Konzert am Königsplatz Anne-Sophie Mutter spielt John Williams

Anne-Sophie Mutter mit John Williams. Foto: Prashant Gupta/DG

„Star Wars“ und mehr: Anne-Sophie Mutter spielt Musik von John Williams

 

Seit über 40 Jahren konzertiert die Geigerin weltweit in allen bedeutenden Musikzentren. Bei Events hat sie sich bisher eher rar gemacht. Nun macht sie in München eine Ausnahme und spielt am Königsplatz auf einer Open-Air-Bühne Musik von John Williams, die der bekannte Filmkomponist eigens für ihr Instrument arrangiert hat. Das Programm orientiert sich an der CD „Across The Stars“, die Ende August bei der Deutschen Grammophon erschien. Begleitet wird sie vom Royal Philharmonic Orchestra unter Leitung von David Newman.

AZ: Frau Mutter, Filmmusik gilt vor allem bei jüngeren Hörern als „neue Klassik“. Ist da was dran?
ANNE-SOPHIE MUTTER: Ich würde da keine Etiketten aufkleben. Filmmusik ist einfach Musik. John Williams komponiert und instrumentiert mit großer Könnerschaft. Ich sehe eine Beziehung zu spätromantischen Tondichtungen – etwa zu Richard Strauss, weil es immer eine vertonte Geschichte gibt.

Wann haben Sie zum ersten Mal John Williams gehört?
Ich bin im Schwarzwald aufgewachsen, und da gab es natürlich auch Kinos. So habe ich Ende der 70er „Star Wars“ gesehen. Das Titel-Thema hat mich schon damals beeindruckt, die leitmotivische Verwendung der Melodien ebenfalls. John Williams hat mit viel Akribie jeder Figur ein eigenes Thema gegeben, obwohl damals nicht klar war, dass aus dem Film eine neunteilige Saga werden würde. Dieses musikalische Material hat sich bis heute nicht erschöpft, und das beweist seinen Rang als Komponist.

Wie kam Williams eigentlich zum Film?
Er studierte an der angesehenen Juilliard School of Music in New York. Er wollte eigentlich Pianist werden, entschied sich dann aber für das Komponieren und arbeitete lange für das Fernsehen – unter anderem für Kultursendungen. Hier lernte er viel über verschiedene musikalische Idiome und im Dialog mit Musikern viel über die Charakteristik der Instrumente. Ich war überrascht, wie viel er von der Geige versteht. Natürlich kann man auch gegen ein Instrument schreiben – wie es manchmal Beethoven oder Richard Strauss getan haben. Aber es hilft einem Solisten, wenn der Komponist genau weiß, was in einem Instrument steckt, und es als eigene Persönlichkeit begreift.

Vieles, was Sie auf der CD und am Königsplatz spielen, wurde nicht für Geige geschrieben.
Das Thema von Prinzessin Leia wird eigentlich vom Horn gespielt. Williams hat es für mich in eine höhere Lage und in eine andere Tonart transponiert. Und man kann natürlich nicht alles in die Geige legen – beispielsweise Heroisches wie den „Imperial March“ oder das Thema aus „Superman“. Die Geige ist eben mehr ein lyrisches und virtuoses Instrument.

Besteht da nicht die Gefahr, dass das Programm zwar auf der CD funktioniert, nicht aber im Konzert?
Das hat uns lange beschäftigt. Ich habe das Programm schon im Juli in Tanglewood gespielt und danach mit John Williams darüber gesprochen. Mit den virtuosen Stücken und Nummern, die nur vom Orchester gespielt werden, lässt sich das sehr gut ausbalancieren. Auf diese Weise entsteht eine sehr abwechslungsreiche Dramaturgie. Die längere Version des Hedwig-Themas aus „Harry Potter“ ist mit der großen Kadenz so etwas wie ein Gegenstück zu Pablo de Sarasates „Carmen“-Fantasie, in der die Geschichte einer Figur erzählt wird. Dass so etwas funktioniert, schätze ich an der Musik von John Williams besonders.

Ist die Musik zu „Star Wars“ auch seine Lieblingsmusik, oder schätzt er andere Stücke höher?
Das habe ich ihn nie gefragt. Ich glaube, dass er darauf auch keine schlüssige Antwort hätte, weil er sehr unterschiedliche Musik schreibt. Im Moment arbeitet er an den letzten Partiturseiten der letzten Folge von „Star Wars“.

