Komödie im Bayerischen Hof Pekny: Womöglich ist es im Herbst vorbei

Simone Rethel und Michael von Au in „Schwiegermütter und andere Bosheiten“. Foto: Alvise Predieri

Thomas Pekny, der Leiter der Komödie im Bayerischen Hof, über den Neuanfang nach der Zwangspause mit "Schwiegermütter und andere Bosheiten".

 

München - Ab heute herrscht auch in der Komödie im Bayerischen Hof wieder Spielbetrieb, wenngleich, wie anderswo auch, unter den stark einschränkenden Hygieneregeln der Corona-Krise. Von den 578 Plätzen dürfen nur 135 besetzt sein, die Vorstellungen dauern 90 Minuten, und die Pause ist gestrichen.

Zur Wiedereröffnung spielen Simone Rethel und Michael von Au in "Schwiegermütter und andere Bosheiten" von Alexander Olig in der Inszenierung von Pascal Breuer, der auch als Schauspieler zu den Publikumslieblingen am Promenadeplatz gehört. Die AZ sprach mit Komödien-Direktor Thomas Pekny über die Lage nach dem Lockdown.

AZ: Herr Pekny, was geschah nach Mitte März, als Sie das Theater schließen mussten?
Thomas Pekny: Wenn früher eine Vorstellung ausfiel, was seltenst der Fall war, war das eine Katastrophe. Inzwischen sind seit dem Lockdown 133 Vorstellungen ausgefallen, die auch nicht kompensiert werden können. Merkwürdigerweise hat sich so etwas wie eine Normalität eingestellt. Wenn das so weiter geht, würde man damit auch zurechtkommen, zumindest bis das Geld endgültig ausgeht. Dann wird das Theater geschlossen.

Das hört sich nicht nach Euphorie an.
Natürlich freue ich mich, wenn die Zuschauer wieder kommen. Aber mit welcher Haltung kommen sie und mit welcher Erwartung? Haben Sie überhaupt Genuss und Freude? Da sind so viele Fragezeichen. Und natürlich werde ich zur Premiere das Publikum begrüßen, aber ich werde nicht sagen können: "Schön, dass sie so zahlreich erschienen sind". Aber wenn das Publikum nach Theater lechzt und es ihm etwas bedeutet, dass wir wieder spielen, dann wird mich das freuen.

Viele Veranstalter wie das Volkstheater spielen im Sommer an der frischen Luft.
Ich würde gerne Freilichttheater anbieten. Die Alte Münze wäre eine Möglichkeit. Aber das in der kurzen Zeit zu installieren ist schwierig und das Wetter ist in diesem Sommer sehr problematisch.

Wie gut passt die neue Produktion in die Zeit der Seuche?
Es ist die letzte Premiere, die an dieser Position geplant war. Ich habe lange überlegt, ob wir nicht ein coronataugliches Stück machen sollen. Wir haben jetzt schon einige Corona-Stücke auf den Tisch bekommen. Darunter waren auch welche, die sehr witzig und intelligent geschrieben sind. Aber ich bin nicht sicher, ob das Publikum eine ironisierte Corona-Situation jetzt gerade schon erleben will. Unser Publikum ist sehr feinfühlig und sagt es sehr deutlich, wenn es etwas nicht angebracht findet. Wir haben viele andere sehr schöne Produktionen und bringen in diesen Tagen den besten Spielplan aller Zeiten heraus.

Das hört sich an wie bei Donald Trump.
Ich muss mich da schon loben. Vor Kurzem saß ich noch mit Uschi Glas und Robert Atzorn zusammen, um über "Love Letters" zu sprechen. Ich bemerke unter den Schauspielern auch eine Hilfsbereitschaft, einem so schönen Mittelpunkts-Boulevardtheater zu helfen. Thekla Carola Wied, die nicht leicht zu bekommen ist, wird an zwei Abenden lesen, Jutta Speidel wird zwei tolle Abende gestalten und Michaela May schenkt uns sogar zwei Vorstellungen.

Schwiegermütter-Witze sind sehr old school. Wie frisch ist "Schwiegermütter und andere Bosheiten"?
Es ist klug und überhaupt nicht trivial geschrieben. Michael von Au würde kein Stück spielen, das nur Klischees bedient. Es ist sogar ein Stück, dass er sich gewünscht hat, und wir mochten es auch. Der Titel klingt natürlich nach der klassischen Schwiegermutter-Schublade, aber es kommen andere Aspekte dazu. Wenn die Schauspieler mit ihrer Kraft so dabei sind, wie ich es bei den Proben gesehen habe, können wir uns wirklich darauf freuen.

Bei unserem Gespräch im Frühjahr rechneten sie vor, dass die Kammerspiele alle elf Tage mit einer Million Euro subventioniert sei und ihnen nur eine einzige dieser Millionen reiche, aus der Virus-Krise heraus zu kommen. Haben Sie inzwischen bei den politisch Verantwortlichen mehr Begeisterung wecken können für das, was im theaterwissenschaftlichen Jargon als "bürgerliches Lachtheater" beschrieben wird?
Zumindest wird es nicht mehr als völlige Utopie betrachtet, dass ein Boulevardtheater eine Wichtigkeit im urbanen Bild einer Stadt hat. Ich versuche, Boulevardtheater so zu gestalten, dass es nicht aussieht wie verstaubtes Sechziger-Jahre-Theater aus der Provinz. Bei Konferenzen im Kultusministerium werden wir wahrgenommen. Bernd Sibler, der Minister für Wissenschaft und Kultur, weiß, dass wir in einer schwierigen Situation sind und es ist ihm nicht gleichgültig. Aber er sagt auch, dass nur gefördert wird, was bisher förderungswürdig war und wir waren nicht förderungswürdig. Also wird man versuchen, dass wir wegen unserer immensen Ausfälle doch noch ein wenig unterstützt werden. Sonst ist es tatsächlich so, dass es mit der Komödie im Bayerischen Hof zur Mitte des Herbsts vorbei ist.

Premiere heute, Vorstellungen bis 6. September, 19.30 Uhr, sonn- und feiertags 18 Uhr, Karten unter Telefon 29161633


 
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