Kommentar Israels Recht auf Selbstverteidigung

, aktualisiert am 14.06.2016 - 20:37 Uhr
Bilder, die selten gezeigt werden: Israelis in einer Luftschutzanlage während des Raketenbeschusses durch radikale Palästinenser. Foto: dpa

Wie würde Deutschland in einer vergleichbaren Situation reagieren? Timo Lokoschat, stellvertretender AZ-Chefredakteur, über den Nahostkonflikt. 

 

Kinder, die vor den Trümmern ihres Elternhauses stehen. Frauen, die um ihre Männer weinen. Man müsste einen Eisblock statt eines Herzens im Brustkorb tragen, um von den Bildern aus Gaza nicht angerührt zu sein.

Auf israelischer Seite gibt es solche Aufnahmen nicht. Kann es auch nicht geben, weil die Zahl der Opfer, das Ausmaß der Zerstörung weit geringer ist.

Experten sprechen von der „Asymmetrie“ des Konflikts, und dieses Ungleichgewicht spiegelt sich hierzulande auch oft in den Sympathien wider – abzulesen etwa an den unzähligen Facebook-Kommentaren und Twitter-Posts zum Thema Nahost. Wer derzeit das Wort „Juden“ in den Suchfunktionen der Sozialen Netzwerke eingibt, erlebt nicht selten sein braunes Wunder.

Für die Hamas könnte es nicht besser laufen. Kein Wunder, dass die regierende Terrororganisation einen Waffenstillstand ablehnt. Jeder Raketenangriff der Israelis liefert ihnen neues Propagandamaterial für den Krieg der Bilder.

Der perfide Plan der Hamas

Bewusst verschanzen sich die Milizen in Wohnblocks, feuern von dort aus auf Einkaufszentren, Häuser und Marktplätze. Dass es auf israelischer Seite nicht bereits zehntausende Tote gibt, hat allein mit den hochentwickelten Abwehrsystemen zu tun. Ohne sie würde der einzige demokratische Staat der Region längst in Schutt und Asche liegen.

Dass die Hamas mit ihrer Taktik die eigenen Leute gefährdet, ist ihnen nicht nur egal, sondern sogar willkommen, ein Teil des perfiden Plans, einer Rechnung, die lautet: Je mehr tote Zivilisten es gibt, desto besser für die Hamas und Israelfeinde weltweit.

Umzingelt von reaktionären Regimen

Natürlich darf man Israel kritisieren – gerade unter Freunden muss das erlaubt sein – zum Beispiel für seine manchmal problematische Siedlungspolitik. Kritik sollte hier jedoch nicht Äquidistanz bedeuten, also eine Position in der Mitte, mit jeweils gleichem Abstand zu den Konfliktparteien.

Floskeln, dass beide Seiten gleich schuld seien, verwischen die Tatsache, dass hier Rechtsstaat gegen Unrechtsstaat steht. Dass das liberale Israel umzingelt ist von reaktionären Regimen, die es am liebsten von der Landkarte radieren würden. Von Systemen, in denen Andersgläubige, Andersliebende und Andersdenkende keinen Platz haben, in denen Christen zu Geisteskranken erklärt, Homosexuelle erhängt und vergewaltigte Frauen verurteilt werden.

Drohungen, Entführungen, Selbstmordanschläge

Man stelle sich nur einmal vor, was hierzulande los wäre, wenn in den vergangenen acht Tagen über 1200 Raketen auf deutsches Territorium abgefeuert worden wären. Man stelle sich einen 66-jährigen Krieg gegen Deutschland vor, die Bestreitung unseres Existenzrechts, Drohungen mit Atomwaffen, Entführungen und Selbstmordanschläge auf Wochenmärkten.

Würden wir so vergleichsweise besonnen bleiben? Israel verteidigt sich. Das würde Deutschland ebenfalls tun. Hoffentlich.

 

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