Luxuswohnungen auf Gewerbehof? Werkstätten an der Plinganserstraße: Abriss ohne Plan für danach

Es ist die dritte Autowerkwerkstatt, die Ahmet Arslan in München wegen eines Abrisses gekündigt wird. Jedes Mal folgten teure Immobilien als Neubauten. Foto: Daniel von Loeper

Die Werkstätten an der Plinganserstraße müssen ausziehen - Ersatz zu finden ist für die Mechaniker nahezu unmöglich.

München - Ahmet Arslan ist verzweifelt: Schon wieder muss seine Existenzgrundlage den Baggern weichen, schon wieder weiß er nicht, wie es weitergeht - und ob überhaupt. "Im Moment weiß ich nicht, wohin", sagt er.

Alles beginnt kurz vor Weihnachten, da bekommt Arslan einen Brief. "Kündigung Halle Nr. 1 im Gebäude 09 des Anwesens Plinganserstraße 150" steht im Betreff.

"Privater Investor" und"baulich entwickeln"- alarmierend für viele

Die Halle Nr. 1 ist Arslans Autowerkstatt, die er seit mehr als zehn Jahren auf dem Gewerbehof in Sendling gemietet hat. Zehn Jahre, in denen er sich einen Kundenstamm aufgebaut und viel Geld investiert hat. Doch nun soll er raus - und zwar schon zum 30. Juni.Denn auf dem sogenannten ehemaligen "Deckel-Gelände", benannt nach der hier einst ansässigen Firma, soll neu gebaut werden.

Was genau, das steht noch nicht fest, von einer Mischbebauung mit Wohnungen ist die Rede. Ein Antrag liegt der zuständigen Lokalbaukommission (LBK) noch nicht vor.

Das Planungsreferat, dem die LBK untersteht, teilt aber mit, es bestünden Überlegungen "seitens eines privaten Investors, das Deckel-Gelände unter Erhalt der denkmalgeschützten Halle baulich zu entwickeln". "Privater Investor" und "baulich entwickeln" sind Worte, die bei vielen im Viertel die Alarmglocken schrillen lassen. Stehen auf dem Gewerbehof bald Luxuswohnungen?

Seit der Kündigung schläft er schlecht

Für Arslan wäre es nicht das erste Mal: Die Werkstatt an der Plinganserstraße ist nun schon die dritte, die ihm in München wegen Abriss gekündigt wird. Jedes Mal folgten teure Immobilien und jedes Mal wurde es für den 46-jährigen schwieriger, etwas Neues zu finden. "Ich musste mich immer wieder hochkämpfen - wie ein Boxer", sagt Arslan und lächelt müde. Seit der Kündigung schläft er schlecht, knirscht nachts so stark mit den Zähnen, dass sein Kiefer den ganzen nächsten Tag schmerzt. Denn ob es ihm auch dieses Mal gelingt, wieder aufzustehen, weiß er nicht.

Gewerbeflächen sind in der Stadt ein knappes Gut. Eine Auslastungsquote von bis zu 97 Prozent verzeichnen allein die städtischen Gewerbehöfe. Auch deshalb beschloss der Stadtrat im vergangenen Jahr, bis 2030 insgesamt 35 Hektar Fläche für insbesondere klassisches Gewerbe zu schaffen.

Auch das Deckel-Gelände taucht in diesem Beschluss auf, doch schon damals stellte die Stadt fest, dass ihr das Gelände nicht gehört, ihr Einfluss also gering sein dürfte.

Für Arslan kommen solche Bemühungen in jedem Fall zu spät . Auf seinem Tisch im hinteren Teil der Werkstatt liegt eine Liste mit Gewerbehöfen. In den vergangenen Monaten hat er sie alle durchtelefoniert. Platz war nirgends. Den anderen Werkstätten auf dem Gelände geht es nicht anders. Ist Arslan erstmal weg, wird es auch für die Stammkunden der Werkstatt, in der laut ihrem Besitzer alles repariert werden kann "außer Flugzeuge und Schiffe", erstmal schwierig.

Eine von ihnen ist Jeanette Mühlmann: "Ich bin aus allen Wolken gefallen , als ich von der Kündigung erfahren habe", erzählt sie. Besonders ärgert sie, dass der Investor den Mietern kündigt, bevor es überhaupt Neubaupläne für das Gelände gibt: "Das hier wird auf jeden Fall leerstehen", ist sie sicher.

Für Mühlmann steht der Gewerbehof auch für ein größeres Problem der Stadt: "Investoren wird zuviel Macht gegeben. Hier machen einige wenige Geschäfte auf Kosten der Mehrheit."

"Warum werden Handwerker nicht besser berücksichtigt?"

Auch Mechaniker Arslan fühlt sich von der Stadt alleingelassen: "Warum werden Handwerker bei der Stadtplanung nicht besser berücksichtig?", fragt er. "Die Münchner brauchen doch Dienstleistungen wie meine in der Nähe."

Aufgeben will der gebürtige Türke trotzdem nicht. Bis zum letzten Tag will er neue Räume für seine Autowerkstatt suchen und - sollte das nicht funktionieren - sich nach einer Anstellung umschauen. "Ich bin seit 29 Jahren in Deutschland", sagt er, "davon war ich keinen Tag arbeitslos und habe das auch nicht vor." Er lächelt wieder müde.

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