Komödie im Bayerischen Hof „Schwiegermutter und andere Bosheiten“ mit Simone Rethel und Michael von Au

Michael von Au und Susu Padotzke in der Komödie im Bayerischen Hof. Foto: Alvise Predieri

Die Boulevardkomödie „Schwiegermutter und andere Bosheiten“ in der Komödie im Bayerischen Hof

 

Natürlich ist es nicht das Gleiche, wenn der Saal bis unters Dach dicht besetzt ist oder gerade ein knappes Viertel Publikum da ist. Aber zur Premiere, mit der die Komödie im Bayerischen Hof seine viermonatige Zwangstheaterferien beendete, hat sich niemand etwas anmerken lassen - die Zuschauer nicht, die glücklich waren, endlich wieder live bespaßt zu werden, und die drei Schauspielerinnen sowie zwei Schauspieler sowieso nicht, die endlich wieder ihrem Beruf nachgehen dürfen.

„Schwiegermutter und andere Bosheiten“ stammt aus der Feder von Alexander Ollig, der, wenn er nicht gerade Boulevardkomödien schreibt, für das ZDF Serien wie „Die Rosenheim-Cops“ produziert. Lästerliches über Schwiegermütter hat etwas vom Humor aus der Zeit des Wirtschaftswunders und den darauffolgenden zwei Jahrzehnten. Aber Ollig gelang es, aus dem gut abgehangenen Sujet eine überraschend frische, zuweilen beinahe freche Posse über zwischenmenschliche Beziehungen zu gewinnen.

Mit Reisegepäck

Am Beginn geht es auf der von Komödien-Chef Thomas Pekny mit hellem Holz und orangefarbenem Plastik gestalteten Bühne zu wie bei der Gepäckaufnahme am Flughafen. Bernhard soll seine Frau Henrike verlassen und hat schon gepackt. Dann kommt Henrikes Freundin Claudine übers Wochenende vorbei und bringt ihren aktuellen Lover Uwe mit. Schließlich stellt die überraschend hereinbrechende Schwiegermutter Bernhards ihr reichhaltiges Reisegepäck für unbestimmte Zeit daneben.

Gerda, die Schwiegermutter, hat den Plan, die brüchig gewordene Beziehung ihrer Tochter und ihres Schwiegersohns zu kitten. Das fällt zunächst nicht auf, da sie ein großes Talent hat, sich Feinde zu machen. Da gibt es keinen Unterschied, ob es in der Familie kracht, beim Shoppen im Kaufhaus oder mit dem Sachbearbeiter bei der Bank.

Sympathischer Schwiegerdrachen

Simone Rethel macht das sehr lustvoll und mit viel Witz, wenngleich sie für einen boshaften Schwiegerdrachen fast zu sympathisch erscheint. Fein gesponnene Komödiantik zeigt Michael von Au als der eigentlich aus der Wohnung geschmissene Hausherr, der leicht pedantisch wirkt, aber auch über viel Leidensfähigkeit verfügt. Die Zumutungen der Situation kontert er mit extratrockenen Sprüchen wie die Antwort auf den Vorschlag der Gattin, nun gute Freunde zu bleiben: Das sei wie „unser Hund ist tot, aber du kannst ihn behalten“.

Susu Padotzke als Henrike und Anna Lena Class als Claudine sind ein erfrischendes Beste-Freundinnen-Duo. Da man sich beim Boulevardtheater gewohnheitsmäßig küsst und schlägt, hat Regisseur Pascal Breuer, der zugleich Uwe als „moralisch flexiblen“ Charmebolzen spielt, einige Fantasie aufbringen müssen, um die Abstandsregeln korrekt einzuhalten. Dennoch gelang ihm ein luftig leichter Sommerspaß für die schweren Zeiten von Corona.  

Komödie im Bayerischen Hof, bis 6. September, 19.30 Uhr, So und Fei 18 Uhr, Telefon 29161633

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