Konflikt in der Ukraine Ukraine-Krise: Russland wirft Westen «Erpressung» vor

Russlands Außenminister Sergej Lawrow spricht von einer "antirussischen Hysterie" des Westens: "Wir sehen, wie versucht wird, den Friedensprozess zu behindern, und wie die Kiewer Führung immer wieder versucht, das Problem mit Gewalt zu lösen". Foto: dpa

Das jüngste Blutvergießen in der Ostukraine lässt den Ton zwischen Russland und dem Westen wieder schärfer werden. Ein Einlenken unter Druck schließt Moskau aus. Beim erneuten Aufflammen der Kämpfe sterben wieder zahlreiche Menschen.

 

Moskau/Kiew - Nach der erneuten Gewalteskalation in der Ostukraine hat Russland den Westen vor möglichen neuen Sanktionen gegen Moskau gewarnt. "Eine solche Erpressung wird uns niemals dazu bringen, unsere konsequente Haltung zu ändern", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag in St. Petersburg. Der Schlüssel zur Lösung der Krise liege allein in Kiew - die ukrainische Regierung müsse in einen direkten Dialog mit den Aufständischen treten, forderte Peskow.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow warf dem Westen vor, er missbrauche den Tod von Zivilisten in der Ukraine, um eine "antirussische Hysterie" zu schüren und neue Sanktionen gegen Moskau auf den Weg zu bringen. "Wir sehen, wie versucht wird, den Friedensprozess zu behindern, und wie die Kiewer Führung immer wieder versucht, das Problem mit Gewalt zu lösen", meinte der Chefdiplomat.

Die Militäraktionen der Aufständischen seien eine reine Reaktion auf vorangegangene Angriffe der Regierungstruppen. "Es wäre naiv zu erwarten, dass die Volkswehr zusieht, wie auf Befehl des ukrainischen Präsidenten ihre Städte von Artillerie und der Luftwaffe beschossen werden", sagte Lawrow der Agentur Interfax zufolge.

Nach dem verheerenden Raketenbeschuss der Hafenstadt Mariupol am Samstag lieferten sich ukrainische Regierungstruppen und prorussische Aufständische erneut heftige Gefechte. Das Militär berichtete von mindestens 7 getöteten und 24 verletzten Soldaten innerhalb von 24 Stunden. Aus der ostukrainischen Separatistenhochburg Lugansk wurden zudem zwei getötete Zivilisten gemeldet. Die Separatisten drängten nach eigener Darstellung die Regierungskräfte bei dem Verkehrsknotenpunkt Debalzewo nordöstlich von Donezk zurück.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnte mit Nachdruck vor einer weiteren Zuspitzung der Lage. "In der Ostukraine geben wieder die Kriegstreiber den Ton an", sagte er der "Saarbrücker Zeitung" (Montag). Die Separatisten würden auf die militärische Karte setzen und Gewalt und Zerstörung säen. Allen müsse klar sein, "dass der Kampf um die Ostukraine militärisch nicht gewonnen werden kann". Nicht erstmals habe es Zusagen gegeben, "denen dann wenige oder gar keine Taten gefolgt sind, nicht nur in Moskau", betonte Steinmeier.

Wegen der verschärften Lage in der Ostukraine dringen internationale Vermittler auf neue Friedensgespräche. Das weißrussische Außenministerium rief die ukrainische Führung und die prorussischen Separatisten auf, so schnell wie möglich wieder zusammenzukommen.

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Die zentralasiatische Republik Kasachstan betonte ihre Bereitschaft, ein Gipfeltreffen zu organisieren, berichteten Agenturen. Ein solcher Krisengipfel mit Beteiligung Deutschlands, Russlands, der Ukraine und Frankreichs war Mitte Januar nicht zustande gekommen.

Die EU-Außenminister kündigten für diesen Donnerstag (29. Januar) ein Ukraine-Sondertreffen in Brüssel an.

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