Komödie im Bayerischen Hof Isabell Varell über "Diese Nacht – oder nie“

Heiko Ruprecht und Isabel Varell in „Diese Nacht – oder nie!“ in der Komödie im Bayerischen Hof. Foto: Jürgen Frahm

Isabel Varell über eine Freundschaft, die endlich Liebe werden soll

 

Ist es Liebe oder nur eine ziemlich beste Freundschaft? Als wieder eines der regelmäßigen Treffen mit Valentin ansteht, trifft die Blumenhändlerin Charlotte eine folgenreiche Entscheidung: „Diese Nacht – oder nie!“ Im gleichnamigen Zwei-Personen-Stück erzählt der französische Autor Laurent Ruquier von einer Paarbeziehung ohne Sex und stellt die Frage, wie lange das gut gehen kann.

Den Mann spielt Heiko Ruprecht, der zur Zeit auch der Bruder des ZDF-„Bergdoktors“ ist. Die verliebte Charlotte spielt Isabel Varell, die seit vergangenem Jahr in der Krankenhaus-Serie „In aller Freundschaft“ gleichfalls medizinisch tätig ist. Wenn sie nicht gerade als Schlagersängerin unterwegs ist oder das ARD-Magazin „Live nach neun“ moderiert, spielt sie Theater. Vor der heutigen Premiere in der Komödie im Bayerischen Hof sprach die AZ mit ihr.

AZ: Frau Varell, Sie geben endlich Ihr München-Debüt.
Isabel Varell: Ja, ich spiele hier zum ersten Mal. Es gibt Schlechteres, als den Sommer in München zu verbringen und es ist ein Traum, auf den Brettern der Komödie zu stehen. Das ist ein ganz besonderes Haus für dieses Genre und wenn man sich daran erinnert, wer da in den letzten Jahrzehnten auf der Bühne stand. Es ist toll, dass ich dort jetzt eine große Rolle stemmen darf.

In „Heute abend – oder nie!“ geht es um eine platonische Liebe.
Eher einseitig platonisch. Von seiten der Charlotte geht da gar nichts platonisch, zumindest nicht in ihrer Fantasie.

Können Sie sich das im richtigen Leben vorstellen?
Das ist die Frage: Geht Freundschaft zwischen Frau und Mann als Kumpel, wenn beide heterosexuell sind? Ich bin der lebende Beweis: Ich habe zwei Freunde seit den siebziger Jahren. Bei denen habe ich die Hochzeiten, die Trennungen und die Scheidungen mitbekommen, sie haben Kinder bekommen, und daran sieht man, dass es geht. Aber es ist schon ein bisschen anders. Für uns Frauen ist es etwas ganz Tolles, mit einem schwulen Mann befreundet zu sein. Da könnte man sagen: Das ist ja auch schon wieder diskriminierend. Das ist es aber nicht. Es ist gut, wenn alles geklärt ist und nichts mehr erklärt werden muss. Bei Charlotte und Valentin wiederum ist es so, dass sie sich nicht traut. Aber sie liebt und begehrt ihn. Sie hat immer nur versucht, mit alten Schlagern Signale zu geben und gehofft, dass er versteht, was sie meint, wenn sie singt: „Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden.“

Charlotte singt viel, aber das Stück ist kein Musical.
Es sind immer nur ganz kurze Lieder um die 45 Sekunden. Wer Musical nicht mag, ist bei uns trotzdem gut aufgehoben.

Auch wenn es uncharmant erscheint, Jahreszahlen auszuplaudern – Ihre Karriere in der Welt des deutschen Schlagers begann bereits sehr jung 1981.
Das ist gar nicht uncharmant. Ich bin stolz darauf, so lange durch diesen Beruf gegangen zu sein. Musikalisch habe ich mich, vor allem in den letzten zehn Jahren, sehr verändert. Was ich heute mache, ist kein Schlager. Man ist natürlich immer in einer Schublade. Aber ich habe immer hochwertig produzierte Musik gemacht und keinen Rumtata-Schlager. Inzwischen schreibe ich meine Texte selbst, weil ich nicht mehr zufrieden mit dem war, was für mich geschrieben wurde. Ich habe keine Lust, die gleichen Lieder zu singen wie mit 25. Daraus hat sich ein weiteres Berufsfeld entwickelt, denn ich schreibe auch für andere.

Vor drei Wochen fiel der deutsche Beitrag zum diesjährigen European Song Contest wieder einmal desaströs durch. Können Sie das erklären?
Ich fand das Stück nicht stark genug. Inhaltlich geht es darum, dass Frauen untereinander zickig sein können wie Geschwister – „Sisters“ –, und das ist mir zu flach. Wir sind in einer Zeit, in der die Frauen sich befreien. Mit der Me-Too-Bewegung sind endlich mutige Frauen nach vorne gegangen und haben ausgepackt, dass es unter männlichen Führungspersonen ein Fehlverhalten gibt, das noch vor der Stufe einer sexuellen Belästigung oder einer Vergewaltigung liegt. Dann werden wir vertreten von einem Lied, in dem es um Zickereien unter Frauen geht.

Komödie im Bayerischen Hof, Premiere heute, weitere Vorstellungen bis 28. Juli, 19.30 Uhr, sonntags 18 Uhr, Telefon 29161633

 

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