Komödie im Bayerischen Hof: "Sommerabend" Interview mit Gabriel Barylli

Eine Grillfeier eskaliert: (von links:) Daniel Friedrich, Sarah Elena Timpe, Jutta Speidel, Carin C.Tietze, David Paryla und Ralf Komorr. Foto: Alvise Predieri / Kommödie Bay. Hof

Autor Gabriel Barylli inszeniert sein Stück "Somermabend" in der Komödie am Bayerischen Hof selbst. Ein Interview

 

Gabriel Barylli ist dafür bekannt den Rollenspielen zwischen Mann und Frau auf ironische, humorvolle Weise nachzuspüren – so auch in „Sommerabend“: Einige Nächte vor der Hochzeit lernen sich die Eltern der zukünftigen Brautleute bei einem zunächst harmonisch verlaufenden Grillabend kennen. Die Übereinstimmung der Vorstellungen von Ehe und Familie geraten aber mit jedem Glas Champagner oder Wein mehr und mehr aus den Fugen. Ein Partnertausch der Eltern und ein überraschendes Einmischen der Kinder sorgen für einen turbulenten Schlagabtausch – fast ein Gemetzel. Ein überraschender Plan der Kinder führt zu einer überraschenden Wende.

AZ: Herr Barylli, denkt man im Theater an einen Sommerabend, ist man schnell beim „Sommernachtstraum“. Haben Sie sich von Shakespeare inspirieren lassen?
Gabriel Barylli: Er hat den Lieblingssatz meines Theaterlebens geschrieben: „Geduld ist die heiligste aller Leidenschaften“. Seit ich diesen Satz gehört habe, ist Shakespeare mein Bruder im Geiste, ein ständiger Inspirator - nennen Sie es, wie Sie wollen: Er ist der Größte. Es ist eine kleine Hommage, mein Stück so zu nennen, dass man auch an den „Sommernachtstraum“ denken kann.

Geduld ist nur sehr bedingt eine Eigenschaft der Figuren in diesem Stück, das auch sehr viel von den Konversationskomödien von Yasmina Reza hat. Am „Sommerabend“ entgleisen gebildete Menschen der gehobenen Mittelschicht. Wo kommt diese Wut her?
Wenn man glaubt, wie eines der Paare es tut, der Materie dienen zu müssen, damit ihr Glück bestehen bleibt, dann wird das Leben daran erinnern, dass es nicht in erster Linie um die Materie geht, die unseren Glückshorizont bestimmt, sondern ausschließlich die Sprache des Herzens. Wenn wir überhören, was es uns sagen will, dann entsteht ein Stau. Dieser Stau wartet nur darauf, eines Tages durch zu brechen. Das ist das, was mich an der Beschreibung von menschlichen Zuständen, Ereignissen und Schicksalen interessiert.

Sie selbst sind zum fünften Mal verheiratet. Das heißt, Sie haben bereits vier existenzielle Ehekrisen hinter sich. Hilft diese Lebenserfahrung, wenn man drei Paare aus drei verschiedenen Generationen auf der Bühne aufeinander hetzt?
Mit Sicherheit. Wenn ich mir meine eigene Biografie ansehe, dann gab es im Drehbuch des Lebens den einen oder anderen Schritt. Aber jetzt funktioniert das seit 20 Jahren sehr gut. Was hat sich da verändert?

Möglicherweise Sie selbst?
Völlig richtig. Die Veränderung liegt darin, schneller die Wahrheit zu sagen. Sagt man die Wahrheit nicht, entsteht auch wieder dieser Druck, der zu einer Explosion führt. Ich bin aber der Meinung, dass eine Auflösung eines unglücklichen Zustands vernünftiger ist, als ihn unbedingt bewahren zu wollen. Man bleibt zusammen, obwohl jeder dem anderen den Tod an den Hals wünscht, und bewahrt die Form. Das ist der Punkt: Sich immer zu befragen, lebe ich eine Form, die noch stimmt, die mit Leben und Liebe erfüllt ist, oder ist sie erstarrt und kalt. Wenn man übt – und das ist eine lebenslange Übung – lebendig zu bleiben, ein- und auszuatmen, zu fragen, wie geht es dir und wie geht es mir, dann hat man eine Chance.

Inszenieren Sie Ihre eigenen Texte gerne selbst?
Sehr gerne! Ich weiß, was Schauspieler fühlen, wenn sie in einer Produktion sind. Ich habe ein tiefes Mitgefühl für Schauspieler, das ich selbst als Schauspieler bei sehr vielen Regisseuren vermisst habe. Zum anderen sind meine Stücke naturalistisches Theater, bei dem Menschen im Jetzt ihr Schicksal erleben. Wen man Glück hat, stehen am Ende der Proben Schauspieler auf der Bühne, die ein realistisches Leben darstellen. Für einen Fremdregisseur ist das schwer. Ein Regisseur will gerne als der Inszenierende auffallen. Da müssen Einfälle her. Mein Ziel ist aber, nicht mehr zu bemerken, dass es einen Regisseur gegeben hat. Man soll das Gefühl haben, dass die Schauspieler im Augenblick das erleben, was ihnen das Leben vor die Tür gestellt hat.
    
„Sommerabend“: Komödie im Bayerischen Hof, Promenadeplatz, bis 16. Juni: Montag bis Samstag, 19.30 Uhr, sonn- und feiertags 18 Uhr, Tel:  29 161 633

 

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