Kofelgschroa I sog ned a so und a ned a so

Matthias, Michael, Martin und Maximilian (v. l.) – Kofelgschroa zwischen Volksmusik und Pop. Foto: Sonja Herpich

Die Oberammergauer Kofelgschroa haben endlich ihr Debüt veröffentlicht.

Zum vereinbarten Interviewtermin sind sie locker eine Dreiviertelstunde zu früh. Macht nichts, sagen sie am Telefon, sie trinken noch was. Wie man angewetzt kommt, sitzen vier entspannte Oberammergauer Burschen vor der Abendzeitung in der Sonne. Alle trinken Hollersaftschorle. Drehtabak wird geteilt. Kofelgschroa. Kofel, wie der Berg bei Oberammergau, Gschroa wie Geschrei. Wer die Szene die letzten Jahre beobachtet hat, hat diese Gruppe mit ihrem Sound – so ähnlich wie Volksmusik – aufblinken sehen.

Bitte, sagt Tenorhornist Matthias zum Abschied, man solle bloß nicht Volxmusik mit X schreiben. Grässlich. Da hat er recht. Diese Volxmusik mit X will zeigen, dass man cooler ist, als die Volksmusik mit K. Und wenn man sich einer Sache sicher ist, dann der, dass Kofelgschroa und Coolness verschiedene Dinge sind. Das ist ein Lob. Diese Vier stehen auf so sichere Weise außerhalb der Systeme, in denen Musik produziert und wahrgenommen wird, dass man sie wahrscheinlich mit keinem Geld der Welt korrumpieren könnte.

Vor etwa zwei Jahren sah es gar nicht gut aus für Kofelgschroa. Die Band hatte Pause und Texter und Ziehharmonikaspieler Maximilian Paul Pongratz suchte sein Glück in Berlin, bis er merkte, dass ein Oberammergauer in Berlin nicht glücklich wird. Wiedervereint in der Heimat machten die Vier das längst Überfällige: mit dem Münchner Label Trikont Kontakt aufnehmen. Hans Söllner, Attwenger, LaBrassBanda – Kofelgschroa fügen sich dort ein mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum, dass wuchtig elegant der Holzschnitt eines Mammuts ziert.

Wenn Volksmusik im Studio auf Notwist trifft

Den ersten Song „Sog Ned“ kann man sich in einer frühen Version auch mit einem minimal aufwändigen und großartig gelungenen Radfahrervideo im Internet ansehen. Kofelgschroa selber, soviel Pop muss sein, sprechen von „Trance“, wenn sie diesen Sound beschreiben. Immer im Kreis geht das, hüpft die Quetschn, tupft die Helikontuba. Legt sich mit jeder Runde eine neue Schicht über den alten Sound, während der Sänger spricht, warum er so sogt und ned so, ned das irgendjemand sogn kunt er sogt so oder so. „Sog Ned“, „Wann I“, „Wäsche“, „Oberammergau“ – sind Lieder die einen in ihrem hypnotischen Kreisen sich selbst vergessen lassen.

Das Repetetive ist Grundelement. Und in ihm wurzeln Popmelodien, die tief in die bayerische Seele tropfen, wie das Wasser in „Eintagsseminar“. Verrückt sind alle anderen – „Oropax“. Musik ist keine Frage, sondern Bestandteil dieser Leben. Schon der Vater von Michael Christian von Mücke und seinem Bruder Martin stellte Musikgruppen zusammen. Eh klar, dass die Brüder schon als Kinder zusammen spielten – Instrumente natürlich.

Micha Acher von Notwist hat ihr Album aufgenommen. Er habe sie ermuntert, es laufenzulassen. Aufnehmen in dem Sinne sei das nicht gewesen. Sie hätten ja von Aufnehmen so und so gar keine Ahnung. Ach, eigentlich sei Micha Acher allein verantwortlich, dass ihr Album so schön geworden sei. Sie hätten ja nur gespielt. Kofelgschroa haben keine Ahnung von ihrer Größe. Das ist mehr als nur cool.

Mit G. Rag y los Hermanos Patchekos, die auch ein neues Album vorstellen, feiern Kofelgschroa ihre CD, Kranhalle (Feierwerk), So, 27. Mai, 20.45 Uhr

 

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