Kolbergerstraße "München verkommt durch gesichtslose Architektur"

Die Abrissbirne stand schon bereit: Das Haus in der Kolbergerstraße 5. Foto: ho

Nächste Runde im Streit um die Villa in der Kolbergerstraße: Fiona Mallin von der Bürgerinitiative "Kulturgut Herzogpark" fürchtet um die Schönheit Bogenhausens und ganz Münchens - durch Investoren.

Bogenhausen -
Der Streit um die Herzogpark-Villa in der Kolbergerstraße 5 geht in die nächste Runde: Einen Tag, nachdem Stefan Höglmaier, Geschäftsführer des Immobilienentwicklers „Euroboden“, erneut angedroht hatte, die Stadt wegen der Verzögerungen auf Schadenersatz zu verklagen, lud Robert Brannekämper am Freitag zu einer Pressekonferenz in den Landtag ein. Der CSU-Mann kämpft mit der Bürgerinitiative „Kulturgut Herzogpark“ für den Erhalt der – jetzt wieder – denkmalgeschützten Villa.

Fiona Mallin von der Bürgerinitiative unterstellte dem Investor am Freitag einen irreführenden „Werbegag“. Denn er wirbt damit, anstelle der Villa ein Haus mit acht Wohnungen bauen zu wollen, das Star-Architekt David Chipperfield entworfen hat. „Doch der Plan, der vor wenigen Tagen eingereicht wurde, sieht ganz anders aus. Er stellt ein fünfstöckiges Gebäude mit 18 Wohnungen vor“, so die Bogenhauserin.

Auf AZ-Anfrage erwiderte Höglmaier, er habe mehrere Vorbescheide eingereicht. Für Fiona Mallin geht es aber nicht nur um dieses Haus: „Es geht um unser Stadtbild und um die Frage, wie wir künftig mit unseren einzigartigen Denkmälern umgehen. Und es geht um transparente Kriterien für die Denkmalwürdigkeit.“

Wie widersprüchlich sich Denkmalschützer verhalten – manchmal sogar derselbe Entscheider – wird aus Sicht von Rechtsanwalt Benno Ziegler in der Kolbergerstraße 31 deutlich: Euroboden hat auch dieses Haus gekauft, es ist ebenfalls denkmalgeschützt. Ziegler:„Hier wurden dem Investor umfassende bauliche Veränderungen genehmigt. Aber das Haus in der Kolbergerstraße 5 wurde zeitweilig von der Denkmal-Liste gestrichen, weil bauliche Veränderungen vorgenommen worden waren. Da wird mit zweierlei Maß gemessen.“

Auch Landesdenkmalrat Thomas Goppel kann das Hin und Her nicht nachvollziehen. Streitereien um Details findet er unsinnig. „Es sollte um den Gesamteindruck gehen.“ Für den früheren Kunst-Minister ist wichtig, dass ein Stadtviertel in seiner ursprünglichen Konzeption erhalten bleibt. „Sonst verändert es sich so, bis man es nicht mehr erkennt.“

Fiona Mallin geht noch weiter: "Durch den Abriss unserer Denkmäler wird unser München, unsere Heimat, nahtlos und bis zur Unkenntlichkeit zugepflastert. Die Bürgerinitiative „Kulturgut Herzogpark“ wünscht sich: - dass München und auch  Bogenhausen nicht weiter zu einer Ansammlung von gesichtsloser Investorenarchitektur verkommt."

Eigentlich sollte im März vor dem Verwaltungsgericht der Prozess stattfinden, bei dem es um den Abriss-Stopp geht. Doch der Termin wurde verschoben, einen neuen gibt es bislang nicht.

 

3 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading