Konzert im Cirkus Krone Der Abschied von Tangerine Dream

Die Band Tangerine Dream Foto: ho

Die Avantgarde vor sehr langer Zeit: Tangerine Dream verabschiedet sich von den Fans im Circus Krone

 

Hut an den E-Gitarrenhals hängen, Gitarre umschnallen, Hut wieder aufsetzen, etwas an den Saiten zupfen – und dann das gleiche Spiel von vorn. Bei Edgar Froese wirkt jede Bewegung einprogrammiert – kein Wunder, wenn man seit 1967 mit Tangerine Dream auf den Bühnen dieser Welt steht.

Dennoch ist für den Begründer der Elektro-Rock-Pioniere, die im Ausland fast den Ruf von Kraftwerk genießen, dieser Abend im Circus Krone etwas Besonderes. Im Rahmen einer „Abschiedstour“ will man vor rund 800 Fans Lebewohl sagen. Und sieht man sich Froese an, versteht man auch, warum. Älter wirkt er als seine 69 Jahre, gespenstisch eingefallen ist sein Gesicht, mit der Taschenlampe führt man den bis zum Schlussdank Schweigsamen an seinen Platz, eine Raumschiff-Kanzel zwischen blinkenden Synthesizern.

Dennoch will und wird der Turnschuh tragende Zopfträger keine Schwäche zeigen, spielt mit Pause ein dreistündiges Programm. Darunter Klassiker wie „Phaedra“, aber auch neuere Kompositionen („Trauma“). Unterstützt wird er dabei nicht nur von seinen andächtig lauschenden Fans, mehrheitlich Männer jenseits der 40, sondern auch von vier Spielgefährten, die im Vergleich zu Froese wie Jungspunde wirken.

Blubberndes Heißwasser

Hochkonzentriert arbeiten sie sich am wabernden Electro-Sound ab, der auch ohne Moog-Synthesizer und mit Computer-Unterstützung den Geist der 70er und 80er Jahre versprüht. Schroff sind sie, die oft verzerrten Klänge, die den Boden vibrieren lassen. In den besten Momenten entsteht dabei mehr als nur ein Trance-Effekt, hervorgerufen durch simple, ständig wiederholte Synthesizersequenzen. Kurze Science-Fiction-Filme laufen vor dem inneren Auge ab, wenn unendliche Weltraum-Weiten projiziert werden, während die starke Drummerin und schwächere Teilzeittänzerin Iris Camaa unerbittlich den Takt vorgibt.

Das Besondere dabei ist die „Wer bin ich“-Geräuschkulisse: vom Meeresrauschen über Heißwasser-Blubbern bis zu metallische Bauklötze aufeinander schlagen – immer wieder gibt es auch dank dem originellen Live-Einsatz von Geige, Flöte oder Saxofon Neues zu entdecken.

 

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