Komödie im Bayerischen Hof „Wir sind die Neuen“ nach dem Filmerfolg von Ralf Westhoff

Generationenkonflikt und noch ein paar andere Streitpunkte: Simone Rethel (links), Florian Gierlichs, Julie Stark, Katharina Schmidt und Joachim Luger. Foto: Dennis Haentzschel

René Heinersdorff inszeniert „Wir sind die Neuen“ in der Komödie im Bayerischen Hof nach dem Filmerfolg von Ralf Westhoff

 

Nicht einmal die Weinflaschen sind wie früher. Bei seiner Suche nach dem Korkenzieher wird der alte Mann zurückgepfiffen: „Korken sind so was von retro“, ätzt die junge Frau und weist auf den praktischen Schraubverschluss der Flasche hin. Der Wein wird für die finale Party gebraucht, mit der „Wir sind die Neuen“ sein fast schon utopisch glückliches Ende findet. Es ist nicht nur eine Fete zweier Wohngemeinschaften aus dem gleichen Haus, sondern die Begegnung zweier Generationen.

Ralf Westhoff hat seine sympathische Filmkomödie aus dem Jahr 2014 selbst für die Bühne adaptiert und die Inszenierung von René Heinersdorff erfreut zur Zeit in der Komödie im Bayerischen Hof. Die Konstruktion dieses Generationenkonflikt-Stücks ist schlicht und dreht die landläufigen Verhältnisse in Mietshäusern einfach um. Die hedonistischen Feierbiester sind Mitte 70, die spießigen Spaßbremsen sind Anfang 20.

Der spezielle Charme dieser Geschichte liegt darin, dass es nicht bei der Frontlinie bleibt zwischen den Alten, die ihre WG-Zeiten aus den Sechzigern zu reanimieren versuchen, sowie den von Zukunftsängsten und Prüfungspanik paralysierten Studenten. Die Brüche zwischen den Achtundsechzigern werden schnell sichtbar, denn sie bringen in die Wohngemeinschaft viel gelebtes Leben ein und auch die seit fast 50 Jahren ungelöst gebliebenen Konflikte ihrer früheren WG.

Dafür bist du zu jung

Dann ruft der idealistische Jurist Johannes (Joachim Luger), der Bedürftige auch mal ohne Honorar verteidigte, dem im Familienleben gescheiterten ewigen Stenz Eddie (Lutz Reichert) Sätze zu wie „Dein ganzes Leben ist eine einzige Schneise der Zerstörung“.
Enttäuscht will die Biologin Anne, die ihr Leben der Erhaltung der Schleiereule gewidmet hatte, wieder ausziehen, am Ende aber hält sie die ganze Rappelkiste in diesem „Spalt des Zeit-Raum-Kontinuums“ zusammen.

Für Simone Rethel als fröhlich sinnliche Anne wurde ein Jopie-Gag hineingeschrieben. „Wer ist Johannes Heesters?“, fragt sie einmal und erfährt: „Dafür bist du zu jung“. Probleme auch bei den jungen Leuten im Stock darüber: Die Kunststudentin Barbara (Julie Stark) flennt ihrem Verlobten hinterher, die Jurastudentin Katharina (Katarina Schmidt) ist über ihren Büchern bereits weit über den Rand des Nervenzusammenbruchs hinaus und der ohnehin hypochondrisch veranlagte Thorsten (Florian Gierlichs) hat es an den Bandscheiben.

Thomas Peknys Bühnenbild scheint vom Generationen von Studenten begleitenden Ikea-Regalsystem „Ivar“ inspiriert zu sein. Es lässt beide Wohnungen verschmelzen. Wenn etwa Katharina rechts auf der Bühne mit dem Besenstock auf ihrem Parkett klopft, um über den Lärm unten zu protestieren, fällt in der Mitte der Putz von der Decke in die Weingläser.

Das alles geschieht in angemessen munterem Tempo. Das gut aufgelegte Ensemble sorgt somit für einen sommerlich leichten Theaterspaß mit reichlich Stoff zur anschließenden Diskussion – nicht nur in der WG-Küche.

Komödie im Bayerischen Hof, bis 8. September, 19.30 Uhr, sonntags 18 Uhr, Telefon 29161633
 

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading