König Carl Gustaf von Schweden Von Bordell-Affären, Schüchternheit und Dyslexie

Bei den Olympischen Spielen 1972 in München hat Carl Gustaf die Heidelbergerin Silvia Sommerlath kennengelernt, vier Jahre später wurde geheiratet. Foto: dpa

König Carl Gustaf von Schweden war nicht immer beliebt bei seinem Volk: Erst gilt er als schüchtern, dann bringen ihn angebliche Bordellbesuche in Verruch. Doch wie es scheint, haben sich die Schweden zu seinem 70. Geburtstag mit ihrem König versöhnt.

 

Stockholm - Schicksalsschläge, Rotlicht-Vorwürfe, Kinderglück: Wenn Schwedens König Carl XVI. Gustaf am Samstag (30. April) runden Geburtstag feiert, blickt er auf 70 bewegte Jahre zurück.

Auch wenn viele seiner Landsleute sich immer noch wünschen, dass seine Tochter Victoria ihm so schnell wie möglich auf den Thron folgt, haben sie sich nach turbulenten Jahrzehnten mit ihrem Monarchen ausgesöhnt. Carl Gustafs Leben in Stichpunkten:

Verliebt in eine Heidelbergerin

Es ist nicht so, dass Schweden nicht viele schöne Frauen hätte. Keine von ihnen hat den jungen schwedischen König Carl XVI. Gustaf aber so umgehauen wie die deutsche Olympia-Hostess Silvia Sommerlath. In München lernen sich die beiden 1972 kennen, vier Jahre später wird geheiratet. Das macht die Monarchie nicht nur auf einen Schlag wieder in Schweden, sondern auch in Deutschland beliebt. Die Geburten der drei Kinder Victoria, Carl Philip und Madeleine bringen dem Paar noch mehr Sympathiepunkte ein.

 

Rotlicht-Gerüchte

Ein derber Rückschlag ereilt die beiden 2011, als dem König eine Affäre und Kontakte ins Rotlichtmilieu nachgesagt werden. Im Jahr davor ist die Biografie "Der widerwillige Monarch" erschienen, in der von Herrenabenden und bezahlten jungen Frauen die Rede ist. Schlagzeilen macht auch, dass ein enger Freund von Carl Gustaf versucht haben soll, einem Nachtclubbetreiber verfängliche Fotos vom König abzukaufen. Der Monarch schweigt erst lange und streitet dann alles ab. Während Zeitungen seine Abdankung fordern, stellt sich ein angebliches Beweisfoto als plumpe Fälschung heraus.

Handicap Dyslexie

Auch dass Carl Gustaf in der Öffentlichkeit früher schüchtern auftrat und heute manchmal überheblich wirkt, kommt bei den Schweden nicht immer gut an. Es könnte aber mit einer Schwäche zu tun haben, die er vermutlich an seine Kinder Kronprinzessin Victoria und Prinz Carl Philip vererbt hat: Dyslexie. Wie sehr die Probleme mit dem Lesen, Schreiben und der Sprache ihnen zu schaffen gemacht haben, haben beide Königskinder sehr offen erzählt. Die Angst, bei öffentlichen Auftritten nicht die richtigen Worte zu finden, von der Carl Philip berichtet hat, könnte auch sein Vater verspürt haben.

Das liebe Vieh

Wäre er nicht König geworden, hätte Carl Gustaf wohl die Landwirtschaft zu seinem Beruf gemacht. Seit rund 50 Jahren ist er Pächter des Guts Stenhammar, auf dem ökologische Landwirtschaft betrieben wird. So oft er kann, ist er selbst in der schwedischen Natur unterwegs. Der König begeistert sich nicht nur für Landmaschinen und das liebe Vieh, sondern ist auch Ehren-Pfadfinder.

Planschen in der Badewanne

Meidet der König der Umwelt zuliebe. Seine alten Schlossgemäuer klimafreundlicher zu machen, ist ansonsten nicht immer ganz einfach. Inzwischen erleuchten aber LED-Lampen des Königs Zuhause, und auf dem Dach will Carl Gustaf Solarzellen anbringen, wenn die Behörden zustimmen. Die Umwelt liegt dem König so am Herzen, dass er Vorsitzender des WWF in Schweden ist.

Fünffach-Opa

Fünf Enkelkinder hat der König bereits - das jüngste, der Sohn von Prinz Carl Philip und Prinzessin Sofia, ist gerade einmal ein paar Tage alt. Die Töchter Victoria und Madeleine haben jeweils schon zwei Kinder. Als Babysitter muss das Königspaar trotz der vielen Enkel aber nicht oft einspringen. Dazu fehlt ihm schlicht die Zeit, sagt Carl Gustaf in einem "Aftonbladet"-Interview anlässlich seines Geburtstags: "Wir sind ja ziemlich beschäftigt."

Verzicht auf die Rente für Victoria

Das hat Carl Gustaf längst überschritten, aber der Ruhestand vom Königsein kommt für den Monarchen nicht infrage. Er kennt auch kaum etwas anderes: Nach dem Tod seines Großvaters - der Vater war gestorben, als Carl Gustaf noch ein Kleinkind war - übernahm er schon mit 27 Jahren den Thron. Da war er noch nicht einmal verheiratet. Seine Tochter Victoria soll so lange wie möglich ein unbeschwerteres Familienglück genießen, meint der Papa. "Ich hoffe, dass sie soviel wie möglich Mutter sein und sich um ihre Familie kümmern kann", sagt er im Interview in "Svenska Dagbladet". Solange er gesund und bei Kräften sei, wolle er weitermachen.

 

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