Komödie im Bayerischen Hof Hans-Jürgen Helsig über "Monsieur Claude und seine Töchter"

Monsieur Claude und seine Frau (Ralf Novak und Mona Perfler) wollen nicht, dass ihre jüngste Tochter (Laura Rauch) Charles Koffi (Hans-Jürgen Helsig) heiratet. Foto: Marina Maisel

Die Komödie im Bayerischen Hof zeigt den Kinoerfolg "Monsieur Claude und seine Töchter"

 

Zwölf Millionen Franzosen sahen den Film und in Deutschland fand er 3,7 Millionen überwiegend hingerissene Kinogänger. Teil 2 ist noch immer in den Kinos und es gibt Meldungen, nach denen der dritte Teil bereits vorbereitet werde. "Monsieur Claude und seine Töchter" spielt übermütig mit dem ganz alltäglichen Rassismus: Claude Verneuil, ein wohlhabender und konservativer Notar in einer Kleinstadt, verheiratet seine drei ersten Töchter nicht ohne wortgewaltigen Widerstand an einen Muslim, einen Juden und einen Chinesen. Die Vierte findet zwar einen Katholiken, aber der kommt aus Afrika. In der Theateradaption, die Stefan Zimmermann schrieb und inszenierte, spielt der 31-jährige Hans-Jürgen Helsig den Bräutigam Charles von der Elfenbeinküste. Heute ist München-Premiere in der Komödie im Bayerischen Hof.

AZ: Herr Helsig, Sie kommen aus Aachen, haben dort den Schauspielberuf erlernt und ihr erstes Engagement führte Sie ans dortige Stadttheater. Wie würden Sie dem verwöhnten Münchner Publikum Aachen als Theaterstandort schmackhaft machen?
Hans-Jürgen Helsig: Gottseidank haben wir in Aachen überhaupt eine Theaterlandschaft. Wir haben das Stadttheater und wir haben das Grenzlandtheater, auf das ich überall in Deutschland angesprochen werde. Es gibt eine Off-Szene mit kleinen Theatern, an denen zum Teil auch Laien spielen und ganz tolle Sachen gemacht werden. Es gibt das Asta-Theater, eine Studentenbühne an der Uni, wo ich sehr Gutes gesehen habe. Aber natürlich ist das kein Vergleich zu München – schon allein wegen der Lage.

Wie kamen Sie zur Schauspielerei?
Ich hatte schon immer eine Affinität dazu. Als mich meine Eltern ins Theater mitnahmen, hat mich das sehr interessiert. Allerdings konnte ich mir nicht vorstellen, selbst auf der Bühne zu stehen. Ich war ein sehr schüchternes Kind und in der Schule nach vorne zu müssen, um einen Vortrag zu halten, war für mich das Schlimmste auf der Welt. Aber wir hatten eine sehr engagierte Musiklehrerin, die immer mal wieder Kindermusicals machte. Ich sprach und sang vor und das war ganz toll. Danach dachte ich mir: Wow! Das war ein wichtiger Entwicklungssprung für einen, der am liebsten überhaupt nicht gesehen wird.

Von Ihrer Erscheinung her dürfte es Ihnen schwerfallen, nicht gesehen zu werden.
Ich bin 1,94 Meter groß und das war mein Problem. Ich bin unübersehbar und wollte mich immer verstecken.

Wie erklären Sie sich den Erfolg des Films "Monsieur Claude und seine Töchter"?
Schon als der Film 2014 herauskam, lag Rassismus in der Luft und Fremdenfeindlichkeit wurde immer offener ausgesprochen. Für das, was viele ansprach, ist "augenzwinkernd" wohl das falsche Wort. Aber es wird nicht der Zeigefinger erhoben und gezeigt, wie schlimm alles ist, sondern es ist sehr witzig gemacht. Ich war damals mit Freunden im Kino und dachte mir, das könnte auch ein tolles Theaterstück sein, obwohl es sehr viele Personen und Schauplätze hat. Jetzt spiele ich mit.

Es gibt eine Szene, die beunruhigend ist: Der Jude, der Muslim und der Chinese haben gerade eine Intrige gegen den Schwarzen ausgeheckt und umarmen sich mit den Worten: "Wir sind doch eigentlich alle Rassisten". Müssen wir akzeptieren, dass Rassismus menschlich ist?
Nicht der Rassismus ist das Menschliche, sondern die Angst ist der menschliche Faktor. Wir alle haben Angst vor dem Fremden. Natürlich ist der Rassismus eine Folge davon. Aber wenn mir jemand sagt, es ist eben so und akzeptiere das einfach, sage ich: Nein, ich akzeptiere das nicht. Wie kann ich meine Angst überwinden? Ich könnte zu ihm hingegen und mit ihm reden. Dann passiert es, dass man jemanden kennenlernt, den man nicht mochte, und sagen muss: Du bist ja gar kein Arschloch! Natürlich hat auch jede Kultur ihre schwarzen Schafe. Davon sollten wir uns aber nicht entmutigen lassen.

Sie haben mit der Figur, die Sie spielen, eine Gemeinsamkeit: Beide sind farbige Schauspieler in Europa. Kennen Sie die Probleme, die Charles in dieser Geschichte hat, persönlich?
Ich kenne seine Situation in diesem Sinne, dass ich von Kindheit an daran gewöhnt bin, von Leuten wegen der Hautfarbe in eine Schublade gesteckt zu werden. Witzigerweise komme ich aus einem Haushalt, in dem es verschiedene Farben gibt. Da spielte es für mich keine Rolle. Es war ganz einfach die Familie. Erst später und von außen hörte ich: Da stimmt aber etwas nicht. Wenn wir uns in der Schauspielerwelt umschauen, kamen in den letzten Jahren immer mehr gute Rollen und auch tolle Stück für Farbige. Früher gab es nur den Othello, und der wurde meistens von einem Weißen gespielt. 

Premiere heute, Vorstellungen bis 3. November, 19.30 Uhr, So. und Fei. 18 Uhr, Telefon 29161633

 

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