Komödie im Bayerischen Hof Simone Rethel über ihre Rolle in "Wir sind die Neuen"

Simone Rethel und Lutz Reichel Foto: Dennis Haentzschel

Simone Rethel spielt in der Bühnenfassung von Ralf Westhoffs Kinokomödie „Wir sind die Neuen“ im Bayerischen Hof

 

Nach der Premiere vor fünf Jahren beim Filmfest München erwies sich Ralf Westhoffs Komödie „Wir sind die Neuen“ als Glanzstückchen des deutschen Kinos. Eine Frau und zwei Männer der 60-Plus-Generation reaktivieren ihre Wohngemeinschaft aus der Jugendzeit und nerven mit lautstarken Feten die Studenten in der Wohnung darunter, die zum Büffeln auf absolute Ruhe im Haus bestehen. Die Rolle der Biologin Anne spielt in der Bühnenfassung, die in der Komödie im Bayerischen Hof zu sehen ist, Simone Rethel. Sie wolle die Rolle etwas anders anlegen als es Gisela Schneeberger im Film machte – „mehr wie Uschi Obermaier“, kündigte sie im AZ-Gespräch vor der heutigen Premiere an.

AZ: Frau Rethel, an der Komödie im Bayerischen Hof sind Sie keineswegs eine von den Neuen.
Simone Rethel: Mein erstes Mal war 1969. Das bedeutet, dass ich schon seit 50 Jahren hier Theater spiele. Es war „Vierzig Karat“ von Pierre Barrilet und Jean-Pierre Grédy mit Sonja Ziemann, Alice Treff, Wolfgang Spier oder Hilde Volk, die Frau von Erik Ode – das war durchgehend mit tollen Leuten besetzt. Ich war noch sehr kindlich und spielte aber, was später tatsächlich mein Leben betrifft, die Ehefrau eines älteren Mannes, gespielt von Wolfgang Lukschy. Weil ich noch so jung aussah, rief das Jugendamt an und fragte, ob ich überhaupt schon jeden Abend auf der Bühne stehen darf.

Sie gehören zu den Achtundsechzigern, die in „Wir sind die Neuen“ auf die Studentengeneration nach der Jahrtausendwende trifft. Würden Sie heute auch freitags die Schule oder die Uni schwänzen, um für den Klimaschutz zu demonstrieren?
Ich hatte mich, als ich in diesem Alter war, dafür gar nicht interessiert, weil ich ganz moderne Eltern hatte. Sie haben Simone de Beauvoire und Sartre gelesen, und deshalb heiße ich Simone. Sie waren diejenigen, die gegen ihre Eltern rebellierten. Ich bin schon antiautoritär erzogen worden, obwohl es das damals noch gar nicht gab. Heute bin ich geplättet von diesen Kindern von „Friday for future“ und wie sie in den Talkshows mit den Politikern reden. Da bleibt den Politikern oft der Mund offenstehen, weil die sich so fabelhaft ausdrücken können. Die haben Argumente, bei denen ich sage: Einfach toll! Ich war in dem Alter viel kindlicher und auch viel länger kindlich. Eine Kämpferin bin ich erst heute – für die alten Menschen.

Wie lässt es sich bei dieser Produktion mit den jungen Kollegen arbeiten?
Ich bin besonders gerne mit den Jungen zusammen und ziehe mit ihnen auch um die Häuser. Zu meinem 70. Geburtstag schrieben sie mir: „Bleib so eine coole Sau, wie du bist!“ Das empfand ich als Ritterschlag.

Betrifft das auch die Auffassungen zum Schauspielerberuf?
Die jungen Kollegen sind sehr präzise. Meine Generation hat oft in der Gasse gestanden um abzuschauen, wie die Alten das machen. Ich habe oft Susanne von Almassy, die Boulevard vom Feinsten gemacht hat, zugesehen, um herauszufinden, wie sie die Pointen setzt. Das gibt es heute kaum noch. Ratschläge haben sie eher weniger gerne.

Haben Sie WG-Erfahrung?
Ich habe nie in einer WG gelebt. Nur bei meinem ersten Engagement im Hamburger Thalia-Theater wohnte ich zuerst in einer Wohnung, in der viele Menschen lebten, die sich femd waren. Das war nicht schön. Eine Freundin hat mich da herausgeholt, und bei ihr wohnte ich dann. Aber so richtiges WG-Leben hatte ich nie, obwohl ich gerne mit vielen Menschen zusammen bin. Aber die beiden anderen, Joachim Luger und Lutz Reichel, waren 1968 voll dabei und wohnten auch in WGs.

Wäre eine Senioren-WG für Sie eine Option?
Keine „Senioren-WG“, sondern eine WG, in der ältere und jüngere Menschen zusammen leben. Wenn Alte unter sich sind, reden sie nur über Krankheiten, über die Rente oder von früher. Aber ich finde es wichtig, dass man sich, wenn man älter wird, auch an dem orientiert, was heute stattfindet. Also: WG ja, aber nicht nur mit Leuten meiner Generation, sondern gemischt. Aber ich fühle mich im Moment viel zu jung, um mir darüber Gedanken zu machen.    

Komödie im Bayerischen Hof, bis 8. September, 19.30 Uhr, So und feiertags 18 Uhr,  Tel.  29161633

 

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