Kleve Räuberpaar: 22-Jährige befreit Psychiatrie-Insassen

Die Polizei sucht die 22-jährige Nadia Lohja (r) und den entfohenen Siart Ates (l). Foto: dpa/ Kreispolizeibehörde Kleve

Schwerer Raub und Erpressung haben einen jungen Mann in die Psychiatrie gebracht. Am Donnerstag bringen ihn seine Bewacher zum Arzt. Da greift eine Komplizin vor der Praxis zur Waffe.

 

Kleve - Eine bewaffnete Frau hat den verurteilten Straftäter und Psychiatrie-Insassen Sirat Ates vor einer Arztpraxis in Kleve am Niederrhein befreit. Bei der Frau handelte es sich um die 22-jährige Nadia Lohja. Die beiden flohen am Donnerstag in einem geraubten Auto, bis ein Unfall sie stoppte. Dann setzten sie ihre Flucht zu Fuß fort. Die Polizei leitete eine Großfahndung ein, die bis zum Abend ohne Erfolg blieb. Lohja ist nach Angaben der Ermittler vermutlich eine ehemalige Mittäterin des 27-Jährigen.

Ates war am Mittag von drei Mitarbeitern der psychiatrischen Klinik in Bedburg-Hau zu einem Arzt nach Kleve gebracht worden. Dort hatte die 22 Jahre alte Lohja offensichtlich auf ihren Komplizen gewartet. Sie sei auf die Gruppe zugekommen, habe die drei Begleiter mit einer Schusswaffe bedroht und sie gezwungen, die Handschellen des 27-Jährigen zu lösen, teilte die Polizei mit. Der Mann war nach Angaben des Landschaftsverbandes Rheinland seit November 2014 in der psychiatrischen Klinik in Bedburg-Hau untergebracht.

Der 27-Jährige war wegen schweren Raubes in Tateinheit mit schwerer räuberischer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt worden. Vor seinem Haftantritt sollte er eine Entziehungskur machen. Ates sei bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten, teilten die Ermittler mit. Sie warnten davor, dem vermutlich bewaffneten Paar zu nahe zu kommen.

Lohja und Ates flohen mit einem Wagen, nachdem sie den unbeteiligten Fahrer des Autos zum Aussteigen gezwungen hatten. Im benachbarten Goch bauten sie wenig später einen Unfall und flohen zu Fuß weiter.

Spezialkräfte der Polizei durchsuchten mehrere Häuser in der Nähe des aufgefundenen Wagens. Hubschrauber der Landes- und Bundespolizei sowie Suchhunde waren im Einsatz. Auch die Autobahnpolizei und die niederländische Polizei wurden in die Großfahndung eingebunden. Bis zum späten Nachmittag blieb die Suche erfolglos.

Einrichtung für Straftäter

In den forensischen Abteilungen der LVR-Klinik Bedburg-Hau werden vor allem vom Gericht verurteilte Straftäter untergebracht. Gemäß der Webseite der Klinik handelt es sich hierbei um Patienten, die "zu dieser Zeit jedoch seelisch schwer erkrankt und deshalb vermindert schuldfähig bzw. schuldunfähig waren."

 

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