Die Zugabe dazu ist wunderbar gewählt: Mit dem Orchester spielte sie die Élégie Gabriel Faurés, ernst und diskret – und damit ungeheuer berührend.

 

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