Klassik Wie Bayerns Pleite klingt

Der Komponist Alessandro Striggio antwortete auf die monumentale Kuppel des Doms von Florenz mit nicht minder monumentaler Mehrstimmigkeit. Foto: Wikimedia

Bei der Uraufführung der 40-stimmigen Motette „Ecce beatam lucem” von Alessandro Striggio hingen die Sänger 1561 kostümiert als Engel unter der florentinischen Domkuppel. Ein paar Jahre später dirigierte Orlando di Lasso ein ähnliches Monumentalwerk seines italienischen Kollegen bei der 18-tägigen Hochzeit von Herzog Wilhelm V. in München. Hier dürfte 1569 auch die 40-stimmige Messe „Ecco il beato giorno” erklungen sein.

 

Auch heute sind Aufführungen dieser üppigen Vokalpolyphonie mit Raumklangeffekten wegen des enormen Aufwands der pure Luxus. Robert Hollingworth hat für die Einspielung der erst kürzlich in Paris wiederentdeckten Monumental-Messe und Motetten Striggios die Elite britischer Renaissance-Experten zusammengebracht. Er orientierte sich dabei an der pompösen Praxis der Münchner Hofkapelle, die Vokalstimmen zusätzlich mit Instrumenten zu verdoppeln.

Auf der beigefügten DVD ist Holligworth zu bewundern, wie er sich drehend das im Kreis aufgestellte Ensemble dirigiert. Für Audiophile gibt es die Messe zusätzlich in einer 5.1-Version. Aber auch in simplem Stereo klingt die üppig-schöne Musik, als würde sich der Himmel öffnen. Den Bayernherzog (und Hofbräuhaus-Gründer) führte solche Prachtliebe zum Rücktritt und in den Staatsbankrott. Da kommen wir mit 20 republikanischen Euro für die CD samt Bonus-DVD eindeutig günstiger weg.

Alessandro Striggio: „Mass in 40 Parts”, I Fagiolini (Decca)

Sehen Sie hier das Video zur CD

 

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