Komödie im Bayerischen Hof Bayerischer Migrant mit Grant

Die norddeutschen Jungbauern (Oliver Geilhart, Manuel Ettelt, Florian Kiml) suchen via Internet nach Liebe. Dabei helfen ihnen die junge Lavina (Mia Geese), der bayerische Gastwirt Heinz (Bernd Helfrich) und die ebenfalls aus dem Süden zugezogene Postbotin (Gertrud Freiberg). Foto: A. Predieri

Komödie im Bayerischen Hof: "Landeier – Bauern suchen Frauen" ist ein derbes, rustikales Stück in erstaunlich sensibler Inszenierung.

 

München - Verglichen mit dem vorherrschenden Stil des Hauses ist die Dekoration der aktuellen Produktion leicht gewöhnungsbedürftig.

Hausherr Thomas Pekny bevorzugt in seiner Eigenschaft als Bühnenbildner kühle Zweckmäßigkeit, auch gern bis in die Abstraktion. Für "Landeier – Bauern suchen Frauen" hingegen tobte sich Gastausstatter Bodo Wallerath auf der Bühne der Komödie im Bayerischen Hof hypernaturalistisch aus. Der Schauplatz ist eine Dorfkneipe, deren beste Zeit erkennbar lange vor der jüngsten Jahrtausendwende gelegen haben muss.

So viel detailreiche Authentizität prägt üblicherweise das Bauerntheater, zu dessen prominentesten Vertretern auf der Bühne wie im Fernsehen Bernd Helfrich gehört. Vor einem runden Vierteljahrhundert spielte er zuletzt in München – damals in der Kleinen Komödie am Max II, dem heutigen GOP-Varietétheater.

Bernd Helfrich auf den Leib geschneidert

Bei seinem Debüt im Bayerischen Hof fühlte er sich offensichtlich wohl, auch, wenn der Stoff nicht nahe des Chiemsees, sondern unweit des Nordseestrands angesiedelt ist. Regisseur Florian Battermann hat die folkloristsche Klamotte von Frederik Holtkamp seinem Volkstheaterstar auf den Leib geschneidert.

Helfrich ist der Bayer, der eines Tages im hohen Norden hängengeblieben ist und in seinem Gasthaus seine letzten drei Gäste bewirtet: Die Jungbauern Jan (Manuel Ettelt), Jens (Oliver Geilhardt) und Richard (Florian Kiml). Zwischen Schafschur, Schweinezucht und Biogemüse beklagen sie das Fehlen einer liebenden Gattin.

Erst zwei zufällig ins Lokal gewehte Frauen ändern alles. Die Postbotin Gertrud (Mona Freiberg, im richtigen Leben Helfrichs Ehefrau) hat wie der Wirt einen oberbayerischen Migrationshintergrund und die ebenso junge wie hübsche Radtouristin Lavinia (Mia Geese) lässt in den einsamen Landwirten das Testosteron schäumen.

Höhepunkt ist der Männerstrip 

Bald kümmern sich die Damen wirkungsvoll um das Marketing der drei Jungs. Für das Internet inszenieren sie einen Mix mit Hitgarantie: Kochen und Sex. Natürlich sind diese „Landeier“ nichts für Weicheier, die sich fürchten, unter ihrem Niveau lachen zu müssen. Die Dialoge sind deftig bis derb und lassen kaum etwas aus, was das rustikale Ambiente hergibt. A

ber Battermanns Inszenierung erweist sich als erstaunlich sensibel. Liebevoll werden der helle Singsang des Norddeutschen und der polternde Grant des bayrischen Dialekts gegeneinander ausgespielt und fast graziös sind Ettelt und Geilhardt, wenn sie beim schwerfälligen Denken zusehen lassen.

Höhepunkt ist naturgemäß der Männerstrip, der an gleicher Stelle vor einigen Jahren in "Ladies Night" eleganter war. Aber die Choreografie von Kerstin Bruhn ist wirklich komisch – nie war Pfannkuchen so sexy.

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Komödie im Bayerischen Hof, bis 28. Oktober, 19.30 Uhr, sonn- und feiertags, 18 Uhr, Karten gibt es unter 089-29161633

 

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