Komödie im Bayerischen Hof „Diese Nacht - oder nie!“ mit Isabella Varell

Isabel Varell und Heiko Ruprecht in "Diese Nacht - oder nie!". Foto: Jürgen Frahm

Freches Vergnügen: „Diese Nacht - oder nie!“ in der Komödie im Bayerischen Hof

 

Komplimente sind nicht immer angemessen. Zum Beispiel, wenn der Mann einer Frau sagt, dass sie sein bester Kumpel sei und über Jahre hinweg nicht bemerkt hat, wie sehr sie sich nach ihm verzehrt. Das könnte Stoff für ein psychologisch tief gründelndes Liebesdrama sein, aber Laurent Ruquier ist nicht nur Dramatiker, sondern vor allem Moderator im französischen Fernsehen und dort eine Fachkraft für das Komische. In „Diese Nacht - oder nie!“ geht es in einem Blumenladen recht unverblümt um zwei, die gemeinsam unter einer Decke stecken und trotzdem nicht zusammen unter die Decke kommen.

Seit fünf Jahren kennen sich die Floristin Charlotte und der – mutmaßliche – „Werbefuzzi“ Valentin. Sie treffen sich regelmäßig zu Abenden, bei denen gut gegessen oder im Fernsehen Fußball geguckt und vor allem viel gelacht wird.
Dann kommt diese Nacht, in der Charlotte ihren ganzen Mut zusammenrafft und Valentin ihre Gefühle für ihn offenbart. Valentin lüftet nun seinerseits sein großes Geheimnis: Er arbeitet als Callboy, trifft sich aus beruflichen Gründen und gegen Stundensatz mit Damen und manchmal auch mit Herren intim. Feierabend bedeutet für ihn, an An Sex nicht einmal zu denken.

Wirklich klamottig wird es nie

Wie Isabel Varell das nackte Entsetzen über diese unerwartete Enthüllung spielt, wie sie die Silben des Worts „Gigolo“ jongliert, gehört zu den ganz besonders witzigen Momenten der mit hohem Tempo und frecher Nonchalance kurzweilenden Inszenierung von Ulf Dietrich.

Manchmal trägt Varell allzu dick auf, aber wirklich klamottig wird es nie. Mit ungeheurem Körpereinsatz fegt sie durch Charlottes Blumenladen, der den seltsamen Namen „Sträuße mit Biss“ trägt.

Schnell macht sie mit einem energiereichen Mix aus burschikoser Schlagfertigkeit und mädchenhaftem Draufgängertum glaubhaft, warum Valentin sie zum besten Freund erkoren hat. Den Mann für gewisse Stunden spielt Heiko Ruprecht als charmanten Kerl, der vielleicht nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, aber eine treue Seele und zudem ein Frauenschwarm ist. Beim Satz „Es ist nicht immer leicht, gut auszusehen“ erntete er bei der Premiere in der Komödie im Bayerischen Hof hämisches Gelächter vor allem vom männlichen Teil des Publikums.

Eine von Charlottes Marotten ist das Singen, womit die Rolle einem Entertainment-Multitalent mit einschlägiger Schlagervergangenheit wie Isabel Varell auf den Leib geschneidert scheint. Das Repertoire, mit dem sie den begriffstutzigen Valentin eindeutige Signale zu setzen versucht, reicht von Otto Reutter bis zu den Toten Hosen, und bei den Zugaben gibt es sogar im Duett noch Frank Sinatra („Somethin‘ Stupid“) und Nena („Irgendwo, irgendwie, irgendwann“)“ live auf die Ohren.

Komödie im Bayerischen Hof, bis 28. Juli, 19.30 Uhr, sonntags 18 Uhr, Telefon 29161633

 

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