Konfliktmanager am Gärtnerplatz Einschätzung: Ist Stuttgart auch in München möglich?

Beliebter Treffpunkt – vor allem am Abend: Der Gärtnerplatz. (Archivbild) Foto: imago/Michael Westermann

Am Gärtnerplatz feiern aktuell bis zu 400 junge Leute. Aggression spüren die Konfliktmanager dort nicht. Was sie zur Situation in der Stadt sagen.

 

München - Grüppchen junger Leute, die auf Picknickdecken im Gras sitzen, feiern, Bier und Wein trinken. Andere liegen in der Wiese zwischen den Blumenrabatten oder stehen im kleinen Kreis zusammen. Aus einigen Boxen wummert Musik. Man lacht, prostet sich zu, genießt den sommerlichen Abend.

Das Bild, das sich der Konfliktmanagerin Dilek Demircan am Freitagabend am Gärtnerplatz geboten hat, war weit entfernt von dem Feiergelage früherer Sommerabende, wenn sich oft über 1.000 junge Leute dort versammelt haben, um noch bis tief in die Nacht den Partyabend nach dem Clubbesuch ausklingen zu lassen – oft zum großen Frust der Anwohner, die bei einem Lärmpegel von bis zu 70 Dezibel dabei kaum Nachtruhe fanden.

"Viel mehr einheimische Leute" am Gärtnerplatz

Diesmal, beim ersten Wiederausrücken nach der langen Corona-Pause, sah das städtische Konfliktmanager-Team von Akim, das zwischen Anwohnern und Partyvolk vermittelt, dort 300 bis 400 feiernde Leute, berichtet Demircan. Viele bekannte Gesichter waren dabei, aber auch viele neue, die wohl aus anderen Vierteln an den Gärtnerplatz geströmt waren.

"Die jungen Touristen fehlen", sagt sie, "aber es sind viel mehr einheimische junge Leute da – weil ja coronabedingt die Bars und Clubs noch immer geschlossen sind." Es frustriere die Jugend zwar sehr, dass sie nach Wochen noch immer nicht ausgehen könne wie früher. "Aber die Leute waren einfach nur froh, dass sie überhaupt wieder ihre Freunde treffen konnten. Wir sind nirgendwo Aggression begegnet." Auch Akim-Chefin Brigitte Gans sagt: "Wir haben keine Glaskugel. Aber bisher haben wir keine Hinweise, dass sich da was zusammenbraut."

Vor zwei Jahren: Randale am Monopteros

Nach der Randale von Stuttgart, bei der rund 500 junge Leute, die die Polizei einer "Eventszene" zurechnet, Geschäfte geplündert und Polizisten rabiat attackiert haben, gibt es in München die Sorge, ob dieses Aggressionsphänomen womöglich übergreifen könnte auf die Isarmetropole.

Auch hier gibt es ja Provokateure: Man erinnert sich gut an den Vorfall vor zwei Jahren, als bei einer Ansammlung von bis zu 1.000 jungen Leuten am Monopteros eine Randale entstand, Rettungskräfte angegriffen wurden und die Lage völlig eskaliert ist.

Münchner Polizei beobachtet Provokateure

Die Polizei hat bekannte Provokateure im Blick und will am nächsten Wochenende mit mehr Personal in der Nähe bekannter Freiluftpartyplätze unterwegs sein. 40 bis 60 junge Männer in München, die den Randalierern von Stuttgart "von der Motivation und der Mischung her ähnlich" sind, beobachtet die Münchner Polizei. Das seien Leute, die "gerne provozieren, Grenzen austesten und schauen, was passiert."

"Wir wissen, wer diese Leute sind und nach wem wir schauen müssen", sagt Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. Nach Ereignissen wie denen von Stuttgart bestehe immer "eine gewisse Ansteckungsgefahr" durch Mitläufer.

Aktuell aber scheint alles ruhig in der Stadt – auch am Schwabinger Wedekindplatz, wo gern nachts noch lautstark gefeiert wird, und wo heuer das Akim-Team (nach sieben Jahren am Gärtnerplatz) erstmals wochenends vorbeischaut, um zwischen Partyleuten und Anwohnern zu vermitteln. "Unser Vorteil ist", sagt Akim-Chefin Brigitte Gans, "dass wir als Konfliktmanager nicht auf dicke Hose machen, sondern die jungen Leute freundlich und vernünftig ansprechen, wenn sie zu viel Lärm machen. Gegen uns muss man nicht in Widerstand gehen." Wie sich die Partyszene entwickelt, werde man dennoch "stark beobachten".

Lesen Sie hier: Wildbieseln und Pöbeleien - Ärger am Gärtnerplatz

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