Klinik-Skandal Befehl von oben: Patienten quälen

Der ehemalige Heimleiter Markus K. (29) soll Befehle zum Quälenerteilt haben. Foto: Torsten Huber

"Verdreht ihnen die Arme! Tut ihnen weh!" In einer psychiatrischen Einrichtung gab es Tritte und Schläge gegen Kranke.

 

MÜNCHEN Brille, Bart, ein kleines Zöpfchen und Schlabber-Jeans: Der ehemalige Heimleiter Markus K. (29) einer psychiatrischen Einrichtung in Fischbachau wirkt optisch eher wie ein Lehrer aus der, sagen wir, Waldorf-Schule.

Der Schein trügt. In seiner Einrichtung herrschte ein rauer Umgang mit den 35 Heimbewohnern. Der Heimleiter gab den Befehl ans Personal, „Krisen schnell und knackig“ zu beenden. Patienten seien unter „Setzung von Schmerzreizen“ zu bändigen.

Einige wurden vom Klinik-Personal gequält. Jetzt steht Markus K. wegen 32 Fällen der gemeinschaftlichen Misshandlungen von Schutzbefohlenen vor dem Münchner Landgericht. K. legte ein umfassendes Geständnis ab und sagte: „Uns ist die Sache über den Kopf gewachsen.“

2003 wurde die Einrichtung, die inzwischen eine andere Geschäftsführung hat, gegründet. Markus K. und sein Team wollten neue Wege gehen. Ihr Ziel war es, die Patienten, die an psychischen Störungen leiden, weniger mit Medikamenten zu therapieren.

Dies ging wohl schief. Um gewalttätige Insassen wieder ruhig zu stellen, lauteten die Anweisung: „Die Gewaltstufe der Mitarbeiter muss immer eine Stufe höher sein als die der Bewohner.“ Zum Thema „Krisenbewältigung“ galt die Order: „Verdreht ihnen die Arme, bis sie kurz vor dem Knacken sind, tut ihnen weh!“

Laut Anklage wurden die Befehle vom Personal umgesetzt. Die Übergriffe sollen sich von Sommer 2003 bis 2008 ereignet haben. Ein Pfleger warf einem Patienten eine dicke Kerze ins Genick und watschte ihn, als der sich nicht wunschgemäß verhalten hatte. Die Pfleger pressten Patienten gegen die Wände und würgten sie.

Sie teilten Magenschwinger aus, kugelten Arme aus, traten sie in den Rücken, zogen sie an den Haaren oder nahmen sie in den Schwitzkasten. Männlichen Heiminsassen wurde auch in die Genitalien getreten. In einem Fall sollen Pfleger Tennisbälle in Handtücher gewickelt und damit zugeschlagen haben.

Die „schmerzhafte Erinnerung“ sollte die Aggressionen bei den Patienten eindämmen. „Wir haben wohl nicht erkannt, wann wir aufhören müssen“, bedauerte der Angeklagte. Der Prozess dauert an.

 

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