Komiker im Interview Thomas Hermanns will "Putin stoppen und Zumba tanzen"

Thomas Hermanns auf der Bühne des Quatsch Comedy Clubs Foto: ProSieben

Der Moderator und Komiker Thomas Hermanns spricht im Interview über Quotendruck und klagefreudige Promis, die sein Handwerk bedrohen.

 

Berlin - Thomas Hermanns (50) ist seit über 20 Jahren mit seinem Quatsch Comedy Club erfolgreich. Am 11. Januar (20:15 Uhr, ProSieben) lädt der Comedian zu einer neuen Runde Quatsch ein, mit dabei sind Scooter, Barbara Schöneberger und der US-Komiker Will Ferrell. Mit wem es sich Hermanns in seiner Karriere schon verscherzt hat und welche Pläne er 2014 verwirklichen will, verrät er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Welchen Gag haben Sie schon einmal bitter bereut?

Thomas Hermanns: Ich war eigentlich immer ganz lieb. Ich bereue nichts. Man kann auch respektvoll Comedy machen. Mein Ansatz ist immer, dass ich nie etwas auf der Bühne sagen würde, was ich der Person nicht auch ins Gesicht sagen würde. Ich habe keinen zynischen oder beleidigenden Ansatz.

Gibt es jemanden, der nicht mehr mit Ihnen redet, seit Sie einen Scherz über ihn gemacht haben?

Hermanns: Ich bin noch nicht verklagt worden. Ich habe allerdings vor 15 Jahren im Fernsehen einen Scherz über eine Telekom-Mitarbeiterin gemacht, die mich genervt hat. Ich habe sie zwar mit falschem Namen genannt, aber sie hat sich selbst in der Nummer erkannt. Sie würde auf der Straße sicher nicht mehr mit mir sprechen. Ich mache aber kaum böse Promi-Gags. Atze Schröder wurde ja gerade von Fritz Wepper verklagt. Wenn das jetzt Schule macht, dann können wir unseren Job an den Nagel hängen.

Wo liegt Ihrer Meinung nach die Grenze des guten Geschmacks bei Witzen?

Hermanns: Das ist schwer zu sagen. Es gibt ja auch kein Humor-Komitee wie im Iran, das festlegt, wo der Spaß aufhört. Als Person des öffentlichen Lebens darf man Gags über sich nicht so ernst nehmen. Wenn Prominente solche Späße vor Gericht zerren, sind diese Formulierungen ja nur noch länger präsent.

Was sind Ihre Tabu-Themen?

Hermanns: Man kann mit Stand-up-Comedy alles bearbeiten. Es gibt nur folgendes Gesetz: Je größer das Tabu, umso besser muss der Gag sein. Ich kann auch gute Gags über Krankheit und Tod machen. Wenn man bei Monty Python alle Witze über Tod und Krankheit weglassen würde, wäre nichts mehr übrig.

Sie treffen im Quatsch Comedy Club Stars wie Will Ferrell, der auch bei der Sendung im Januar dabei sein wird. Wer ist Ihr komödiantisches Vorbild?

Hermanns: Im Bereich Stand-up-Comedy ist das Edward "Eddie" Izzard. Er ist der beste Mann der Welt. Er macht die verrücktesten Sachen, er spielt seine Sachen jetzt auch auf Deutsch. Will Ferrell ist aber auch ein super Typ, wir musizieren in der Show auch zusammen.

Was können deutsche Comedians von ihren amerikanischen Kollegen lernen?

Hermanns: Wir können Gelassenheit von ihnen lernen. In Deutschland ist Comedy von Verkaufszahlen getrieben. Die Amerikaner konzentrieren sich mehr auf den Inhalt.

Scooter tritt auch im nächsten Quatsch Comedy Club auf. Die Band ist für viele Zuschauer ja auch irgendwie Comedy.

Hermanns: Ja, Scooter haben den eingebauten Lustigkeitsfaktor. Sie nehmen sich auch selbst nicht zu ernst. Aber klar ist: Sie sind Popstars und wir sind Comedians.

