Kommunikation verändert 20 Jahre SMS: Die Welt in 160 Zeichen

Die Kanzlerin beim Tippen: Mit SMS werden weltpolitische Belange mitgeteilt - aber auch WG-Putzpläne. Foto: dpa

Am Montag feiert die SMS 20. Geburtstag. Seitdem wird jedes Jahr mehr gesimst – doch die Kurznachricht kämpft mit neuer Konkurrenz

 

MÜNCHEN Sie tun’s mit einem Daumen oder auch mal mit zwei, mit den Zeigefingern oder per Spracheingabe. Nur mit der Gedankenübertragung will’s noch nicht so recht klappen: Zig Millionen Deutsche kommunizieren via SMS, sei es die Kanzlerin oder der Student. Bis vor zwei Jahrzehnten noch unvorstellbar, hat die Kurznachricht das Mit(- und Ohne)einander revolutioniert – ob’s um weltpolitische Entscheidungen oder die Frage nach dem WG-Putzplan geht.

Die allererste SMS versendete heute vor 20 Jahren der Software-Entwickler Neil Papworth. „Merry Christmas” hieß es darin. Die verfrühten Weihnachtsgrüße schickte er von einem Computer auf das Handy eines Kollegen.

Heute gehen SMS meistens von Handy zu Handy. Und das in riesigen Mengen: In diesem Jahr werden die Deutschen, so ist sich der Branchenverband Bitkom sicher, rund 58 Milliarden SMS versenden. Das bedeutet einen Rekord: Im Durchschnitt versendet jeder Deutsche inzwischen rund zwei SMS am Tag und etwa 700 im Jahr. Zum Vergleich: 1999 waren es gerade mal 44 SMS pro Jahr und Bürger.

Und noch etwas hat sich seit Beginn der SMS-Ära verändert: Mit zwei Wörtern kommen heute, so darf man wohl einfach mal annehmen, die wenigsten SMS aus. Sogar die berühmte Schlussmach-Nachricht braucht im Deutschen mindestens drei Wörter: „Es ist aus.” In jedem Fall aber ist der Kampf mit der Anzahl der Buchstaben und den 160 Zeichen pro Nachricht so alt wie die SMS.
Eine Lösung sind die vielen Abkürzungen, die einige Wissenschaftler als Fortschritt der „Sprachökonomie” werten. Gut, wenn man die berühmten Formeln kennt, wie zum Beispiel „lg”. Das heißt „Liebe Grüße”. Noch besser aber, wenn man auch die komplizierteren kennt. Am Schluss versteht man noch was falsch („Dubido” – „Du bist doof”) oder man muss der verpassten Chance hinterhertrauern („zumiozudi?” – Zu mir oder zu dir?”).

So sehr die SMS das Leben von vielen heute prägt, eines ist zum 20. Geburtstag nicht zu leugnen: Mit dem Vormarsch der Smartphones, mobiler Mails und immer neuen Alternativen entgleitet der SMS die Hoheit über mobile Textnachrichten. Nur noch selten zahlen Nutzer einen Betrag für den Versand pro SMS. Vor allem der derzeit noch kostenlose Dienst What’sApp ist trotz aller Negativberichte für viele längst zum SMS-Ersatz geworden. Aber auch Facebook bietet seinen mehr als einer Milliarde Mitgliedern einen kostenlosen Messenger.

Diese Entwicklung, so Marktforscher, haben die weltweite Mobilfunkbranche 14 Milliarden Dollar gekostet. In Deutschland ist der Markt laut Bitkom aber noch stabil: Der Umsatz mit SMS – und MMS – wird heuer 3,1 Milliarden Euro betragen. 

 

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