Stimmt es, dass John Williams im Unterschied zu vielen anderen Filmkomponisten seine Musik auch selbst instrumentiert?
Das zeichnet ihn aus. Da gehört er zur alten Schule. Er würde auch nie einen Computer dafür einsetzen. Er besteht zudem auf einer großen, symphonischen Orchesterbesetzung, die meiner Meinung nach erst die große emotionale Dichte entstehen lässt.

Was hat Sie an der Zusammenarbeit mit John Williams besonders beeindruckt?
Seine Sicherheit beim Tempo. Es bleibt immer gleich, auch eine Woche oder einen Monat später.

Spielen Sie auf dem Königsplatz in etwa das Programm der CD?
Es gibt auch einiges, das auf der CD nicht drauf ist – etwa „The Chairman’s Waltz“. Wir haben insgesamt 16 Stücke aufgenommen, die teilweise erst auf einer Vinyl-Edition erscheinen. Außerdem gibt es natürlich vom Royal Philharmonic Orchestra das Hauptthema aus „Star Wars“, den Marsch aus „Superman“, Ausschnitte aus „Jurassic Park“ und andere, weniger bekannte Werke, die ich mag. John Williams hat das alles abgesegnet, und meine Kinder haben auch mitgeredet.

Kann das Wetter für Sie und Ihre Stradivari zum Problem werden?
Ich hoffe, dass es nicht zu kalt wird. Unter 12 Grad wird es für die Geige schwierig. Aber es bleibt ein Abenteuer – auch wenn mein wunderbarer Tonmeister Bernhard Güttler, der auch die Aufnahmen meiner CDs betreut, am Mischpult sitzt. Und wir proben an Ort und Stelle.

Wenn man Ihre Begeisterung für John Williams erlebt, erübrigt sich die Frage eigentlich. Aber ich weiß, dass sich manche Leute trotzdem fragen, warum Sie sich dieses Open Air eigentlich antun.
Die Musik von John Williams wird für die Filme mikrophoniert aufgenommen. Für mich war klar: Wenn ich ein Open Air mache, das verstärkt werden muss, dann spiele ich auch Musik, die nicht für einen klassischen Konzertsaal instrumentiert wurde. Filmmusik im Breitwandklang passt perfekt auf einen großen Platz. Ich spiele eigentlich ganz gerne draußen, aber bei klassischem Repertoire bevorzuge ich antike Theater wie das Odeon des Herodes Atticus in Athen. Es gibt nichts Schöneres, wenn unter der Akropolis die Grillen zirpen und der Mond scheint.

Trotzdem: Der Klassik-Besucher rümpft bei Filmmusik die Nase.
Wenn ich meine Programme der letzten Zeit passieren lasse – von der großen Penderecki-Feier im vergangenen Jahr, die Vorfeiern für Beethovens 250. Geburtstag heuer und den bevorstehenden Uraufführungen von Jörg Widmann oder Sebastian Currier –, dann finde ich diesen Spannungsbogen zusammen mit John Williams äußerst aufregend. Das deckt alles ab, was mich im Moment interessiert. Es kann aber auch noch mehr werden.


Es gibt noch Restkarten, und das Wetter wird gut

Am Königsplatz finden an diesem Wochenende zwei Konzerte statt. Am Samstag spielt Anne-Sophie Mutter, am Sonntag tritt Michael Patrick Kelly mit Special Guests auf. Für das Wochenende werden warme Temperaturen vorhergesagt.

Beide Konzerte beginnen um 19.30 Uhr. Kellys Support „Mimi an Josy“ spielt ab 18.45 Uhr. Der Einlass erfolgt an der Luisenstraße (direkt am U-Bahnaufgang) sowie auf der Seite des Karolinenplatzes - bei Anne Sophie Mutter ab 18 Uhr, bei Kelly um 17.30 Uhr. Die Abendkasse sowie die Gästeliste befinden sich ausschließlich am Eingang an der Luisenstraße. Es sind für beide Tage noch Restkarten tickets an der Abendkasse erhältlich (bei Anne-Sophie Mutter von 69 bis 209 Euro, bei Kelly zu 42 und 60 Euro.

Beide Veranstaltungen sind bestuhlt. Das Mitbringen von harten, sperrigen und gefährlichen Gegenständen, Glas, Dosen, Hocker, Kisten, Messer, Waffen jeglicher Art, Feuerwerkskörper, Wunderkerzen, Fahrräder, Skateboards und Rollerblades ist verboten. Regenschirme – außer Knirpse – sind nicht erlaubt. Es wird darum gebeten, Taschen und Rucksäcke, die größer als DIN A4 sind, zu Hause zu lassen.
 

 

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