Sie haben in den vergangenen vier Jahren Bücher, unter anderem einen Krimi, auf den Markt gebracht. Wann dürfen wir mit dem nächsten rechnen?

Hermanns: Ich sitze gerade an einem Theaterstück, einer Komödie. Erst danach widme ich mich dem nächsten Roman.

Über welchen deutschen Comedian können Sie am meisten lachen?

Hermanns: Ich mag die Surrealisten sehr gerne. Ich gehöre der Olaf-Schubert-Fraktion, der Rainald-Grebe-Fraktion und der Johann-König-Fraktion an. Die sind mir fremd, weil ich gerne Gags über die Medien und den Alltag mache und sie über das All und Planeten. Ich bewundere, wo sie ihre Gags herbekommen. Die denken ganz anders. Ich mag die Comedians, bei denen man das Gefühl hat, die leben in ihrer eigenen Welt und wir sind nur zu Besuch da.

Welche Kritik an Ihrer Arbeit hat Sie schon einmal wirklich getroffen?

Hermanns: Das deutsche Feuilleton ist sowieso nicht auf unserer Seite. Da können wir nicht auf Lorbeeren hoffen. Es wird immer zwischen Comedy und Kabarett unterschieden. Oft kennen sich die Kritiker in dem Genre gar nicht aus und daher lasse ich Kritik gar nicht an mich ran.

Sie sind großer Musical-Fan. In welchem Stück hätten Sie gerne eine Rolle?

Hermanns: Ich habe mal sechs Wochen im Musical "Kein Pardon" gespielt und habe dann beschlossen, dass ich das nicht noch einmal mache. Der Beruf des Musical-Darstellers erfordert viel Erfahrung, da lasse ich lieber die Finger davon. Was ich mir am ehesten vorstellen könnte, wäre der Conférencier in "Cabaret".

Womit bringen Sie Ihr Umfeld privat zum Lachen?

Hermanns: Ich sehe mich ja als Moderator mit Pointen. Privat habe ich daher die Tendenz, Abende zu moderieren. Wenn ich eine langweilige Gesellschaft am Tisch sitzen habe, fange ich an, sie zu gestalten. Das habe ich aber inzwischen schon einigermaßen im Griff. Denn privat werde ich nicht dafür bezahlt, um aus den Leuten Anekdoten heraus zu kitzeln.

Sie sprechen häufig vom Quotendruck. Wie oft haben Sie ihn schon zu spüren bekommen?

Hermanns: Den spüre ich immer am Tag danach. Wenn ich eine Sendung gemacht habe, schaue ich am Morgen gleich die Quoten an, als quasi offizielles Urteil. Das ist schon schrecklich, wenn ich die Show selbst gut fand und dann guckt mich eine schnöde Zahl an. Das ist hässlich. Viele Menschen setzen Quote und Qualität gleich, aber man muss es trennen.

Sie sagten über Dieter Hildebrandt, er sei immer so charmant gewesen, dass man seine intellektuelle Überlegenheit nie gemerkt habe. Was soll einmal über Sie gesagt werden?

Hermanns: Ich hätte gerne, dass die Leute kapieren, dass ich, obwohl ich viel Verschiedenes mache, im Grunde immer dasselbe mache: mit Humor unterhalten. Humor mit Charme und Optimismus, das ist mein Prinzip. Es wäre schön, wenn man in meinem Gesamtwerk einmal diese Linie sehen würde.

Was sind Ihre Vorsätze fürs neue Jahr?

Hermanns: Kurz gesagt: Putin stoppen und Zumba tanzen. Ich möchte mich politisch noch stärker engagieren, damit in Russland dieses grauenvolle Gesetz wieder verschwindet. Man kann russische Schwule und Lesben nicht in der Gefahr lassen, dass sie von der Straße weg verhaftet werden, und das sollten gerade wir als Deutsche wissen. Auch die Olympiade will ich noch stärker nutzen, um mich einzusetzen. Es ist gut, dass einige Politiker nicht hinfahren. Ich fand auch die Küss-Kampagne von "GQ" super. Privat ist mein Vorsatz, mehr Pausen und einen Zumba-Kurs machen.

 

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