Klinikum Schwabing Ebola: Höchste Sicherheitsstufe auf der Sonderisolierstation

Die Sonderisolierstation im Schwabinger Klinikum ist die einzige in Bayern, auf der Ebola-Kranke behandelt werden können. Hier herrscht die höchste von vier Sicherheitsstufen. Foto: dpa

Auch in dem Münchner Krankenhaus könnten bald infizierte Patienten behandelt werden. Was die Abteilung dort von den Einrichtungen in Spanien und den USA unterscheidet.

 

In Madrid hat sich eine Pflegehelferin mit Ebola angesteckt, in Texas sind zwei Krankenschwestern infiziert. Alle arbeiteten auf Spezialabteilungen und versorgten dort Menschen, die mit dem hämorrhagischen Fieber infiziert waren.

Das Klinikum Schwabing verfügt über die einzige Sonderisolierstation in Bayern. Auch dort könnte schon bald ein Ebola-Kranker aus Westafrika eingeliefert werden.

Die AZ hat darüber mit Professor Clemens-Martin Wendtner, Chefarzt der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Immunologie, Palliativmedizin, Infektiologie und Tropenmedizin gesprochen.

AZ: Herr Professor Wendtner, welche Vorsichtsmaßnahmen gelten auf der Schwabinger Spezialstation?
CLEMENS-MARTIN WENDTNER: Bei der Behandlung von Ebolafieber-Patienten werden hohe Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Das Personal, das direkt an der Behandlung beteiligt ist, trägt eine spezielle Schutzausrüstung: Ganzkörperanzüge mit einer eigenen Sauerstoffversorgung und doppelte Handschuhe.

Wie schützt diese Ausrüstung genau – und was wird getan, um eine Gefährdung der Bevölkerung auszuschließen?
Die Anzüge haben im Inneren einen leichten Überdruck. Sollten kleine Beschädigungen auftreten, entweicht die Luft von innen nach außen und nicht umgekehrt. Eine komplexe Klimatechnik sorgt zudem für Unterdruck in der Behandlungseinheit – im Vergleich zu den umgebenden Räumen. Im Zweifel würde somit Luft immer nach innen und nicht von der Sonderisolierstation nach außen strömen. Um potenzielle Erreger zu absorbieren, durchläuft die Raumluft zudem mehrere Filter, bevor sie wieder an die Umgebung abgegeben wird. Bevor das Personal die Schutzausrüstung beim Verlassen der Behandlungseinheit ablegen kann, erfolgt eine rund 20-minütige Dekontamination unter einer Fomalin-Dusche. Und alle Abfälle, auch die Schutzausrüstung, werden als Sondermüll entsorgt.

Die Patienten in den USA und Spanien wurden vermutlich unter ähnlichen Bedingungen versorgt.
Nein. In Deutschland wird unter der höchsten Sicherheitsstufe gearbeitet, in Dallas und Madrid nicht. Auf den Stationen dort herrschen weder Unterdruckbedingungen, noch trug das ärztliche Personal Schutzhauben. Und beim Verlassen der Anlage wurde dort auch nicht mit Desinfektionsmittel geduscht.

Sind trotzdem Ansteckungswege denkbar?
Grundsätzlich ja. Theoretisch könnten durch kleinste Nadelstichverletztungen Ebola-Viren zu einer Infektion von Ärzten oder Pflegekräften führen.

Wie kann man sichergehen, dass sich das Personal tatsächlich an die Sicherheitsvorschriften hält?
Die Abläufe auf der Sonderisolierstation erfolgen nach klaren Vorgaben, die durch verschiedene Checklisten erfasst sind und akribisch abgearbeitet werden, um alles zu bedenken.

Wie viele Betten stehen dort im Ernstfall zur Verfügung?
Wir haben in Schwabing zwei Intensivbetten.

Wie viel Personal wird für die Behandlung eines Ebola-Patienten im Schnitt benötigt?
Für eine 24-stündige Betreuung muss man mit 24 Personen rechnen: Jeweils ein Arzt und zwei Schwestern bilden ein Team, das wegen der enormen Belastung alle drei Stunden ausgewechselt wird.

Wie werden Ihre Mitarbeiter auf den Einsatz vorbereitet?
Das Personal – also Ärzte und Pflegekräfte, die sonst im „normalen“ Krankenhausalltag verschiedener Abteilungen des Klinikums Schwabing tätig sind – muss für den Einsatz eine spezielle, mehrtägige Schulung absolvieren, die in der Regel alle sechs Monate aufgefrischt wird.

Was geschieht anschließend? Werden Ärzte und Pfleger durchgecheckt oder müssen regelmäßig Fieber messen?
Personal, das auf der Sonderisolierstation eingesetzt worden ist, wird nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zu einem Selbstmonitoring angewiesen: Danach sollte bis zu drei Wochen nach dem letzten Kontakt ein freiwilliges Selbstmonitoring auf Krankheitssymptome erfolgen. Eine Temperaturmessung mit Übermittlung der Daten ist nicht verpflichtend. Diese Empfehlung gilt für alle Beschäftigten, die die jeweils gültigen Arbeitsschutzmaßnahmen eingehalten, sowie keine Beschädigung der Schutzausrüstung festgestellt haben und adäquat dekontaminiert wurden.

Gibt es in Ihrem Haus bereits Menschen, die sich weigern, Ebola-Patienten zu behandeln?
Nein. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hoch motiviert.

 

4 Kommentare