Klinikum Großhadern Mobbing-Vorwürfe: Klinik-Direktor vor Gericht

Der Klinikdirektor soll eine Angestellte diskriminiert haben – wegen ihr Alters und weil sie Ausländerin ist. „Nicht mein Stil“, sagt der 41-Jährige. Foto: Mike Schmalz

Er soll eine Angestellte diskriminiert haben – wegen ihres Alters und weil sie Ausländerin ist. „Nicht mein Stil“, sagt der 41-Jährige

 

München - Zwei Stunden dauert die Verhandlung im stickig-heißen Sitzungssaal 3 im Arbeitsgericht an der Winzererstraße. Auf der Seite des Beklagten nimmt der Klinik-Chef persönlich Platz: Gerd Koslowski, seit fünf Jahren kaufmännischer Direktor des Klinikums Großhadern. Der 41-Jährige lenkt die finanziellen Geschicke des 2100-Betten-Hauses und ist Chef von mehr als 7.000 Mitarbeitern.

Gegen Gerd Koslowski wurden schon mehrmals Vorwürfe laut (AZ berichtete). Sein Umgangston soll oft rüde sein. In einem Schreiben an den Landtag hieß es, er verbreite ein „Klima der Angst und Verunsicherung“. Legendär ist seine nie bestrittene Verbal-Attacke gegen Maximilian Reiser, den Dekan der Medizinischen Fakultät: „Der will uns anpissen? Ich habe den längeren Strahl.“

Vor dem Arbeitsgericht gab es bereits mehrere Prozesse, in denen es um den Umgang des drahtigen Diplom-Kaufmanns mit seinem Personal ging. Gestern musste er persönlich erscheinen.

„Er hat mir die Kündigung ausgesprochen, weil ich zu alt sei für das, was er vorhatte“, sagt Mirjana Jaman. Die 52-Jährige ist Kroatin, sie war in München Konsulin von Kroatien und sechs Jahre lang Vize-Vorsitzende im Ausländerbeirat. In Großhadern leitete sie zehn Jahre lang die Geschäftsstelle, eine der größten Abteilungen mit über 100 Mitarbeitern – bis 6. Dezember 2007.

An diesem Tag rief sie Gerd Koslowski, damals erst zwei Monate im Amt, zu sich. Als Erstes soll er vorgeschlagen haben, dass ein Kollege „übersetzen“ könne, falls sie etwas nicht verstünde. Dann fragte er angeblich, ob sie als „Ausländerin“ überhaupt so eine große Abteilung leiten könne.

„Ich erinnere mich ganz genau, ich bin heute noch betroffen“, sagt die 52-Jährige. Aufgewühlt berichtet sie im Gericht: „Als ich ging, lachte er.“

„Das ist überhaupt nicht mein Stil“, erwidert Koslowski. Während Mirjana Jaman aussagt, wartet er draußen. Als der Zwei-Meter-Mann wieder in den Saal darf, bestreitet er, dass er sich so geäußert habe. „Dass ich ausländerfeindlich sein soll oder was gegen Frauen oder ältere Frauen hätte, ist absurd! Mir ging es im Rahmen der Umstrukturierung darum, die Abteilung aufzulösen.“
Ihre Eignung habe er nicht in Frage gestellt, aber er wollte ihr betriebsbedingt kündigen – mit Abfindung. Doch da spielte der Freistaat als Klinik-Träger nicht mit.

Gestern sitzt der Krankenhaus-Chef im schicken hellgrauen Anzug vor dem Richter, erklärt mit ruhiger Stimme: „Ich wollte Abläufe straffen, effizienter wirtschaften“. Und er wollte nicht, „dass jemand anderes meine Post öffnet“ – was Mirjana Jaman bislang für seinen Vorgänger getan hatte.

Die Kroatin verlor ihren Posten. Doch die Kündigung wurde nicht wirksam. Sie arbeitet heute für den ärztlichen Direktor Burkhard Göke.

„Die Arbeit war meine sichtbare Liebe“
, sagt die Frau. Der Kampf um ihren Job hat weitere Folgen: Im Juni 2010 ruft ein Polizist bei ihr an. Er ermittelt wegen Untreue-Vorwürfen, die inzwischen eingestellt sind, gegen Gerd Koslowski.

Der Polizist fragt: „Was ist Herr Koslowski für ein Mensch?“ Die Kroatin: „Er nutzt seine Machtposition rücksichtslos aus. Er benimmt sich wie der liebe Gott!“ Außerdem erzählt sie vom 6. Dezember 2007 und dass sie danach monatelang untätig im Büro herumsitzen musste.

Gerd Koslowski erfährt von der Aussage und schickt Mirjana Jaman drei Abmahnungen. Deswegen sehen sie sich nun vor Gericht. Zwei Tage vor der gestrigen Verhandlung gab ihr eine Richterin teilweise Recht: Eine der Abmahnungen muss aus der Personalakte verschwinden. Aber die wegen dem „lieben Gott“ sei „ehrverletzend“, sie bleibt.

Nun geht es noch um die dritte Abmahnung – und eine Entschädigung für Mirjana Jaman. Das Urteil fällt nächste Woche.

 

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